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Scan 155
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1aufwärts getragen und in Bebung gesetzt werden. Mehr über dies Instrument berichtet die »Berliner Musikalische Zeitung« S. 166 und das »Berliner Archiv« Jahrg. 1, S. 160.
3Bott, eine treffliche deutsche Musikerfamilie der neueren Zeit, deren Glieder sich nach verschiedener Richtung hin ausgezeichnet haben. Als der Erste ist Anton B. zu nennen, welcher am 24. Decbr. 1795 zu Gross-Steinheim am Main geboren wurde. Kaum 17 Jahr alt, wurde er zur Rheinarmee eingezogen, bei der er sich musikalisch so auszeichnete, dass er zum Militär-Musikdirector ernannt wurde. Als solcher wirkte er auch nach Deutschlands Erhebung in den Freiheitskriegen. Nach abgeschlossenem Frieden kehrte er in das Civilleben zurück, lernte Spohr kennen und warf sich in Folge dessen mit vollem Eifer auf Violin- und allgemein musikalische Studien. Als erster Violinist fand er Anstellung in der kurfürstl. Kapelle in Kassel, welcher Posten ihn in Verbindung mit dem von ihm hochverehrten Spohr erhielt, und hier, so wie als Director eines Instrumental-Musikvereins und als vielbeschäftigter Musiklehrer erwarb er sich den wohl begründeten Ruf eines thätigen, tüchtigen Tonkünstlers. Im J. 1854 gab er sein Amt in der Hofkapelle und am Schullehrer-Seminar auf und lebte ausschliesslich als Musiklehrer, bis ihn, kurz vor seinem 74. Geburtstage, der Tod am 19. Decbr. 1869 zu Kassel ereilte. Von dem verdienstlichen tonkünstlerischen Wirken B.'s geben, ausser mehreren gediegenen Compositionen, für Klavier sowohl, als für Violine, zwei von ihm herausgegebene Etüdenhefte (Capricen für die Violine) nach Paganini'scher Spielweise, welche weithin bekannt und mit Recht geschätzt wurden, Zeugniss. — Ein älterer Bruder B.'s, nämlich Johann Joseph B., war in der grossherzogl. hessen-darmstädtischen Kapelle als Hofmusicus angestellt und wurde als gebildeter Musiker gleichfalls sehr geachtet. Er war zugleich der Lehrer seiner als Pianistin berühmt gewordenen Tochter, Katharina Louise B., welche im J. 1824 zu Darmstadt geboren ist. Dieselbe trat schon 1833 in ihrer Vaterstadt öffentlich auf und erregte Aufsehen durch eine für ihr zartes Alter höchst ungewöhnliche Ausbildung im Klavierspiel. Im J. 1835 machte sie mit ihrem Vater eine grössere Kunstreise bis nach Holland und fand allgemeinen Beifall und Bewunderung. Drei Jahre später gab sie in London mit gleichem Erfolge Conzerte. Später siedelte sie nach Newyork über, wo sie noch jetzt als geschätzte Musiklehrerin wirkt. — Das bedeutendste und weithin rühmlichst bekannte Glied der Familie B. ist Jean Joseph B., ein Sohn des zuerst genannten Anton. Derselbe wurde am 9. März 1826 zu Kassel geboren und entwickelte schon früh grosse musikalische Talente, welche von seinem Vater durch gediegenen Violin- und Klavierunterricht mächtig gefördert wurden, sodass er schon in seinem 8. Lebensjahre durch Conzertvorträge Beifall und Bewunderung wach rief. Er wurde nach solchen Erfolgen ein Schüler Spohr's, der ihn so schnell und sicher unterwies, dass er 1840 als angehender Violinvirtuose seine erste grössere Conzertreise nach Frankfurt a. M., Breslau u. s. w. unternehmen konnte. Wie erfreulich Spohr gleichzeitig das Compositionstalent seines Schülers entwickelt hatte, erwies sich, als B. in demselben Jahre in Folge einer zur Concurrenz eingesandten, preisgekrönten Orgel-Sonate und eines Sopran-Liedes Stipendiat der 1838 in Frankfurt a. M. gegründeten Mozartstiftung wurde und als solcher von 1841 bis 1845 behufs Fortsetzung seiner Musikstudien einen Jahressold von 400 Gulden erwarb. Er war zugleich der Erste in der Reihe der auf diese Weise von dem trefflichen Verein Unterstützten. Unter der Leitung Moritz Hauptmann's, der damals noch in Kassel lebte, gab er sich hierauf eifrigen und eingehenden theoretischen Studien hin, welche er, als dieser grosse Theoretiker im J. 1842 als Cantor und Musikdirector der Thomasschule nach Leipzig abging, unter Spohr vollendete. Mit den glänzendsten Zeugnissen des Letzteren versehen, die ihn als Violinvirtuosen, Componisten und Dirigenten gleich hoch stellten, begab sich B. auf seine zweite Kunstreise, welche ihn nach Hannover, Oldenburg, Bremen und Hamburg führte, wo er die grösste Anerkennung und Auszeichnung fand. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, wurde er 1846 vom Kurfürsten zum Solospieler der Hofkapelle berufen, worauf er 1849 die Anstellung als Hof-Conzertmeister erhielt. Als er 1851 diese Stellung mit einer gleichen in der königl. Kapelle zu Hannover vertauschen
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