Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 86

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872

3 lines. Read by computer on 16 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 80. See the scan on archive.org.

1sitionen, in denen, wie A. W. Ambros sagt: »alle Geheimnisse des doppelten Contrapunktes in kühner und geistvoller Weise behandelt sind« wovon seine mächtige Fuge: »Laudetur Jesus Christus« den glänzendsten Beweis liefert. Černohorský war, wie gesagt, einer der grössten Contrapunktisten seiner Zeit und legte in Prag den Grund zu einer eigenen Schule des Contrapunktes, die sein geistvoller Schüler Josef Seger weiter leitete. Seger (geboren 21. März 1716, gestorben 1782) war einer der populärsten Tonkünstler dieser Periode. Wer nur irgend in musikalischen Beziehungen stand, der kannte ihn. Ein Schüler Seger's gewesen zu sein, gereichte zum Ruhme und war der beste Weg, in Kurzem selbst als Autorität zu gelten. Seger's Orgelspiel war fliessend klar und zierlich und zeigt geläuterten Geschmack; es ist weniger tief, aber volksthümlich und dem Geiste der katholischen Liturgie angemessen. Das gilt namentlich von seinen Fugen. Seine ausdrucksvolle Fuge F-moll ist auch historisch interessant; denn er componirte sie während der Belagerung Prags durch die Preussen. Mit Seger erhielt das Orgelspiel in Böhmen ein neues Gepräge. Seger bildete eine grosse Anzahl Schüler im Orgelspiel, Contrapunkte und in der Composition, welche sich als tüchtige Organisten oder Componisten bewährten. Es sind unter Anderen J. Brucha, A. Čermák, David, A. F. Fiebich, F. Hložek, J. Jelínek, Koniček, Violinlehrer des Fr. Benda, K. Kopřiva, J. Koželuh, J. Kuchař, V. Mašek, Mastný, Mysliveček, J. Nemastil, A. Pařízek, J. Prokop, J. Rámiš, F. Schmid, J. Skydánek, B. Votava, J. Vrabec, J. Wurscher u. s. w. Ausserdem zeichneten sich als Orgelspieler aus L. Batka, A. Bečvařovský, Wenzel, Zach u. s. w. Was Seger für die Kunst das Orgelspiels war, das war Franz X. Brixi, gewiss das grösste musikalische Genie seiner Zeit in Böhmen, auf dem Gebiete der Kirchencomposition. Brixi's zahlreiche Kirchencompositionen, die noch heutzutage in den Kirchen Böhmens ertönen, zeichnen sich freilich nicht durch streng kirchlichen Styl aus, wie die Werke italienischer Meister eines Palestrina, L. Leone, Lotti; denn wir finden darin ein gewisses Ringen des kirchlichen mit dem modernen weltlichen Style, was eine Eigenthümlichkeit seiner Zeit überhaupt war. Die Genialität Brixi's offenbart sich wie bei W. A. Mozart in der ungewöhnlichen Leichtigkeit, mit dem er vom ernsten zum weltlichen Style überging, ohne gegen den guten Geschmack zu verstossen, und in jener besonderen himmlischen Gabe, dass er mit Wenigem viel sagte und überall nur gediegene Musik schuf. Die contrapunktischen Theile seiner Compositionen sind kein trockener seelenloser Contrapunkt, sondern durchgeistigt und voll reichen ausdrucksvollen Inhaltes. Aus jedem seiner Themata sprühen Funken, die beim Eintreten der Stimmen in eine Flamme aufschlagen. Da Brixi frühzeitig rasch und bei jeder Gelegenheit componirte und seinen Werken jene Eigenschaften zu verleihen wusste, derentwegen die Musik eben gefällt, wurde er bald im ganzen Lande berühmt, und mit Recht sagt von ihm der geistreiche A. W. Ambros, dass Brixi mit seinem Feuer, seinem Sinne für Wohlklang und seiner sich in den Banden eines studirt kunsttreichen Satzes leicht und anmuthig bewegenden Melodie in gewissem Sinne ein »Vorläufer Mozart's« ist. Dass Brixi im Auslande wenig bekannt ist, rührt grösstentheils daher, dass seine Kirchencompositionen (über 80 Werke, darunter mehr als 60 Messen) nicht durch den Druck verbreitet wurden. Seine Probatikmesse ist ein Meisterstück. Ausser Brixi besass damals Böhmen eine grosse Anzahl tüchtiger und bedeutender Kirchencomponisten, die grösstentheils als Chorregenten in Prag oder auf dem Lande fungirten. Es sind namentlich: Vict. Brixi, Dominic und Sanctus Černý, J. Dussek, J. Fiebig, Fismann, Fiala, Habermann, J. Kopřiva, J. Koželuh, Kuchař, Kohl, Kutnohorský, Caj. Mara, V. Mašek, Oehlschlegel, Pokorný, Praupner, Jos. Ryba, V. Šantl, Dionys Weber u. s. w. Fern von ihrem Vaterlande zeichneten sich besonders in der Kirchencomposition Franz Tůma (1704 bis 1774), Kapellmeister der Kaiserin Elisabeth, aus, dessen Messen (eine grosse in D-moll namentlich) vom Grafen Laurencin und A. W. Ambros für Meisterwerke gehalten werden. Mozart äusserte sich über seine Kirchenmusik gegen Doles in Leipzig: »Wenn Sie nur Alles kännten, was wir in Wien von ihm haben! Komme ich heim, so will ich seine Kirchenmusik fleissig studiren«. — Dismas Zelenka (gestorben 1745), Kapellmeister in Dresden, dessen Kirchencompositionen, wie Rochlitz sagt, mit jenen des Scarlatti one of two readings
2sitionen, in denen, wie A. W. Ambros sagt: »alle Geheimnisse des doppelten Contrapunktes in kühner und geistvoller Weise behandelt sind« wovon seine mächtige Fuge: »Laudetur Jesus Christus« den glänzendsten Beweis liefert. Černohorský war, wie gesagt, einer der grössten Contrapunktisten seiner Zeit und legte in Prag den Grund zu einer eigenen Schule des Contrapunktes, die sein geistvoller Schüler Josef Seger weiter leitete. Seger (geboren 21. März 1716, gestorben 1782) war einer der populärsten Tonkünstler dieser Periode. Wer nur irgend in musikalischen Beziehungen stand, der kannte ihn. Ein Schüler Seger's gewesen zu sein, gereichte zum Ruhme und war der beste Weg, in Kurzem selbst als Autorität zu gelten. Seger's Orgelspiel war fliessend klar und zierlich und zeigt geläuterten Geschmack; es ist weniger tief, aber volksthümlich und dem Geiste der katholischen Liturgie angemessen. Das gilt namentlich von seinen Fugen. Seine ausdrucksvolle Fuge F-moll ist auch historisch interessant; denn er componirte sie während der Belagerung Prags durch die Preussen. Mit Seger erhielt das Orgelspiel in Böhmen ein neues Gepräge. Seger bildete eine grosse Anzahl Schüler im Orgelspiel, Contrapunkte und in der Composition, welche sich als tüchtige Organisten oder Componisten bewährten. Es sind unter Anderen J. Brucha, A. Čermák, David, A. F. Fiebich, F. Hložek, J. Jelínek, Koniček, Violinlehrer des Fr. Benda, K. Kopřiva, J. Koželuh, J. Kuchař, V. Mašek, Mastný, Mysliveček, J. Nemastil, A. Pařízek, J. Prokop, J. Rámiš, F. Schmid, J. Skydánek, B. Votava, J. Vrabec, J. Wurscher u. s. w. Ausserdem zeichneten sich als Orgelspieler aus L. Batka, A. Bečvařovský, Wenzel, Zach u. s. w. Was Seger für die Kunst das Orgelspiels war, das war Franz X. Brixi, gewiss das grösste musikalische Genie seiner Zeit in Böhmen, auf dem Gebiete der Kirchencomposition. Brixi's zahlreiche Kirchencompositionen, die noch heutzutage in den Kirchen Böhmens ertönen, zeichnen sich freilich nicht durch streng kirchlichen Styl aus, wie die Werke italienischer Meister eines Palestrina, L. Leone, Lotti; denn wir finden darin ein gewisses Ringen des kirchlichen mit dem modernen weltlichen Style, was eine Eigenthümlichkeit seiner Zeit überhaupt war. Die Genialität Brixi's offenbart sich wie bei W. A. Mozart in der ungewöhnlichen Leichtigkeit, mit dem er vom ernsten zum weltlichen Style überging, ohne gegen den guten Geschmack zu verstossen, und in jener besonderen himmlischen Gabe, dass er mit Wenigem viel sagte und überall nur gediegene Musik schuf. Die contrapunktischen Theile seiner Compositionen sind kein trockener seelenloser Contrapunkt, sondern durchgeistigt und voll reichen ausdrucksvollen Inhaltes. Aus jedem seiner Themata sprühen Funken, die beim Eintreten der Stimmen in eine Flamme aufschlagen. Da Brixi frühzeitig rasch und bei jeder Gelegenheit componirte und seinen Werken jene Eigenschaften zu verleihen wusste, derentwegen die Musik eben gefällt, wurde er bald im ganzen Lande berühmt, und mit Recht sagt von ihm der geistreiche A. W. Ambros, dass Brixi mit seinem Feuer, seinem Sinne für Wohlklang und seiner sich in den Banden eines studirt kunstreichen Satzes leicht und anmuthig bewegenden Melodie in gewissem Sinne ein »Vorläufer Mozart's« ist. Dass Brixi im Auslande wenig bekannt ist, rührt grösstentheils daher, dass seine Kirchencompositionen (über 80 Werke, darunter mehr als 60 Messen) nicht durch den Druck verbreitet wurden. Seine Probatikmesse ist ein Meisterstück. Ausser Brixi besass damals Böhmen eine grosse Anzahl tüchtiger und bedeutender Kirchencomponisten, die grösstentheils als Chorregenten in Prag oder auf dem Lande fungirten. Es sind namentlich: Vict. Brixi, Dominic und Sanctus Černý, J. Dussek, J. Fiebig, Fismann, Fiala, Habermann, J. Kopřiva, J. Koželuh, Kuchař, Kohl, Kutnohorský, Caj. Mara, V. Mašek, Oehlschlegel, Pokorný, Praupner, Jos. Ryba, V. Šantl, Dionys Weber u. s. w. Fern von ihrem Vaterlande zeichneten sich besonders in der Kirchencomposition Franz Tůma (1704 bis 1774), Kapellmeister der Kaiserin Elisabeth, aus, dessen Messen (eine grosse in D-moll namentlich) vom Grafen Laurencin und A. W. Ambros für Meisterwerke gehalten werden. Mozart äusserte sich über seine Kirchenmusik gegen Doles in Leipzig: »Wenn Sie nur Alles kännnten, was wir in Wien von ihm haben! Komme ich heim, so will ich seine Kirchenmusik fleissig studiren«. — Dismas Zelenka (gestorben 1745), Kapellmeister in Dresden, dessen Kirchencompositionen, wie Rochlitz sagt, mit jenen des Scarlatti one of two readings

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