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Scan 91
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1Trotzdem, dass die Zöglinge im Conservatorium auf den Blasinstrumenten Unterricht erhielten, machte sich doch im Laufe der Zeit ein Mangel an Musikern auf Blasinstrumenten fühlbar, und in Folge dessen gründete Weiss im J. 1835 eine Schule für Zugposaune und Feldtrompete, die aber nur einige Jahre bestand. Zu einem in dieser Hinsicht noch grösseren musikalischen Unternehmen entschloss sich vier Jahre darnach Kinderfreund, der am 1. October 1839 ein Privatconservatorium in Prag eröffnete. In dieser Musikbildungsanstalt, die anfangs 180 Schüler zählte, ertheilten ausgezeichnete Lehrer Musikunterricht in der Harmonielehre, auf der Violine, Contrabass, Violoncell, Flöte, Piano und im Gesang. Aber auch dieses Miniaturconservatorium ging nach einigen Jahren ein. Bedeutend besser erging es dem vom Militärkapellmeister J. V. Svoboda im J. 1850 gegründeten Militärmusikverein, dessen ursprünglicher Zweck in der unentgeltlichen Ausbildung talentvoller Musiker in der Militärmusikinstrumentation bestand. Diesen Zweck erweiterte aber im J. 1850 der neue Director dieses Vereins Johann Pavlis, welcher im selbigen Jahre auf Kosten des Vereins eine Musikschule für Flügelhorn, Trompete und Euphonion gründete und mit seinem Lehrer Karl Dolenský unentgeltlichen Unterricht ertheilte. Dieses treffliche Institut bildete eine Menge ausgezeichneter Bläser und Capellmeister für militärische Musikkapellen und ist bis jetzt äusserst thätig. Einen wohlthätigen Einfluss auf den Geschmack des Publicums für die Instrumentalmusik übte der im J. 1840 von A. Apt gegründete Cäcilienverein, der es sich zum Ziele gesetzt hatte, Instrumental- und Vocalwerke älterer und neuerer, einheimischer wie fremder Componisten zur Aufführung zu bringen. Dieser Verein, der hauptsächlich aus Musikdilettanten bestand, wurde vom Director A. Apt durch 25 Jahre, also bis zum Jahre 1865, wo er einging, umsichtig geleitet und machte Böhmen zuerst mit Compositionen Richard Wagners und anderer neueren Koryphäen bekannt. Die früheren Conzerte des Conservatoriums, so wie die zahlreichen jährlich sich steigernden musikalischen Akademien fremder und einheimischer Künstler so wie vaterländischer Vereine boten den einheimischen Componisten Gelegenheit, sich der Composition von Instrumentalwerken zu widmen und ihre Tondichtungen aufführen zu hören. Es konnte daher nicht fehlen, dass sich eine bedeutende Anzahl Componisten diesem Gebiete zuwendete. Es sind: Fried. Altschul, A. W. Ambros, J. Dessauer, Alex. Dreyschock, Sig. Goldschmidt, H. Gottwald, Al. Hnilička, Jac. Hössly, Joh. Kalliwoda, Fried. Kittl, L. Kleinwächter, Jos. Krejčí, Leo Lion, Jgn. Moscheles, Franz Němec, Ed. Nápravník, Jos. Nesvadba, L. Procházka, L. Saar, Fr. Smetana, Franz und Joh. N. Škrroup, A. E. Titl, W. Tomášek, H. Veit, J. Vojáček, Dionys Weber, Joh. Weber, Joh. Witásek, H. Woříšek, L. Zvonař, der musik. Sonderling Ant. Heinrich u. s. w., deren Ouverturen oder Sinfonien grösstentheils in Prag aufgeführt wurden. Aber nicht nur in Prag, sondern auch in den Städten Böhmens wurden Musikanstalten und Vereine, wo entweder Unterricht auf verschiedenen Instrumenten ertheilt wurde oder Instrumental- und Vocalwerke zur Aufführung gelangten, gegründet. So entstand schon im J. 1803 in Wildenschwert ein Cäcilienverein, im J. 1838 eine Musikschule für verschiedene Instrumente in Schlan u. s. w. — Die Kammermusik. Zu gleicher Zeit, wo der Gedanke zur Gründung eines Musikconservatoriums in Prag auftauchte, fanden auch die ersten öffentlichen Kammermusikproductionen statt. Die ungenügenden Quartettaufführungen in Privatzirkeln und die daraus resultirenden schiefen Beurtheilungen von Compositionen gediegener Meister veranlassten im J. 1808 die in Prag domicilirenden Tonkünstler Friedrich und Johann Pixis zur Veranstaltung öffentlicher Quartettproductionen, deren jährlich sechs gegeben wurden. Friedr. W. Pixis, der sich später als Violinprofessor am Prager Conservatorium grosse Verdienste erwarb, brachte mit seinen Partnern vom J. 1808—1842 die classischen Kammermusikcompositionen des Drei gestirns Haydn, Mozart, Beethoven zu Gehör, war aber dabei stets bestrebt, mit dem Zeitgeiste fortzuschreiten und alle neuen bedeutenden Erscheinungen dieser Musikgattung vorzuführen. So machte er die Böhmen während des sechsunddreissigjährigen Bestandes seiner Kammermusikproductionen mit den Compositionen von Krommer, Romberg, Prinz Louis Ferdinand; später mit jenen von L. Spohr, Fesca, Ries und one of two readings
2Trotzdem, dass die Zöglinge im Conservatorium auf den Blasinstrumenten Unterricht erhielten, machte sich doch im Laufe der Zeit ein Mangel an Musikern auf Blasinstrumenten fühlbar, und in Folge dessen gründete Weiss im J. 1835 eine Schule für Zugposaune und Feldtrompete, die aber nur einige Jahre bestand. Zu einem in dieser Hinsicht noch grösseren musikalischen Unternehmen entschloss sich vier Jahre darnach Kinderfreund, der am 1. October 1839 ein Privatconservatorium in Prag eröffnete. In dieser Musikbildungsanstalt, die anfangs 180 Schüler zählte, ertheilten ausgezeichnete Lehrer Musikunterricht in der Harmonielehre, auf der Violine, Contrabass, Violoncell, Flöte, Piano und im Gesang. Aber auch dieses Miniaturconservatorium ging nach einigen Jahren ein. Bedeutend besser erging es dem vom Militärkapellmeister J. V. Svoboda im J. 1850 gegründeten Militärmusikverein, dessen ursprünglicher Zweck in der unentgeltlichen Ausbildung talentvoller Musiker in der Militärmusikinstrumentation bestand. Diesen Zweck erweiterte aber im J. 1850 der neue Director dieses Vereins Johann Pavlis, welcher im selbigen Jahre auf Kosten des Vereins eine Musikschule für Flügelhorn, Trompete und Euphonion gründete und mit seinem Lehrer Karl Dolenský unentgeltlichen Unterricht ertheilte. Dieses treffliche Institut bildete eine Menge ausgezeichneter Bläser und Capellmeister für militärische Musikkapellen und ist bis jetzt äusserst thätig. Einen wohlthätigen Einfluss auf den Geschmack des Publicums für die Instrumentalmusik übte der im J. 1840 von A. Apt gegründete Cäcilienverein, der es sich zum Ziele gesetzt hatte, Instrumental- und Vocalwerke älterer und neuerer, einheimischer wie fremder Componisten zur Aufführung zu bringen. Dieser Verein, der hauptsächlich aus Musikdilettanten bestand, wurde vom Director A. Apt durch 25 Jahre, also bis zum Jahre 1865, wo er einging, umsichtig geleitet und machte Böhmen zuerst mit Compositionen Richard Wagners und anderer neueren Koryphäen bekannt. Die früheren Conzerte des Conservatoriums, so wie die zahlreichen jährlich sich steigernden musikalischen Akademien fremder und einheimischer Künstler so wie vaterländischer Vereine boten den einheimischen Componisten Gelegenheit, sich der Composition von Instrumentalwerken zu widmen und ihre Tondichtungen aufführen zu hören. Es konnte daher nicht fehlen, dass sich eine bedeutende Anzahl Componisten diesem Gebiete zuwendete. Es sind: Fried. Altschul, A. W. Ambros, J. Dessauer, Alex. Dreyschock, Sig. Goldschmidt, H. Gottwald, Al. Hnilička, Jac. Hössly, Joh. Kalliwoda, Fried. Kittl, L. Kleinwächter, Jos. Krejčí, Leo Lion, Jgn. Moscheles, Franz Němec, Ed. Nápravník, Jos. Nesvadba, L. Procházka, L. Saar, Fr. Smetana, Franz und Joh. N. Škroup, A. E. Titl, W. Tomášek, H. Veit, J. Vojáček, Dionys Weber, Joh. Weber, Joh. Witásek, H. Woříšek, L. Zvonař, der musik. Sonderling Ant. Heinrich u. s. w., deren Ouverturen oder Sinfonien grösstentheils in Prag aufgeführt wurden. Aber nicht nur in Prag, sondern auch in den Städten Böhmens wurden Musikanstalten und Vereine, wo entweder Unterricht auf verschiedenen Instrumenten ertheilt wurde oder Instrumental- und Vocalwerke zur Aufführung gelangten, gegründet. So entstand schon im J. 1803 in Wildenschwert ein Cäcilienverein, im J. 1838 eine Musikschule für verschiedene Instrumente in Schlan u. s. w. — Die Kammermusik. Zu gleicher Zeit, wo der Gedanke zur Gründung eines Musikconservatoriums in Prag auftauchte, fanden auch die ersten öffentlichen Kammermusikproductionen statt. Die ungenügenden Quartettaufführungen in Privatzirkeln und die daraus resultirenden schiefen Beurtheilungen von Compositionen gediegener Meister veranlassten im J. 1808 die in Prag domicilirenden Tonkünstler Friedrich und Johann Pixis zur Veranstaltung öffentlicher Quartettproductionen, deren jährlich sechs gegeben wurden. Friedr. W. Pixis, der sich später als Violinprofessor am Prager Conservatorium grosse Verdienste erwarb, brachte mit seinen Partnern vom J. 1808—1842 die classischen Kammermusikcompositionen des Drei gestirns Haydn, Mozart, Beethoven zu Gehör, war aber dabei stets bestrebt, mit dem Zeitgeiste fortzuschreiten und alle neuen bedeutenden Erscheinungen dieser Musikgattung vorzuführen. So machte er die Böhmen während des sechsunddreissigjährigen Bestandes seiner Kammermusikproductionen mit den Compositionen von Krommer, Romberg, Prinz Louis Ferdinand; später mit jenen von L. Spohr, Fesca, Ries und one of two readings
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