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Scan 156
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1wollte, wurde er neben Spohr zum Kapellmeister des Hoftheaters in Kassel ernannt und bekleidete dies Amt in ehrenvollster Weise bis 1856, in welchem Jahre er in Folge von Zerwürfnissen mit der kurfürstl. Intendanz die Stelle eines herzogl. sachsen-meiningen'schen Hof-Kapellmeisters (als Nachfolger Ed. Grund's) annahm. Seit 1865 ist er als erster Hof-Kapellmeister in Hannover angestellt und dirigirt die Oper und die Winter-Abonnementskonzerte der Hofkapelle. B. hat sich auch während seines Beamtenlebens in den drei Eigenschaften, welche Spohr an ihm rühmt, unausgesetzt ausgezeichnet. Er trat bis in die neueste Zeit hinein häufig als Violinvirtuose auf und zählt als solcher zu den ersten deutschen Künstlern der Gegenwart. Nach der anderen Seite hin wird er als Componist zweier Sinfonien, mehrerer Ouvertüren, zweier Violinconzerte, vieler Violin- und Pianofortestücke und Lieder geschätzt. Auch zwei Opern hat er geschrieben und zur Aufführung gebracht. Die erstere, betitelt »Der Unbekannte«, erschien 1854 zuerst in Kassel, dann auch in Wiesbaden und wurde mehrere Male mit Erfolg daselbst aufgeführt. Die letztere, »Actäa, das Mädchen von Korinth«, wurde im April 1862 im königl. Opernhouse zu Berlin gegeben, konnte sich aber nicht halten, da das Textbuch von Rodenberg höheren Interesses und geschickter Factur, die Musik der Originalität und der Einheit des Styls entbehnte. Als bedeutend wird dagegen seine neueste Sinfonie geschildert, welche in einem Conzerte der Hofkapelle zu Hannover, Ende 1870, mit ganz besonderem Beifall zur ersten Aufführung kam. — Zu erwähnen ist noch aus dieser Familie ein jüngerer Sohn Anton B.'s, Bruder des Vorigen, Jacob B. mit Namen, welcher ein guter Violinist und als solcher in der Hofkapelle zu Kassel angestellt ist.
3Bottacio, Paolo, ein italienischer Kapellmeister zu Como um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts, der nur durch eine Sammlung noch vorhandener Madrigale bekannt ist. Dieselben tragen die Jahreszahl 1609.
5Botte, Adolphe Achille, ein französischer Pianist von Ruf, der auch durch kleinere Compositionen für sein Instrument einigermassen bekannt ist. Er ist am 26. Septbr. 1823 zu Pavilly geboren.
7Bottée de Toulmon, Auguste, ein hervorragender und fleissiger musikalischer Schriftsteller, der am 15. Mai 1797 zu Paris geboren wurde und das Amt eines Bibliothekars am Conservatorium daselbst bekleidete, in welcher Stellung er Hector Berlioz zum Nachfolger hatte. Im J. 1848 entzog ihn eine Geisteskrankheit seinem Berufsleben, und er starb zwei Jahre darauf am 22. März 1850 zu Paris.
9Botteoni, Giovanni Battista, wird in den älteren italienischen Opernverzeichnissen unter der Jahreszahl 1696 als Componist einer Oper »L'odio placato« genannt. Weiteres von ihm ist jedoch nicht mehr bekannt geblieben.
11Bottesini, Giovanni, der bedeutendste Virtuose auf dem Contrabasse, den es vielleicht je gegeben haben dürfte, und in neuester Zeit auch als gediegener Componist von Opern und grossen Orchesterwerken in Italien hoch angesehen und berühmt. Er wurde am 24. Decbr. 1823 zu Crema in der Lombardei geboren und bildete sich in seiner Vaterstadt zunächst als Violinspieler aus. Im J. 1836 wurde er Zögling des Conservatoriums zu Mailand und erhielt daselbst den Unterricht Rossi's auf dem Contrabass und den von Basily und Vaccaj in der Composition. Mit glänzenden Zeugnissen versehen, begab er sich 1840 auf Conzertreisen, zunächst durch Italien, und erregte überall Staunen und Bewunderung. Der Contrabass, dessen er sich bei seinen Vorträgen bediente, war nicht von dem gewöhnlichen schwerfälligen Kaliber, sondern mehr ein Mittelding zwischen einem solchen Instrumente und einem Violoncello, was seine sonst unerklärliche Geläufigkeit und Fertigkeit wenigstens nicht geradezu räthselhaft hinstellt. Im J. 1846 liess er sich als Musikdirector der Italienischen Oper in der Havaña engagiren und trat von dort aus mehrere erfolggekrönte Kunstreisen durch die Vereinigten Staaten, Mexico, Canada u. s. w. an. Seit 1854 lebte er wieder und zwar meist als Tourist in Europa. Zunächst gab er in England Conzerte und enthausiasmirte die Engländer in fast unerhörter Weise für sein Spiel. In Paris liess er sich seit dem October 1855 abermals als Dirigent, und zwar der Italienischen Oper daselbst, festhalten, besuchte aber nach dieser Zeit auf Kunstreisen den grössten Theil Europas, namentlich Deutschlands. Er stand damals auf dem
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