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Scan 75
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1der als Schauplatz der Triumphe der zu früh Dahingerafften ihm nur schmerzliche Erinnerungen bot. Er nahm daher gern das ihm offerirte Amt eines Hofkapellmeisters in Stuttgart an und siedelte 1807 dorthin über. Doch sah er sich in Folge der eintretenden eingreifenden Veränderungen, die sich vom Staat auch auf das Hoftheater und die Kapelle verpflanzten, veranlasst, sich um die Kapellmeisterstelle am baden’schen Hofe zu bewerben, die er erhielt und die ihn nach Karlsruhe führte, wo er still und eingezogen lebend, am 13. Apr. 1826 starb. — Obwohl kein Meister ersten Ranges, besitzt D. doch den wohl erworbenen Ruhm eines soliden und geschickten Musikers, in dessen Vocalwerken innige Empfindung und schöner Ausdruck vorherrschen. Da sie den Stempel der Zeit tragen, so sind sie überragenderen Arbeiten Anderer gegenüber fast in Vergessenheit gerathen, mehr aber noch seine Instrumentalwerke, bestehend in Sinfonien, Sextetten, Quintetten, Quartetten und Concerten für verschiedene Instrumente, namentlich aber für Violoncello etc., an denen die Beethoven’sche Umwälzung der Orchestermusik ohne Einwirkung vorübergegangen ist. Seine zahlreichen Messen, Vespern, Magnificats, Te deen und Cantaten sind meist Manuscript geblieben, ein- und mehrstimmige Lieder von ihm sind dagegen im Druck erschienen und verlohnen näherer Bekanntschaft. Den hervorragendsten Werth behaupten noch immer seine trefflichen Singübungen, die weit verbreitet sind und noch zur Stunde einen ergiebigen Unterrichtsstoff bilden, wie denn überhaupt D. einer der vortrefflichsten deutschen Gesanglehrer gewesen ist.
3Danzi, Margarethe, die berühmte Gattin des Vorigen, eine gefeierte, leider zu früh gestorbene Sängerin, war die Tochter des bekannten Münchener Theaterdirektors Marchand und in der baierischen Hauptstadt im J. 1768 geboren. Schon als zartes Mädchen war sie durch ihre gelungene und liebenswürdige Darstellung von Kinderrollen beim Publikum beliebt, und da sie nicht blos zur Schauspielerin, sondern zugleich zur Sängerin, damaliger Kunsterziehung gemäss, bestimmt war, so bildete sie sich im Gesang bei der berühmten Lebrun (s. d.), der Schwester ihres nachmaligen Gatten, im deutschen und italienischen Vocalstyle auf’s Trefflichste aus und erwarb sich gleichzeitig den Ruhm einer ausgezeichneten Clavierspielerin. Im J. 1787 debütierte sie in der grossen Oper und zwar in »Castor und Pollux« von Vogler, und von Rolle zu Rolle wurde sie mehr und höher in München gefeiert. Sie heirathete 1790 den damaligen Hofmusiker Franz Danzi und trat mit demselben ein Jahr später eine mehrjährige, sehr erfolgreiche Kunstreise an. Am längsten verweilte das junge Ehepaar in Leipzig und Prag, wo Beide bei der trefflichen Guardasoni’schen Operngesellschaft, die abwechselnd in beiden Städten spielte, er als Musikdirektor und sie als erste Sängerin engagirt wurden. Besonders als Susanna in Mozart’s »Figaro«, Carolina in Cimarosa’s »Matrimonio segreto« und Nina in Paisiello’s gleichnamiger Oper war sie eine gefeierte, vielbewunderte Erscheinung. In den Jahren 1794 und 1795 bereisten die beiden Gatten Italien und errangen, namentlich in Venedig und Florenz, nicht geringeren Beifall als in Deutschland. Kränklichkeit Margarethe’s war 1796 die Ursache der Rückkehr nach München; ihr Zustand verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr mehr und ging 1799 in eine schnelle Auszehrung über, die sie am 11. Juni 1800 dahinraffte, nachdem sie, einem leuchtenden Meteore gleich, allenthalben eben nur vorübergezogen war.
5Daphnis, ein Sohn des Hermes (Mercur) und einer Nymphe, der Erfinder der bukolischen Poesie, welcher seine Heerden am Fusse des Aetna weidete und hierbei von dem Pan selbst in der Musik unterrichtet wurde, entflammte die Liebe einer Nymphe, ward jedoch derselben später gegen sein Versprechen untreu und zur Strafe dafür von ihr in einen Stein verwandelt, nach Theokrit aber von Liebe aufgezehrt.
7Daquin oder D’Aquin, Doktor der Medizin zu Paris, dessen Lebenszeit in die Mitte des 18. Jahrhunderts fällt, ist u. A. der Verfasser eines literarhistorischen Werks, betitelt: »Le siècle littéraire de Louis XV.«, worin in acht werthvollen Briefen Abhandlungen über Tonkünstler und den damaligen Stand der Musik enthalten sind.
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