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Scan 70
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1die nicht nur schön, sondern auch reich war. Seitdem dirigirte er die regelmässigen Winterconzerte und arbeitete für das Koch’sche Theater. Bald verlor er jedoch durch den Tod auch seine zweite Gattin, musste auf den grössten Theil ihres Vermögens verzichten, behielt aber noch genug, um ein unabhängiges Leben führen zu können. Er verheirathete sich hierauf zum dritten Male und zwar mit der Tochter des Buchhändlers Bohn und legte nun selbst mit Lessing, dessen vertrauter Freund er geworden war, eine Buchdruckerei und einen Buchverlag an, in welchem als erstes und bedeutendstes Werk Lessing’s »Hamburgische Dramaturgie« erschien. Das Geschäft selbst aber musste eingehen, da Lessing einen ungeschäftlichen Geist und B. mangelhafte kaufmännische Kenntnisse besass. In Weimar, wohin er 1778 die Wittwe des Ministers Grafen von Bernstorff als Geschäftsführer begleitet hatte, beschäftigte er sich bis zu seinem Tode mit Compositionen und mit literarischen Arbeiten. Er wurde hier vielfach ausgezeichnet und vom Herzoge von Sachsen-Meiningen zum Hofrath, vom Herzoge von Sachsen-Gotha zum Legationsrath und vom Landgrafen von Hessen-Darmstadt zum Geheimrath ernannt. B. war übrigens auch ein eifriger Freimaurer, soll eben so dem Illuminaten-Orden angehört und dem Chef dieser Secte, Weishaupt, nach dessen Flucht als Vorsteher gefolgt sein. B. starb am 13. Decbr. 1793 zu Weimar. Von seinen musikalischen Arbeiten, die in damaliger Zeit für Meisterwerke galten, sind Sinfonien, Trios, Violinconzerte, ein Violoncellconzert und einige Soli für Viola d’amore im Druck erschienen.
3Boden nennt man bei musikalischen Instrumenten die untere Platte eines Schallkastens. Ist jedoch kein Schallkasten bei einem Instrumente vorhanden, sondern nur eine Resonanzplatte, so nennt man auch wohl diese den Boden des Instrumentes, um jedoch die Eigenheit dieses Bodens durch den Namen sofort zu kennzeichnen: den Resonanzboden desselben. Wie die Einrichtung des Schallkastens eines Instrumentes nun überhaupt von der grössten Wichtigkeit für dasselbe ist, so ist es auch jeder Theil desselben insbesondere, auch der B. Leider ist bis heute, da die Gesetze von der Resonanz bisher noch so wenig erforscht sind, der Zweig des Baues musikalischer Instrumente, welcher die Schallkasten- und Bodenfertigung derselben betrifft, nur in Bezug auf seine mechanischen Nothwendigkeiten zu einer mehr begründeten Norm gediehen, indem man jede Bestimmung über die Gestalt des Schallkastens überhaupt, so wie über die des Bodens insbesondere nur empirisch zu bestimmen vermag. Schallkasten bestehen entweder aus einer Holzart oder aus mehreren. Die der Aeolsharfe, so wie die, auf welche Stimmgabeln befestigt werden, bestehen fast immer nur aus einer Holzart, Fichtenholz; der B., mit dem sogenannten Resonanzboden gewöhnlich nur durch die Seitenwände verbunden, zeichnet sich durch eine grössere Dicke aus und die Holzfasern des B.s haben gewöhnlich der Festigkeit wegen dieselbe Richtung, wie die der Resonanzplatte, nämlich mit der Längsrichtung der Fläche gehend. Etwas anders ist der B., gestaltlich wie auch seiner Masse nach, bei Saiteninstrumenten, die durch Reissen tönend erregt werden, also bei Guitarren, Mandolinen, Zithern u. s. w. Die Gestalt des B.s ist hier bald der Resonanzplatte parallel, bald ist sie kugelförmig und die Resonanzplatte bildet darüber eine gerade Fläche. Da die von dem Schallkasten eingeschlossene Luft ein die Klangstärke der Instrumente beeinflussender Factor bei den Tonwerkzeugen ist, so ist die Gestaltung des B. gewiss von besonderer Wirkung bei der Tonzeugung, doch hat die Wissenschaft bisher darüber auch nicht einmal annähernd Aufklärung zu geben vermocht; nur die Praxis hat gelehrt, dass die Luft in solchem Schallkasten eine grössere Verbindungsfäche mit der Aussenluft durch das Schallloch des Resonanzbodens erhalten muss, als bei anderen Instrumentarten. Was nun die Holzart betrifft, aus der gewöhnlich der B. eines Instrumentes obiger Art gefertigt wird, so ist dies vorzüglich Ahornholz; man findet jedoch auch viele anderen Holzarten zu demselben hin und wieder angewandt. Auch über die geeignetste Holzart, welche zum B. angewandt die beste Tonwirkung geben muss, kann die Wissenschaft keine sicheren Aufschlüsse geben. Gewiss ist wohl die verschiedene Geschwindigkeit, in der die Holzarten den Schall fortpflanzen, von Einwirkung auf die Tonzeugung, und vielleicht das Verhältniss des Fichten- zum Ahornholze, 18 zu 12 1/2, ein die beste Tonzeugung förderndes, weil
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