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Scan 67
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1Kirche nur ein »Stabat mater«. Er war innigst mit dem ihm geistesverwandten Meister Jos. Haydn befreundet, nach dem er sich zu bilden strebte und dem er auch ziemlich nahekam. Frische, grosse Erfindungskraft und nie versiegende Melodik zeichnen seine Werke aus; auch die Harmonik und Technik derselben ist interessant, und in allen solchen Beziehungen sind sie Meisterstücke ersten Ranges, denen nur Energie und wahre Kraft abgeht. In Frankreich, Spanien und Italien sind B. und seine Compositionen noch immer unvergessen. In Florenz bildete sich im Jahre 1856 ein Verein zur Pflege der Quartettmusik in Italien, welcher sich B.’s Namen beilegte; eben-dasselbst erscheint unter dem Titel »il Boccherini« eine Musikzeitung, welche die Interessen der Kammermusik vertritt.
3Bocchi, Francesco, italienischer musikalischer Schriftsteller, geboren zu Florenz im Jahre 1548, gestorben ebendaselbst 1618.
5Boccomini, Alfredo, italienischer Guitarrenvirtuose und Componist für dieses Instrument, in beiden Beziehungen von bedeutendem Rufe, lebte gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Florenz und ist der Verf. einer als trefflich gerühmten Guitarreschule.
7Bocedisation, oder die belgischen Sylben heisst eine syllabische Tonbenennung, die statt der aretinischen Sylben zur Solmisation (s. d.) vorzüglich in Belgien eingeführt wurde; es waren die Sylben: bo, ce, di, ga, lo, ma und ni für die jetzt c, d, e, f, g, a und h genannten Töne. Nach Walther’s musikalischen Lexikon (Leipzig 1732), welches sich auf den Bericht des Swertius in seinen »Athenis Belgicis« stützt, ist Hubert Waëlrant, 1517—1595, der Erfinder der B. gewesen. Die Angabe ebenda, dass derselbe auch die Sylbe si (s. d.) den aretinischen Sylben zuerst hinzugefügt habe, ist hingegen sehr unwahrscheinlich, da nicht allein es sich nicht gut annehmen lässt, dass für dieselbe Sache ein Meister zwei Lösungen vorschlage, sondern die Entwicklung ähnlicher Tonbenennungen in jenen Tagen sich stets in viel längeren Zeiten erst ausbildete. Andere eignen die Erfindung der B. dem Sethus Calvisius zu, der dieselbe 1611 in Holland einführte. Es lässt sich aber wohl annehmen, wenn man für beide Angaben eine Lösung sucht, dass Erstgenannter der wirkliche Erfinder ist und Letztgenannter nur als eifriger Verbreiter der B. sich bemerkbar gemacht hat. Die Einführung der chromatischen Töne zum öfteren Gebrauch in jenen Zeiten, die die richtige Mutation (s. d.) fast zu einer Wissenschaft machte, veranlasste mehrere Musikgelehrte, diesem Uebelstande durch eine syllabische Benennung der diatonischen Scalatöne in der Weise, dass sie für die sieben Töne in der Octave auch sieben Sylben gaben, abzuhalten. Die durch Gewohnheit überall bekannten und mit einer gewissen Hochachtung gepflegten aretinischen Sylben jedoch, die man in ähnlicher Weise zu vervollkommnen sich bemühte, indem man sie für die sechs ersten Grundtöne der C-dur-Scala von e ab aufwärts unabänderlich gebrauchte und diesen für den siebenten Ton eine neue ähnliche Benennung hinzufügte, hatten den Vortheil, dass die einmal mit den aretinischen Sylben vertrauten Musiker lieber diese Neuerung als jede andere pflegten. Dieser Vortheil, als man über die stets anzuwendende siebente Ton-Benennung (s. den Artikel s i) allgemeiner übereinstimmte, entzog sehr bald jeder Bemühung, eine andere syllabische Tonbenennung einzuführen, also auch der B., den Boden.
9Bochsa, Karl, Flöten- und Clarinettvirtuos, geboren in Böhmen, wie aus einer Correspondenz von Neapel in der Leipziger »Allgem. Musik. Zeitung« vom Jahre 1845 Seite 398 deutlich erhellt, war Orchestermitglied des Theaters zu Lyon und dann an der Bühne zu Bordeaux angestellt. Er begab sich um das Jahr 1806 nach Paris, wo er als Musikhändler im Jahre 1821 starb. Als Componist erwarb sich B. einen guten Ruf. Sein erstes Werk erschien 1799. Es waren drei Quartette für zwei Clarinetten, Bratsche und Bass; sein letztes: zwei Quintette. Unter den Clarinettconzerten ist unstreitig das Conzert in B Op. 53 das gediegenste. Ein sehr schätzenswerthes Werk ist sein Lehrbuch für die Flöte: »Méthode et Airs pour la Flûte«. Ausser diesen schrieb B. eine grosse Anzahl von Harmoniemusiken, Conzerten, Solis, Duetten für seine Instrumente, die seinerzeit sehr beliebt waren.
11Bochsa, Robert Nicolaus Charles, Sohn des Vorigen, geboren den 9. August 1789 zu Montmédy im französischen Departement der Maas, wurde zuerst
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