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Scan 87
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1und Feo geistesverwandt sind, schrieb unter Anderem ein grossartiges Miserere, das noch bis jetzt am Aschermittwoch in Dresden aufgeführt wird. Ausser diesen schufen auf dem Gebiete der Musica sacra bedeutende Werke J. Gayer, Gyrowetz, Krommer Maxant, Miksch, Pichl, Pokorný, Vogel, Wanhal, Zach, B. Žák u. s. w. Wie die Kirchenmusik, so eifrig wurde auch die Klaviermusik gepflegt. Unter der zahlreichen Menge von Klavierlehrern und Klaviercomponisten, die in Prag wirkten, verdient besonders Franz Dušek (Duschek), ein Freund W. A. Mozart's, eine lobende Erwähnung. Er übte einen grossen Einfluss auf die Ausbildung und Verfeinerung des musikalischen Geschmackes in Prag, namentlich in den adeligen Kreisen. Im Klavierspiel und in der Composition für das genannte Instrument zeichneten sich in Prag besonders: Joh. Koželuh, V. Mašek, J. Witásek, Rössler, Kuchař, Hložek, J. Wenzel u. A. aus. — Wie überall war die Tanzmusik in Böhmen im Anfange des 18. Jahrhunderts bis zur Armuth einfach. Vrba wurde zum Thespis dieser Kunstgattung. Er war es, der das aus dem Stegreifspielen abbrachte und den Producirenden den Vortrag aus Noten aufzwang. Nach ihm kam Pichl (1741—1804), der sich einer längeren Periode erfreut. Doch war auch zu seiner Zeit, selbst als er schon aus Mailand seine Compositionen nach Prag sandte, das Orchester noch nicht vollstimmig. Der Satz selbst war übrigens arm und gesangleer. Einige Zeit nach ihm trat M. A. Cibulka (1790) als Reformator der Tanzmusik auf. Er vervollkommnete das Orchester und benutzte die Blasinstrumente mehr als seine Vorgänger. Seine Tänze zeichnen sich durch gefällige Melodien aus. Als er im Jahre 1794 Prag verliess, wurden durch mehrere Jahre blos aus Opern Tanzmusiken arrangirt, unter welchen einige von Volánek die beste Wahl zeigen. Im letzten Jahrzehent des 18. Jahrhunderts trat Dionys Weber auf. Er lieferte jährlich Menuette, deutsche Tänze und Ländler. Schwerlich war es damals möglich, sowohl in der Fülle der Erfindung als im Gleichgewichte der Instrumentation diesen Kunstzweig auf eine höhere Stufe zu bringen, als es Weber gethan hat. Nach der Aeusserung das Abbé Vogler hat dieser nie vorher eine Tanzmusik mit einem so reich besetzten und so wohlberechneten Orchester aufführen hören als in Prag. Weber war zugleich der Erste, der die sonst üblichen Schranken der Menuette und Walzer von 16 Tacten in 2 Reprisen zu überschreiten wagte; er fand darin einen zu engen Raum, um einen Gedanken tüchtig durchzuarbeiten und mit mannigfaltigen Harmonien auszuschmücken. Auch dankt man ihm ein neues Genre des Walzers, nämlich die Variationen über einen selbstfundenen Satz oder über ein beliebtes Volkslied. Webern zunächst stand damals J. N. Witásek, der durch anmuthige Melodien erfreute, wenn er gleich in Fülle des Satzes und der Instrumentation mit jenem nicht in die Schranken treten durfte. W. Tomášek hat nur Weniges für den Tanz geschrieben, aber dies Wenige ist mit Geschmack und Geist gearbeitet. Böhmen besass im 18. Jahrhunderte eine Menge ausgezeichnetener ausübender Tonkünstler. In Prag excellirten namentlich als Violinvirtuosen die beiden Praupner, Obermeyer, die vier Kučera; als Cellist Wenzel Stastný; als Contrabassist A. Grams; als Flötist Fr. Leitel; als Clarinettist W. Farník; als Fagottist Toman; als Posaunist G. Stolle; als Oboisten die beiden Kauer. Aber noch eine grössere Zahl böhmischer Virtuosen lebten und wirkten fern von ihrer Heimath und erwarben sich durch ihre Kunstfertigkeit einen Weltruf. Es sind: Franz Benda, gross als Violinvirtuos und Begründer einer eigenen Violinschule in Berlin; Jacob Scheller, der Paganini des 18. Jahrhunderts, über dessen Bravourspiel selbst Rochlitz erstaunte; Giovanni Punto (Stich), der grösste Hornvirtuos seiner Zeit, für den Beethoven eine Sonate für Horn und Piano schrieb; Jos. Krumpholz, gross als Harfenvirtuos und Lehrer so wie als Verbesserer der Pedalharfe; Joh. A. Mareš, bedeutender Hornvirtuos und Erfinder der russischen Hornmusik; Joh. Mara, berühmter Violoncellvirtuos und Gemahl der weltberühmten Gertrude Mara; Jos. Fiala, bewunderungswürdig als Oboenvirtuos; Johann Stamitz, berühmt als Violinvirtuos; Anton Kraft und V. Houška, bedeutende Violoncellvirtuosen; Jos. Beer, einer der grössten Clarinettvirtuosen; Jos. Červenka, Meister auf der Oboe, und W. Čejka auf dem Fagott. Johann Dussek, berühmter Klaviercomponist, entzückte in London und Paris durch sein Meisterspiel auf dem Pianoforte. Alle diese Künstler so wie noch eine grosse Anzahl minder
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