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Scan 198
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1Gerber, Christian, musikkundiger deutscher Theologe, geboren um 1660 zu Görlitz, gestorben 1731, war Pfarrer und Magister in Lockwitz und hat einige musikalische Abhandlungen veröffentlicht.
3Gerber, Heinrich Nicolaus, verdienstvoller deutscher Componist und Musiklehrer, geboren am 6. Septbr. 1702 im Schwarzburg'schen, wo sein Vater Landwirth war, besuchte die Elementarschule in Mühlhausen, dann das Gymnasium in Sondershausen und trieb mit Vorliebe zugleich auch musikalische Studien. Seine Universitätsjahre in Leipzig brachten ihn seit 1724 mit Joh. Seb. Bach zusammen, der ihn weiter ausbildete. Im J. 1728 wurde er Organist zu Heringen in der goldenen Aue, welche Stadt jedoch gänzlich niedergebrannte. Seines schlanken Körperwuchses wegen sah sich G. unablässig von den Werbern Friedrich Wilhelm's I. beunruhigt, bis er 1731 als Schlossorganist und fürstlicher Musiklehrer in Sondershausen angestellt wurde. Neben Unterrichtgeben, Composition und Verwaltung seines Amtes befasste er sich mit Versuchen, musikalische Instrumente zu verbessern. So ging u. A. aus seiner Hand eine Art Strohfiedel in Form eines Flügels hervor, ein vieroctaviges Instrument, dessen Töne vermittelst der Tasten durch Anschlagen hölzerner Kugeln an Holzstäbe hervorgebracht wurden. Im J. 1749 wurde er zum Hofsecretair ernannt, stellte jedoch seine eifrigen Musikübungen erst mit dem Tode ein, der am 6. Aug. 1775 zu Sondershausen erfolgte. Seine Compositionen bestehen in Motetten und Cantaten, zahlreichen Concerten, Suiten und Uebungen für Clavier, Präludien und Fugen für Orgel, Stücken für Harfe u. s. w., Alles meist Manuscript geblieben. Auch ein vollständiges Choralbuch mit beziffertem Basse und variirte Choräle schrieb er, welche letztere einst sehr geschätzt wurden. — Sein Sohn Ernst Ludwig G. hat sich als Lexikograph Ruhm und ein unschätzbares Verdienst erworben. Geboren wurde derselbe am 20. Septbr. 1746 zu Sondershausen und erhielt von seinem siebenten Jahre an bei seinem Vater Unterricht im Clavierspiel und Gesang. Seiner schönen Stimme wegen musste er noch in seinen Schuljahren häufig Soli bei musikalischen Aufführungen übernehmen. Theoretische und musikhistorische Werke wurden ihm gleichfalls früh in die Hand gegeben und ermuthigten ihn zu Compositionsversuchen. Von 1765 an studirte er in Leipzig die Rechte, gab aber dieses Studium im Interesse der Musik und schönen Wissenschaften auf, als er mit einigen Compositionen Beifall fand, die im Concert und im Theater, in dessen Orchester er als Violoncellist mitwirkte, aufgeführt wurden. Wie als Violoncellist wurde er auch als Clavierspieler in Concerten sehr beliebt. Um seinem Vater zur Seite zu stehen, kehrte er nach Sondershausen zurück und rückte nach dem Tode desselben auch definitiv in dessen Stellungen ein. Neben der Composition beschäftigte er sich nach wie vor mit musikliterarischen Studien und mit Sammlungen von Musikerporträts, die er mit Biographien versah. Hierbei wurde ihm klar, dass das Walther'sche Lexikon als Nachschlagebuch dem Zeitbedürfnisse nicht mehr genüge, und er kam auf die Idee, eine gleiche Arbeit aufzunehmen, für welchen Zweck er Correspondenzen eröffnete, Nachforschungen begann und Reisen unternahm, die ihm eine goldene Ausbeute brachten. Diese Vorarbeiten, die Sichtung und Zusammenstellung des reichen Materials, die Abwägung des Nothwendigen und Entbehrlichen u. s. w. füllten zehn lange Jahre hindurch alle seine Mussestunden aus und der Frucht dieser anstrengenden, mühsamen Anstrengungen, dem »Historisch-biographischen Lexikon der Tonkünstler« (Leipzig, 1790—1792) kann auch die Nachwelt das ehrende Urtheil nicht versagen, dass es ein vollkommenes, klar disponirtes und mit Umsicht, Redlichkeit und grosser Zuverlässigkeit gearbeitetes Werk gewesen ist. Gleichzeitig veröffentlichte G. auch in verschiedenen Zeitschriften Abhandlungen über Kunstfragen und schrieb mehrere Jahre hindurch Recensionen für die Erfurter Gelehrten-Zeitung. Schon im J. 1796 ging er an die Zusammenstellung eines neuen Tonkünstlerlexikons, da ihm auf Grund des schon erschienenen Werks, das übrigens von Choron in das Französische übersetzt wurde, Berichtigungen,
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