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Scan 474
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1Circumvolutio (lat.) hiess eine Manier im Kirchengesange, welche der letzten und vorletzten Note noch drei andere zwischengesellt, deren erste einen Ton höher, deren zwei folgende einen Ton tiefer als die letzte Note liegen. Die Einschaltung geschieht folgenderweise: schliesst der Gesang z. B. f, g, f, so wird der erste höhere Ton als der letzte f, vor dem vorletzten g, die beiden folgenden tieferen e, e zwischen dem vorletzten und letzten gestellt. Demzufolge entsteht die Tonfolge: f, g, g, e, e, f, in der die eingecklammerten Töne die C. sind.
3Ciret, ein Franzose, hat nach Boivius' »Musik. Katal.« 1729, S. 16 zwei Bücher: »Pièces de clavessin« betitelt, herausgegeben.
5Cirilli, Francesco, ein neapolitanischer Musiker, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts wirkte, hat zu dem Drama: »Orontea, regina d'Egitto« von Giacinto Andrea Cicognini und zu »Il ratto di Elena« von Gennaro Paolella Musik componirt und erstere 1654, letztere 1655, zu Neapel in Partitur herausgegeben. Siehe Nicolo Toppi »Biblioth. Napoletana« Fol. 332.
7Cirillo, Bernardino, aus Aquila gebürtig und 1575 als Patronotarius und apostolischer Secretär, Archipresbyter zu Loreto, Canonicus bei Sta. Maria Maggiore und Commendatore des berühmten Hospitals di S. Spirito in Saffia zu Rom, 75 Jahre alt, gestorben, hat eine italienische Abhandlung vom »Missbrauch der Kirchenmusik« geschrieben, worüber Possevius (Fol. 223) in seiner »Bibl. Selecta« berichtet.
9Cirkel-Kanon, s. Kanon.
11Cirlerus hiess ein Gesangcomponist des 16. Jahrhunderts, von dessen eigenen Arbeiten sich Nichts erhalten hat. Nur eine Transscription für die Orgel (vierstimmig) des Liedes: »Bewahr' mich, Herr«, von Jacob Paix arrangirt, die auch in dessen Orgel-Tabulaturbuch (Laugingen, 1583) aufgenommen, hat das Andenken C.'s bis jetzt erhalten.
13Cirri, Giovanni Battista, italienischer Violoncell-Virtuose, geboren um 1740 zu Forli, hat sich während eines längeren Aufenthaltes in England einen guten Namen gemacht. Auch als Componist trat er hervor, zuerst mit einer Sammlung von Streichquartetten (Florenz, 1763), denen weitere Sammlungen folgten. Als letztes seiner bekannt gewordenen Werke nennt man sechs Trios für Violine, Viola und Violoncell (Venedig, 1791).
15Ciruelo, Pedro, spanischer Professor der Theologie, geboren zu Daroca in Aragonien um 1485, gestorben um 1580 als Canonicus an der Kathedralkirche zu Salamanca, schrieb ein zu seiner Zeit bekanntes Werk unter dem Titel: »Cursus quatuor mathematicarum artium liberalium« (Alcala, 1516). Sein Gelehrtenname war Petrus Cirvellus (vergl. Lipenius, »Biblioth. philos.«).
17Cis (ital.: do diesis; franz.: ut dièse; engl.: c sharp), ist die alphabetisch-syllabische Benennung des um einen Halbton erhöhten c genannten Tones der abendländischen Tonleiter. Dasselbe hat je nach seiner diatonischen, gleichschwebend-temperirten oder ungleichschwebend-temperirten Auffassung eine Klangverschiedenheit, die durch die Proportionen der Decimalzahlen 1,00000 : 1,04167; 1,00000 : 1,05946 und 1,00000 : 1,05349 arithmetisch genau dargestellt wird. Alle diese durch cis gekennzeichneten Klänge werden auf Tasteninstrumenten auch des genannt, obgleich nach akustischer Feststellung beide Töne um einen Drittelston oder eine chromatische Diesis (s. d.) von einander entfernt sind, und zwar jeder dieser Klänge dem Tone zunächst, nach dem er den Namen führt, sodass also, wenn man das Intervall von c bis d durch eine Linie darstellen würde, sich die Stellung der cis und des genannten Töne folgendermassen herausstellte: c cis des d. In der neuesten Zeit hat sich aber die Stellung dieser Töne zu einander in der Praxis beinahe umgekehrt, sodass man die Stellung dem entsprechend eigentlich so c des cis d geben muss. Diese Umkehrung der tonlichen Kundgebung der cis und des genannten Töne entspringt aus der abendländischen Entwicklung des Semitonium modi (s. d.), dem fordernden Folgeton so nahe als möglich sich zu drängen, damit ein anderes Fortschreiten als nach demselben hin — von cis nach d und von des nach c — eine Unmöglichkeit. Wir unterlassen es, hier die verschiedenen Schwingungen
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