Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872 › scan 74
Scan 74
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
14 lines. Read by computer on 16 September 2026. Printed page 68. See the scan on archive.org.
1Pesth geboren und von seinem Vater so erfolgreich im Gesang und Violinspiel unterrichtet, dass er schon im achten Lebensjahre mit grossem Erfolge an einer Kunstreise nach Polen Theil nehmen konnte. In dem genannten Lande blieben Vater und Sohn vier Jahre hindurch, und der Letztere hatte dort das Glück, in dem gerade aus Russland zurückkehrenden berühmten Violinvirtuosen P. Rode einen der ausgezeichnetsten Lehrer zu finden. Völlig ausgebildet, begab sich B. 1815 nach Wien und erregte Beifall und Bewunderung. Nachdem er 1818 gleiche Erfolge in Italien erungen, fesselte man ihn an Wien, indem man ihm 1819 die Professur am Conservatorium und 1821 die erste Violinstelle in der k. k. Hofkapelle übertrug. Im Jahre 1823 unternahm er eine grössere Konzertreise, auf der auch das übrige Deutschland und ein Theil Frankreichs Gelegenheit erhielt, sein ungemein reines, edles und seelenvolles Spiel zu bewundern. Als Lehrer wirkte er in Wien nicht minder erfolgreich, und u. A. nennen sich Ernst und der berühmteste und gediegenste der Violinisten der Gegenwart, Joachim, mit Stolz seine Schüler. Auch als Componist zeichnete B. sich aus, und es sind von ihm Konzertstücke, Quartette, Duette, Variationen, Polonaisen und Gesänge im Druck erschienen. — Sein jüngerer Bruder, Leopold B., geboren 1800 in Pesth, ist ebenfalls ein vortrefflicher Violinist und war eine lange Reihe von Jahren ein sehr geschätztes Mitglied der ksl. Hofkapelle in St. Petersburg.
3Böhm, Jwan, Violinist und Componist, geboren 1723 zu Moskau, war ein Schüler des berühmten Virtuosen Piantanida und später von Graun, der ihn auch in der Composition unterrichtete. B. erhielt die Stelle als Hofmusiker in der Kapelle des Königs Friedrich II. in Berlin und starb daselbst 1764. Er veröffentlichte Trios und Solos für die Violine, welche Gediegenheit und Gewandtheit bekunden.
5Böhm, Karl Leopold, ein ausgezeichneter Violoncellvirtuose, wurde am 4. November 1806 in Wien geboren, besuchte das Conservatorium seiner Vaterstadt und wurde daselbst der vorzüglichste Schüler des berühmten Merk. Im Jahre 1824 unternahm er überaus erfolgreiche Kunstreisen nach Böhmen und Ungarn und sodann nach dem südlichen Deutschland, bis er erster Violoncellist der fürstl. fürstenberg’schen Kapelle in Donaueschingen wurde, von wo aus er auf grösseren und kleineren Reisen seinen Ruf bis ins Ausland hinein verbreitete.
7Böhm, Theobald, ein eben so berühmter als merkwürdiger Künstler, der als Meister auf der Flöte seine Anstellung in der königl. Hofkapelle in München gefunden hat, in welcher Stadt er im Jahre 1802 geboren ist. Auf mehreren Kunstreisen, namentlich auf einer solchen 1834 und 1835, der ein längerer Aufenthalt in London folgte, hat er sich weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus als einer der ersten Flötenvirtuosen Deutschlands bekundet, der gegenüber allen Rivalen seiner Zeit diesen hohen Rang mit Ehren behauptet. Durch wesentliche Verbesserungen an seinem Instrumente und durch Erfindung einer neuen Art von Klavier zeigte er, dass er auch ein denkender Akustiker sei. In seinen zahlreichen Compositionen offenbart sich überwiegend das Bestreben, nicht blos brillant zu schreiben, sondern auch gleichzeitig dem Sinne für echte Kunst zu dienen. Dies gilt besonders von seinen Konzertstücken und in zweiter Linie von seinen Variationen und Polonaisen, die sämtlich mit Begleitung des kleinen Orchesters, so wie mit Pianoforte erschienen sind. Seine »32 Etüden in allen Tonarten« sind Schulstücke, deren Studium sich kaum ein Flötist entschlagen kann.
9Böhme, Firma einer gut renommirten, früher im Verlagsbetriebe sehr thätig gewesenen Musikalien- und Instrumentenhandlung in Hamburg, welche 1793 von Johann August B. begründet wurde. Fast zwei Menschenalter hindurch stand sie in erster Reihe der deutschen Musikverlagsgeschäfte, ist aber in neuerer Zeit von vielen anderen Handlungen mehr und mehr überflügelt worden.
11Böhme, Johann Christian, einer der vorzüglichsten deutschen Orgelspieler des 17. Jahrhunderts, geboren 1652 zu Dresden und seit 1682 Hof- und Kammerorganist daselbst. Er starb 1699 zu Dresden. Nicht minder bedeutend soll B. als Klavierspieler gewesen sein. Als Componist hat er Kirchen- und Kammermusik, Orgel- und Klavierstücke geschrieben, wovon jedoch Nichts gedruckt worden ist.
13Böhme, Karl Gottlieb Heinrich, geboren 10. October 1783 zu Berlin,
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.