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Scan 350
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1werken, Streichquintetten und Quartetten, Konzerten für Blasinstrumente, Cantaten, ein- und mehrstimmigen Liedern u. s. w. auch zwei Opern auf holländische Texte: »Seid und Palmyra« und »Constantin« geschrieben, welche in Amsterdam mit grossem Beifall zur Aufführung gekommen sind.
3Catel, Charles Simon, berühmter französischer Componist und Musiktheoretiker, wurde am 13. Juni 1773 zu Aigle im Waadtlande geboren, kam in früher Jugend nach Paris und wurde durch Sacchini, der sein musikalisches Talent entdeckt hatte, in die vom Intendanten de la Ferté 1783 gegründete königliche Musikschule gebracht, wo er unter Gobert und Gossec Klavierspiel und Harmonielehre mit ausgezeichnetem Erfolge studirte. In Folge dessen wurde er schon 1787 als Hülfslerner und Klavier-Accompagnateur an derselben Schule angestellt, welchen letzteren Posten er auch 1790 bei der Grossen Oper erhielt und bis 1802 mit grossem Geschick ausfüllte. Gleich in den ersten Jahren der Revolution, welcher er mit inniger Ueberzeugung anhing, hatte er für das von Sarrette, dem späteren Begründer des Conservatoriums, errichtete Musikchor der Nationalgarde eine grosse Zahl von Märchen und anderen Militärmusiken componirt und arrangirt, welche nach und nach von fast allen französischen Regimentern während der Revolutionskriege gespielt wurden und den Namen des jungen C. auch im Auslande sehr bekannt machten, sodass er neben seinem Lehrer Gossec zum zweiten Musikmeister der Pariser Nationalgarde von der republikanischen Regierung ernannt wurde. Eben so componirte er die grossen Musiken für verschiedene Nationalfeierlichkeiten, z. B. 1792 ein De profundis für Chor und Orchester bei Gelegenheit des Leichenbegängnisses des tapferen Generalmajors Gouvion, ferner eine Hymne zu Ehren der Gleichheit (Egalité) für Chor und Blasinstrumente, eine eben solche auf den Sieg bei Fleurus, in den Tuilerien und eine Ouvertüre, in dem Tempel der Vernunft aufgeführt. Im J. III der Republik wurde er neben Cherubini, Méhul, Gossec u. s. w. zum ordentlichen Professor an dem soeben ins Leben getretenen und von der Regierung glänzend dotirten Conservatorium ernannt und erhielt das Fach der Harmonielehre zugeteilt. An den Bestrebungen der genannten und anderer berühmten Tonkünstler, eine Sammlung methodischer Abhandlungen für alle Elementarzweige der Tonkunst als Grundlage für den Unterricht zu schaffen, nahm er lebhaften Anteil und arbeitete eine »Harmonielehre« aus, welche zu Paris im J. X der Republik (1802) unter dem Titel »Traité d’harmonie« erschien und ihm Ehre und Ruhm verschaffte. Das Werk bekundet in seiner grossen Einfachheit und Fasslichkeit einen ungeheuren Fortschritt gegenüber den bisherigen auf Rameau begründeten complicirten Systemen, und wenn sich auch C. selbst niemals für den Erfinder dieser neuen Methode ausgegeben hat, und es daher zweifelhaft ist, ob er nicht vielleicht die eines Kirnberger oder Türk nur glücklich benutzt hat, so bleibt ihm doch unbestritten das fast gleich schwer wiegende grosse Verdienst, das vereinfachte System in den französischen Unterricht zuerst eingeführt zu haben. Als im J. 1810 am Conservatorium eine vierte Inspectorstelle errichtet wurde, erhielt dieselbe C. neben Gossec, Méhul und Cherubini zugeteilt, reichte aber schon 1814 seine Entlassung ein, als die Ereignisse seinen Freund Sarrette zwangen, vom Directorium des berühmten Institutes zurückzutreten. Seitdem hat er alle ihm angetragenen Aemter und Ehrenbezeugungen beharrlich ausgeschlagen mit Ausnahme seiner Ernennung zum Mitglied der Akademie der schönen Künste (1815) und seiner Erhebung zum Ritter der Ehrenlegion (1824). Er starb am 29. Novbr. 1830 mit dem Rufe eines eben so gelehrten, als streng rechtlichen und wohlwollenden Künstlers, der zahlreichen aufstrebenden Talenten der uneigennützigste Förderer und Berather gewesen war. Wenn bisher von C. nur als Schöpfer auf dem Gebiete der Harmoniemusik die Rede gewesen ist, so bleibt hier noch anzufügen, dass er auch als Operncomponist einen ehrenvollen Platz unter den französischen dramatischen Tonsetzern einnimmt, wenn gleich seine dahin gehörigen Werke vom Publicum mit vereinzelten Ausnahmen kalt aufgenommen wurden. Von denselben gelangten zur Aufführung: »Sémiramis« (1802), »L’auberge de Bagnères« (1807), »Les artistes par occasion« (1807), »Alexandre chez Apelle«, Ballet (1808), »Les bayadères« (1810), »Les aubergistes de qualité« (1812), Le premier en date« (1814), »Wallace, ou le ménestrel écossais« (1817), »Zirphile et
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