Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 112

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872

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1gesteckt wird, und dadurch, dass diese Schraube in den Schraubengang der Froschöse hineingreift, ist es möglich, den Frosch selbst beliebig in grösseren und kleineren Dimensionen auf- und abzuschieben. Dadurch aber wird wiederum der Haarbezug zwischen Kopf und Frosch straffer angezogen oder schlaffer nachgelassen, jenachdem der Spieler die Elasticität seines B.s erhöhen oder erniedrigen will. Wie viel oder wie wenig das geschehen muss, darüber lassen sich bestimmte Regeln oder Verhältnisszahlen nicht geben, es hängt ganz von der Individualität jedes einzelnen Spielers selber ab, jenachdem er gewöhnt ist. Im Allgemeinen dürfte nur als Regel gelten, dass der Bezug nicht zu schlaff gespannt sein darf, weil sonst bei etwas stärkerem Drucke der Stab leicht mit dem Haare die Saiten berührt. Er darf aber auch nicht zu straff angezogen sein, denn dadurch wird der Stab gewöhnlich aus der Richtung der geraden Linie gezogen, die er vom Frosche bis zum Kopfe bilden muss, und der Spieler verliert dadurch die Herrschaft über ihn, da er namentlich bei schnelleren Passagen bald zu stark, bald zu schwach von den Saiten abspringt. — Was nun den Haarbezug des B.s anbetrifft, so bedient man sich dazu bekanntlich des Pferdehaares. Merkwürdiger Weise greifen die schwarzen Haare die Saiten viel stärker an, als die weissen; erstere finden daher nur zu den Contrabassbogen Verwendung. Der Bezug darf nicht zu stark und auch nicht zu schwach sein; der zu starke Bezug berührt die Saiten mit so grossem Volumen, dass er den Schwingungen hinderlich wird; der zu schwache bewirkt das Gegentheil, die Saiten können die ausreichende Zahl von Schwingungen nicht hervorbringen. Eine Anzahl von 110 bis 130 Haaren hat sich als die zweckentsprechendste bewährt. Ein kleiner Metallschieber, welcher da, wo die Haare den Frosch verlassen, auf letzteren aufgeschoben werden kann, dient dazu, die Haare aus einander zu drücken, damit sie sich möglichst in eine Fläche ausbreiten. Da die Fettigkeit der Haare beim Hinüberstreichen über die Saiten die nötige Reibung zur Hervorbringung der Schwingungen verhindert, so muss der ganze Bezug mit Geigenharz oder Colophonium (s. d.) eingerieben werden, was von Zeit zu Zeit wiederholt wird, in der Regel vor jedesmaligem Gebrauche. — Die besten Violin- und Violoncellbogen lieferte François Tourte (geb. 1774, gestorb. 1835) in Paris; sie sind bis zum heutigen Tage noch immer das unübertroffene Muster für die Bogenfabrikation. Selbstverständlich sind sie daher, gleich den alten italienischen Geigen ersten Ranges, ein sehr gesuchter und theurer Artikel, und es ist nichts Seltenes, dass ein echter Tourte'scher B. mit mehreren Friedrichsd'ors bezahlt wird. — Einiges Allgemeine über die Kunst, den Bogen zu handhaben, s. unter dem Art. Bogenstrich. — 3) Der B. bei Blechinstrumenten war eine zu ihrer Zeit sehr wichtige Erfindung, die aber jetzt durch die Ventilinstrumente mehr oder weniger verdrängt worden ist. Durch kreisförmig gebogene Rohre von Messingblech, — daher Krummbogen genannt — welche man dem Horne unmittelbar unter dem Mundstücke anschob, vermochte man die ursprüngliche Stimmung um einen ganzen (grosser Krummbogen) oder einen halben (kleiner Krummbogen) Ton zu erniedrigen, denn das Hornrohr konnte durch Anschubung des B.s ja nur länger gemacht werden, nicht aber kürzer, also war wohl eine Vertiefung, nicht aber eine Erhöhung der Stimmung möglich. Und selbst die Vertiefung schwankte in der Stimmung oft so bedeutend, dass noch kleine Messingrohre, Setzstücke, aufgesteckt werden mussten. Wollte man also im Orchester eine mehrfach verschiedene Stimmung haben, so musste man auch verschiedene Hörner mit ihren dazu gehörigen B. anwenden. Diesem Uebelstande half A. J. Hampel in Dresden 1748 dadurch ab, dass er das Waldhorn so construirte, dass die Krummbogen nicht unter dem Mundstück, sondern in der Mitte des Instrumentes eingeschoben wurden und zwar so, dass ein weiteres oder geringeres Einschieben jene Regulirung durch Setzstücke überflüssig machte. Es wurden B. für alle Tonarten construirt, und so konnte der Hornist auf einem Instrumente in allen Tonarten blasen, falls er nur die B. zur Hand hatte. Die Erfindung der Ventilhörner aber hat dem Instrumente erst die ihm bis dahin fehlende Chromatik gegeben, und damit sind die Umstimmungsbogen ausser Cours gesetzt worden. Das Nähere darüber siehe unter Horn. — Auch bei der Trompete sind die B. zum Umstimmen der einfachen Naturinstrumente ihrerzeit in Gebrauch gekommen, bis auch

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