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Scan 349
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1und wahrhaften Triumphzügen glichen. Mit ihrem Auftreten in Berlin, im J. 1827, nahm sie von der Oeffentlichkeit Abschied und ging mit ihrem Gatten und ihren Kindern zunächst nach Paris, dann in ihre Heimath Italien, wo sie in der Nähe von Florenz 1830 eine herrlich gelegene Villa kaufte und daselbst behaglicher Musse lebte. Bekannt ist es auch, dass sie daselbst zu ihrem Vergnügen stimmbegabte junge Mädchen im Kunstgesange unentgeltlich unterrichtete. Oeffentlich aufgetreten ist sie später nur noch einmal und zwar zu Nancy in einem Conzerte zum Besten der Armen. Die weltberühmte Sängerin wurde ein Opfer der Cholera, welcher Krankheit sie am 12. Juni 1849 in Paris erlag. Sie verband in ihrer Blüthezeit mit grosser körperlicher Schönheit und einem lebhaften Temperamente eine der denkbar schönsten und gewaltigsten Sopranstimmen, deren Umfang sehr bedeutend und deren Beweglichkeit eben so aussergewöhnlich, als die Klangkraft derselben imponirend war. Der Ausdruck, den sie in ihren Gesang zu legen wusste, galt für unnachahmlich und ihre technische Fertigkeit für eine Frucht von Studien, wie sie in gleicher Vollendung zu gewinnen, nur dem unermüdlichsten Fleisse möglich ist. Zu diesem Glanz und dieser Gewalt des herrlichen Organes trat auf der Bühne noch ein bewegliches sinniges Spiel, sodass Alles zusammenwirkte, um die Zuhörer zum Erstaunen und zur Bewunderung hinzureissen. Strenge Kritiker, die trotz Allem einzelne Unebenheiten und Nachlässigkeiten der Gesangstechnik hervorheben und aussetzen, dass sie weniger auf Herz und Gemüth im Allgemeinen zu wirken wusste, mussten aber wenigstens ihren Triller und ihre chromatische Tonleiter, so wie die Bravour ihres Vortrages als unübertrefflich anerkennen.
3Catalano, Ottavio, italienischer Kirchencomponist aus Enna in Sicilien, wo er zu Ende des 16. Jahrhunderts geboren war. Man weiss von ihm nur, dass er zuerst Abt und Canonicus zu Catania war, dann Mitglied des Sängerchors der päpstlichen Kapelle (zur Zeit des Papstes Paul V.) und endlich Kapellmeister an der Kathedrale zu Messina wurde. Von seiner Composition erschienen 1609 und 1616 mehrere Sammlungen zwei- bis achtstimmiger Motetten; eine seiner achtstimmigen Motetten theilt auch Bodenschatz in seinem »Florilegium Portense« mit. Merkwürdigkeit ist es auch, dass C. mit zu den Ersten gehörte, die in ihren Arbeiten für die Orgel einen bezifferten Bass (basso continuo) setzten. — Gleichen Namens, nämlich Giuseppe C. geheissen, existirt auch noch ein italienischer Opernsänger, der am 4. Septbr. 1847 als Don Fiesque in »Maria di Rohan« an der Italienischen Oper des Königsstädtter Theaters in Berlin debütirte und hierauf von 1847 bis 1850 als erster Bass-Buffosänger daselbst engagirt war.
5Catalisano, Gennaro, ein gelehrter italienischer Minorit und Tonkünstler, der 1728 in Palermo geboren ist, die Elemente der Musik bei seinem Vater erlernte und dann in Rom weiter studirte, bis er Kapellmeister an der Kirche San Andrea della frutte wurde. Bei heranrückendem Alter und da seine Gesundheit sich erschüttert zeigte, kehrte er nach Palermo zurück und starb daselbst 1793. Er hat kirchliche und auch einige weltliche Compositionen hinterlassen. Am bekanntesten ist sein mathematisch-musikalisches, theoretisches Werk, betitelt: »Grammatica armonica fisico-matematica raggionata su i veri principi fondamentali teorico-pratici, per uso della gioventù studiosa e di qualunque musicale radunanza« (Rom, 1781). Von besonderer Wichtigkeit ist dieses Werk nicht weiter geworden und theilt in dieser Hinsicht das Loos aller im 17. und 18. Jahrhundert zahlreich erschienenen, auf die Mathematik und Physik einseitig basirten Musiksysteme.
7Catches (engl. Pluralform, im Singul. catch) nennen die Engländer eine gewisse Art mehrstimmiger Gesellschaftslieder, welche in älterer Zeit meist mehr oder weniger streng canonisch oder fugenartig gearbeitet waren, späterhin aber sich auch in minder streng gebundener Art ergingen.
9Cate, Andreas Ten, ein niederländischer vortrefflicher Dilettant, geboren zu Amsterdam am 22. Mai 1796, hat sich, obwohl er dem Kaufmannsstande angehört, durch seine musikalischen Studien und Bestrebungen für Beförderung und Hebung der Tonkunst vortheilhaft ausgezeichnet. Er war von Jugend auf ein vorzüglicher Violin- und Violoncellspieler und hat ausser werthvollen Orchester- und Kirchen-
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