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Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
3 lines. Read by computer on 16 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 234. See the scan on archive.org.
1zurückgekehrt, wurde B. zum Musikdirector des Herzogs von Modena und zum Kapellmeister an der Kirche San Giovanni in Monte ernannt. Ausserdem war er Mitglied der Philharmonischen Akademie zu Bologna. Er starb ziemlich früh, nämlich am 19. Novbr. 1678 zu Modena. Von seinen Schriften war rühmlichst bekannt und hochgeschätzt sein »Musico pratico che brevemente dimostra il modo di giungere alla perfetta cognizione di tutte quelle cose, che concorrono alla composizione dei canti e dio ciò ch’ all’arte del contrapunto si ricerca« (Bologna, 1673, 2. Aufl. 1688; deutsch von Treu, Stuttgart, 1701). Von B.’s Tonwerken sind noch bekannt: Sinfonien für drei Instrumente mit Bass und Orgel und eben solche für fünf, sechs, sieben und acht Instrumente; ferner achtstimmige Messen, Duetti da camera, Kirchen- und Kammer- sonaten für drei und vier Instrumente, Kammercantaten für eine Solostimme und Madrigale. Eine vorzüglich gearbeitete Fuge B.’s im Manuscript war im Besitz Kiesewetter’s in Wien. — Sein ältester (?) Sohn, Antonio B., war einer der geachtetsten Tonkünstler seiner Zeit und ist nach den neuesten Forschungen um 1675 zu Modena (nicht um 1657 zu Bologna) geboren. Ausführliches über sein Leben ist noch nicht zu ermitteln gewesen. Es heisst zwar allgemein, dass er 1697 in Wien (als kaiserl. Kammercomponist), 1703 in Berlin (wo sich auf der königl. Bibliothek eine Opernpartitur »Griselda« von Marc-Antonio B. befindet) und 1706 wieder in Wien gewesen sein soll, allein alles dies ist nicht hinlänglich erwiesen. Fest steht nur, dass er sich um 1714 in Rom aufhielt, dass er 1721 Kapellmeister des Herzogs von Modena wurde und in dieser Stellung am 8. Juli 1726 starb. Seine Compositionen, Kirchenstücke und Opern, sind meist Manuscript geblieben. Von den letzteren sind, ausser der schon genannten, anzugeben: »Andromeda«, »Arminio«, »Sesostri«, »Camilla«, »Etearco«, »Tigrane« und »La regina creduta rè«. Viel davon wird noch in Wien bewahrt. — Sein Bruder Giovanni Battista B. ist das am meisten umhergereiste und deshalb am berühmtesten gewordene Glied dieser Familie. Geboren ist derselbe um 1672 zu Modena und erhielt den ersten Musikunterricht noch bei seinem Vater, seine höheren Studien dagegen bei Paolo Colonna in Bologna. Frühzeitig schon war er ein ausgezeichneter Violoncellist und wurde als solcher vom Kaiser Leopold I. in Wien um 1692 angestellt. Dort machte die glänzende Aufführung und der Erfolg von Scarlatti’s »Laodicea e Berenice« einen solchen Eindruck auf ihn, dass er nach gleichem Ruhme strebte und eine Oper »Camilla« (es scheint dies übrigens die Arbeit seines weit geschickteren Bruders gewesen zu sein) dem Theater übergab. Ruhmgekrönt von dem Erfolge dieses Werkes, wurde er 1694 nach Rom berufen, wo er die Opern »Tullo Ostilio« und »Serse« componirte. Im J. 1699 war er wieder in Wien und von 1703 bis 1705 in Berlin als Hofcomponist angestellt. In letzterer Stadt wurde seiner Oper »Polifemo« bei ihrer Aufführung im Residenzschlosse die Ehre zu Theil, dass die Königin Sophie Charlotte am Klavier accompag- nirte, im Orchester Virtuosen wie Rieck, Fedeli, Volumier, Conti, la Riche u. s. w. sassen und auf der Bühne nur Standespersonen, die Prinzessin Dorothea Sophia von Brandenburg an der Spitze, mitwirkten. Damals soll auch Händel B.’s Unterricht benutzt haben. Bald jedoch schien man in Berlin einzusehen, dass man B. über- schätzt habe; man liess ihn wieder ziehen, und er theilte von 1706 bis 1720 seinen Aufenthalt zwischen Wien und Italien. Von Rom aus erhielt er einen ehrenvollen Ruf an das 1716 gegründete Royal-Theatre in London, hauptsächlich, weil man seines Bruders Oper »Camilla« für die seinige gehalten hatte. Er schrieb für diese Bühne viele Opern, z. B. »Astardo« (1720 aufgeführt), »Crispo«, »Griselda« (vielleicht gleichfalls das in Berlin befindliche Werk seines Bruders), »Farnace«, »Muzio Scevola«, von letzterer nur die Ouvertüre und einen Act; je einer der beiden anderen war Händel und Attilio Ariosti zugetheilt. Das ungeheure Ansehen, welches er in London genoss, wo ihn sein starker Anhang sogar hoch über Händel stellte, verscherzte er zum grossen Theile, als er, Händel’s Ueberlegenheit wohl einsehend, in einem musikalischen Wettkampfe mit dem deutschen Meister sich verleiten liess, ein Madrigal von Antonio Lotti für seine Arbeit auszugeben, welcher Betrug entdeckt wurde. Dazu kam, dass er sich durch einen Goldmacher, der sich Graf Ughi nannte, vielleicht in Folge dieses Vorfalls leichter als es sonst der Fall gewesen wäre, bethören one of two readings
2zurückgekehrt, wurde B. zum Musikdirector des Herzogs von Modena und zum Kapellmeister an der Kirche San Giovanni in Monte ernannt. Ausserdem war er Mitglied der Philharmonischen Akademie zu Bologna. Er starb ziemlich früh, nämlich am 19. Novbr. 1678 zu Modena. Von seinen Schriften war rühmlichst bekannt und hochgeschätzt sein »Musico pratico che brevemente dimostra il modo di giungere alla perfetta cognizione di tutte quelle cose; che concorrono alla composizione dei canti e dio ciò ch’ all’arte del contrapunto si ricerca« (Bologna, 1673, 2. Aufl. 1688; deutsch von Treu, Stuttgart, 1701). Von B.’s Tonwerken sind noch bekannt: Sinfonien für drei Instrumente mit Bass und Orgel und eben solche für fünf, sechs, sieben und acht Instrumente; ferner achtstimmige Messen, Duetti da camera, Kirchen- und Kammer- sonaten für drei und vier Instrumente, Kammercantaten für eine Solostimme und Madrigale. Eine vorzüglich gearbeitete Fuge B.’s im Manuscript war im Besitz Kiesewetter’s in Wien. — Sein ältester (?) Sohn, Antonio B., war einer der geachtetsten Tonkünstler seiner Zeit und ist nach den neuesten Forschungen um 1675 zu Modena (nicht um 1657 zu Bologna) geboren. Ausführliches über sein Leben ist noch nicht zu ermitteln gewesen. Es heisst zwar allgemein, dass er 1697 in Wien (als kaiserl. Kammercomponist), 1703 in Berlin (wo sich auf der königl. Bibliothek eine Opernpartitur »Griselda« von Marc-Antonio B. befindet) und 1706 wieder in Wien gewesen sein soll, allein alles dies ist nicht hinlänglich erwiesen. Fest steht nur, dass er sich um 1714 in Rom aufhielt, dass er 1721 Kapellmeister des Herzogs von Modena wurde und in dieser Stellung am 8. Juli 1726 starb. Seine Compositionen, Kirchenstücke und Opern, sind meist Manuscript geblieben. Von den letzteren sind, ausser der schon genannten, anzugeben: »Andromeda«, »Arminio«, »Sesostri«, »Camilla«, »Etearco«, »Tigrane« und »La regina creduta rè«. Viel davon wird noch in Wien bewahrt. — Sein Bruder Giovanni Battista B. ist das am meisten umhergereiste und deshalb am berühmtesten gewordene Glied dieser Familie. Geboren ist derselbe um 1672 zu Modena und erhielt den ersten Musikunterricht noch bei seinem Vater, seine höheren Studien dagegen bei Paolo Colonna in Bologna. Frühzeitig schon war er ein ausgezeichneter Violoncellist und wurde als solcher vom Kaiser Leopold I. in Wien um 1692 angestellt. Dort machte die glänzende Aufführung und der Erfolg von Scarlatti’s »Laodicea e Berenice« einen solchen Eindruck auf ihn, dass er nach gleichem Ruhme strebte und eine Oper »Camilla« (es scheint dies übrigens die Arbeit seines weit geschickteren Bruders gewesen zu sein) dem Theater übergab. Ruhmgekrönt von dem Erfolge dieses Werkes, wurde er 1694 nach Rom berufen, wo er die Opern »Tullo Ostilio« und »Serse« componirte. Im J. 1699 war er wieder in Wien und von 1703 bis 1705 in Berlin als Hofcomponist angestellt. In letzterer Stadt wurde seiner Oper »Polifemo« bei ihrer Aufführung im Residenzschlosse die Ehre zu Theil, dass die Königin Sophie Charlotte am Klavier accompag- nirte, im Orchester Virtuosen wie Rieck, Fedeli, Volumier, Conti, la Riche u. s. w. sassen und auf der Bühne nur Standespersonen, die Prinzessin Dorothea Sophia von Brandenburg an der Spitze, mitwirkten. Damals soll auch Händel B.’s Unterricht benutzt haben. Bald jedoch schien man in Berlin einzusehen, dass man B. über- schätzt habe; man liess ihn wieder ziehen, und er theilte von 1706 bis 1720 seinen Aufenthalt zwischen Wien und Italien. Von Rom aus erhielt er einen ehrenvollen Ruf an das 1716 gegründete Royal-Theatre in London, hauptsächlich, weil man seines Bruders Oper »Camilla« für die seinige gehalten hatte. Er schrieb für diese Bühne viele Opern, z. B. »Astardo« (1720 aufgeführt), »Crispo«, »Griselda« (vielleicht gleichfalls das in Berlin befindliche Werk seines Bruders), »Farnace«, »Muzio Scevola«, von letzterer nur die Ouvertüre und einen Act; je einer der beiden anderen war Händel und Attilio Ariosti zugetheilt. Das ungeheure Ansehen, welches er in London genoss, wo ihn sein starker Anhang sogar hoch über Händel stellte, verscherzte er zum grossen Theile, als er, Händel’s Ueberlegenheit wohl einsehend, in einem musikalischen Wettkampfe mit dem deutschen Meister sich verleiten liess, ein Madrigal von Antonio Lotti für seine Arbeit auszugeben, welcher Betrug entdeckt wurde. Dazu kam, dass er sich durch einen Goldmacher, der sich Graf Ughi nannte, vielleicht in Folge dieses Vorfalls leichter als es sonst der Fall gewesen wäre, bethören one of two readings
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