Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872 › scan 124
Scan 124
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
10 lines. Read by computer on 16 September 2026. Printed page 118. See the scan on archive.org.
1und glänzendste Aufnahme verschaffte. Im J. 1818 wurden sie in der königlichen Hofkapelle zu Berlin angestellt und zwar Anton B. als Conzertmeister, nahmen aber 1824 ihren Abschied daselbst und kehrten nach München zurück, wo sie sich mit zwei kunstfertigen Pianistinnen, Töchtern des Hof-Klaviermachers Dülken, verheiratheten, die auf den weiteren Reisen, namentlich nach Italien und Frankreich, die Conzerte der Brüder wahrhaft epochemachend machten. Anton B. nahm im J. 1834 die Conzertmeisterstelle in der Hofkapelle zu Hannover an und starb daselbst im J. 1852. Er war zugleich ein geschickter und fruchtbarer Componist und hat treffliche Orchesterwerke, Streichquartette, Trios, Duos für Violine und Violoncell, dann aber auch Conzerte, zahlreiche Variationen, Capricen und andere Stücke für Violine im edlen Style geschrieben. Aus seiner Ehe mit Fanny Dülken, geboren 1807 zu München, entsprang die vorzügliche Pianistin Sophie B., deren Geburtsjahr 1828 ist. Dieselbe machte auf ihren Kunstreisen durch ihr fertiges Spiel voller Kraft und Intelligenz allenthalben das allergrösste Aufsehen und wurde »der weibliche Liszt« genannt. Im J. 1848 liess sie sich in St. Petersburg nieder, wo sie leider schon 1849 starb. — Max B., der schon erwähnte jüngere Bruder Anton’s, ist 1785 in München geboren, wurde von Anton Schwarz auf dem Violoncell auf die höchste Stufe der Ausbildung gebracht und nahm sich später Bernh. Romberg’s Meisterspiel zum Muster. Sein Leben ist seit 1799, wo er in die Münchener Hofkapelle trat, bis 1827, wo er Louise Dülken (geboren 1805) heirathete, und noch weiterhin aufs Innigste mit dem seines Bruders Anton verflochten, mit dem er alle Reise-triumphe theilte. Im J. 1832 wurde er in Stuttgart an Molique’s Seite als erster Violoncellist angestellt und unternahm noch 1842 eine erfolggekrönte Conzertreise nach Amerika. Als Componist war er nicht so hervorragend wie sein Bruder; gleichwohl hat er beachtungswerthe Conzerte, Rondos, Variationen, Fantasien für Violoncell, so wie Duos für Pianoforte und Violoncell und für Violine und Violoncell geschrieben. Zwei andere Brüder, Peter und Franz B., von denen der erstere Violine, der andere Bratsche spielte, und die vom Vater dazu bestimmt waren, mit Anton und Max ein Brüderquartett zu bilden, traten 1805 in Wien öffentlich mit auf, starben aber in jungen Jahren 1806 in München.
3Bohrplatte nennt man in der Orgelbaukunst eine Holzplatte, welche das genaue Sortiment aller Oeffnungen in gerader Linie, nach zunehmender oder abnehmender Grösse geordnet, enthält, welche in der Windlade (s. d.), dem Fundamentalbrette (s. d.) und den Pfeifenstöcken (s. d.) vorkommen. Bei Bohrungen wird diese Platte zweckentsprechend verwertet.
5Bohrung nennt man die Art, in welcher bei musikalischen Instrumenten die Oeffnungen für die tönende Luftsäule gefertigt werden; man spricht demgemäß von einer gleichweiten, divergirenden, convergirenden, geraden, seitlichen u. s. w. B. (s. Blasinstrumente). Ueber die Ausführung dieser verschiedenen B. en unterrichtet am besten und in kürzester Form nur ein Praktiker.
7Boieldieu, Adrien, der Sohn des berühmten Meisters François Adrien B. (s. d.), wurde am 3. Novbr. 1816 zu Paris geboren und machte bei seinem Vater und auf dem Pariser Conservatorium gute Studien. Er trat zuerst mit zahlreichen ansprechenden Romanzen, die beliebt und gern gesungen wurden, vor die Oeffentlichkeit, nach seines Vaters Tode aber auch mit Opern, die sich jedoch nicht hielten, weil sie den nahe liegenden Vergleich mit »Johann von Paris« und der »Weissen Dame« allerdings nicht auszuhalten vermochten. So erschien in der Opéra comique und auf anderen Pariser Bühnen: »Marguérite« (1838), »L’opéra à la cour« (1840, in Gemeinschaft mit Grisar componirt), »L’aïeule« (1841), »Le bouquet de l’infante« (1847), »La butte des moulins« (1852), »La fille invisible« (1854) u. s. w., in denen sich zum Mindesten viele treffliche Nummern befinden. Es ist nicht zu läugnen, dass B. ein überaus angenehmes und geschmeidiges Talent besitzt, das, wenn es nicht von dem Ruhme des Namens gedrückt würde, sich grössere Anerkennung verschafft haben würde.
9Boieldieu, François Adrien, geboren zu Rouen den 15. Dec. 1775, war der Sohn eines erzbischöflichen Secretairs. Er trat als sehr junges Kind in den Chor der
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.