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Scan 88
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1Componisten, welche einer hervorragenden Beachtung würdig bleiben. Seit dem Tode Berlioz's ist er Bibliothekar am Pariser Conservatorium.
3David, Ferdinand, einer der ausgezeichnetsten deutschen Violinspieler und einer der besten Componisten für sein Instrument, wurde am 19. Juni 1810 zu Hamburg geboren und erregte schon als zehnjähriger Knabe durch öffentliche Vorträge Aufsehen als fertiger Violinist. Die letzte und höchste Schule wurde ihm bei L. Spohr in Kassel zu Theil, welcher Meister ihn von 1823 bis 1826 unterrichtete. Nach dieser Zeit unternahm er mit seiner Schwester Louise (s. Dulcken) einige Kunstreisen, die ihn auch in Berliner Kreise einführten und ihn bewogen, in das Orchester des dortigen Königstädtischen Theaters zu treten. Hier blieb er drei Jahre, worauf er die Stellung als erster Violinist in einem Privatquartett-verein zu Dorpat annahm. In diesem Verhältniss, welches ihm reichliche Mussestunden liess, versenkte er sich theils tiefer in das Studium der Composition, theils sammelte er praktische Erfahrungen, indem er im dortigen Musikverein bald vorgeigte, bald dirigirte. Um Russland näher kennen zu lernen, machte er von Dorpat aus verschiedene Concertreisen, namentlich nach Moskau, Riga und St. Petersburg und fand überall die grösste Anerkennung. Zu Ende des Jahres 1835 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, gab in Berlin und anderen Städten Norddeutschlands erfolgreiche Concerte und ging endlich zu bleibendem Aufenthalte nach Leipzig, wo ihm am 1. März 1836 die Concertmeisterstelle als Nachfolger des verstorbenen Matthäi angeboten worden war. Sofort nach Gründung des Conservatoriums erhielt er auch die Stellung als Lehrer des Violinspiels und entwickelte nach jeder Seite hin eine Kunstthätigkeit, die von dem vortheilhaftesten Einfluss auf das Kunstleben der Stadt war und durch zahlreiche Auszeichnungen anerkannt wurde. Als Violinvirtuose trat er bis in die letzte Zeit hinein auch ausserhalb Leipzig's noch vielfach auf. Sein Violinspiel trägt ein classisches, ächt deutsches Gepräge, und D. hat es verstanden, zwischen Spohr und Molique in der Geschichte der Virtuosität eine feste, höchst ehrenvolle Position einzunehmen. Er behandelt sein Instrument meisterhaft fertig, geschmack- und geistvoll; sein Ton ist stets edel, voll und schön und seine Bogenführung von vornehmer Eleganz und Leichtigkeit. Ebenso vorzüglich wie als Solo- ist er als Quartettspieler, in welcher Eigenschaft er nicht minder häufig und mustergültig hervortritt. Geradezu unübertrefflich ist aber die Art und Weise, wie er das Amt des Concertmeisters auffasst, wie er im Orchester vorgeigt, dadurch Alles zu beleben weiss und dem Dirigenten wie Componisten die leisesten Feinheiten abzulauschen und dem ganzen Instrumentalkörper durch sein Spiel mitzuteilen versteht. Mit Recht ist er vielfach als die Seele des Leipziger Gewandhaus- und Opernorchesters bezeichnet worden. Nicht minder segensreich wirkt D. als Lehrer des Violinspiels, und man darf wohl behaupten, dass noch niemals ein Meister eine grösse Masse von Schülern unterwiesen und herangebildet habe, von denen Viele sich einen ausgezeichneten Ruf in der Kunstwelt erworben haben, während noch immerfort sich eine jüngere Generation zu seinem Unterricht herandrängt. Endlich behauptet D. auch als Componist eine ehrenvolle Stellung, ganz besonders in den für sein Instrument geschriebenen Arbeiten, bestehend in fünf Concerten, Variationen, Rondos, Capricen, Charakterstücken u. s. w., die sämmtlich mehr oder weniger geistreich erfunden und entwickelt, rhythmisch und harmonisch sehr anziehend durchgeführt sind und für den Spieler überaus lohnend, für den Musiker im Allgemeinen interessant erscheinen. Ausserdem hat er auch für andere Orchesterinstrumente, als Viola, Violoncello, Clarinette, Posaune wirkungsvolle Concertstücke geschrieben, sowie einige Sinfonien, ein sehr schönes Sextett für Streichinstrumente, Quartette, Lieder u. s. w., in denen Gediegenheit und Anmuth immer vereinigt sind. In den letzten Jahren hat D. sich mit Vorliebe der Ausgrabung von Schätzen der classischen Violinliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts zugewendet, die er genau revidirt und für den modernen Gebrauch trefflich eingerichtet, theils einzeln, theils in Serien herausgiebt. Seine pädagogische Thätigkeit aber krönt die von ihm herausgegebene neue vollständige Violinschule,
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