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Scan 212
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1widmen. Der damalige Musikdirektor Liebe in Worms übernahm den ersten Musikunterricht G.'s, der 1849 in Mainz bei Pauer und sodann in Frankfurt a. M. bei Rosenhain sich bis zur technischen Virtuosität vervollkommnete. In letzterer Stadt, welche die Eltern der Stürme der Revolutionszeit wegen aufgesucht hatten, studirte G. auch Violinspiel und ganz besonders unter J. C. Hauff's Leitung Theorie der Musik. Schon 1850 trat er in einem Concert im Stadttheater als Pianist und als Componist einer Ouverture unter ermunterndem grossen Beifall auf und machte alsbald hierauf eine Kunstreise durch die Rheingegenden, auf welcher er besonders in Strassburg und Köln Aufsehen erregte. Von wohlmeinenden Autoritäten der Kunst gut berathen, unterbrach er 1852 plötzlich die Virtuosenlaufbahn und gab sich auf dem Conservatorium zu Leipzig bei Moscheles, Hauptmann, Rietz und Richter von Neuem mehrjährigen gründlichen Studien hin, nach deren Beendigung er 1855 weitere künstlerische Anregungen in Paris suchte, woselbst er bald auch als Pianist und Lehrer im Interesse der guten Musik wirkte. Als einer der besten Interpreten Chopin's und Schumann's dort anerkannt und hochgeschätzt, richteten sich dennoch seine Blicke nach einem Wirkungskreise im Vaterlande, und er nahm die erste Musikdirektorstelle an, die ihm von dort aus geboten wurde — die in Saarbrücken im J. 1861. Ein Künstler von G.'s Begabung und Tüchtigkeit konnte hier freilich nicht lange Genüge finden, jedoch brachte er, als Dirigent, Lehrer und Componist jugendfreudig wirkend und schaffend, bald die musikalischen Verhältnisse dieses Ortes, die in den Concerten gipfelten, zu einer ansehnlichen Blüthe. Im J. 1865 endlich bot ihm Köln eine entsprechendere und wichtigere Stellung. Er wurde Lehrer des Pianofortespiels, bald auch des Contrapunkts und der Fuge am dortigen Conservatorium, und man übertrug ihm in der Folgezeit auch die Direktion der musikalischen Gesellschaft, des städtischen Gesangvereins und des Sängerbundes, endlich, im Herbst 1873, zum grössten Vorteil für das Stadttheater und dessen Ruf, die des Opernorchesters. Ausserdem wirkte G. in den Musikabenden für Kammermusik und in den Concerten des Cölner Tonkünstlervereins mitunter als Pianist mit und fesselte und bewegte die Hörer durch die edle Classicität seines Spiels und die Congenialität in treuester, reproductiver Wiedergabe der Meisterwerke. G.'s Bedeutung ruht indessen hauptsächlich in seiner eigenen Gestaltungskraft, die auf dem Gebiete der Pianoforteliteratur und Instrumentalmusik, von der Claviersonate in F-moll an, nur liebenswürdige Blüthen getrieben hat. Ein frisches, scelenvolles Gemüthleben entfaltet sich in allen seinen Werken, reizvolle Melodik, oft gesteigert zu wahrhaft dramatischem und farbenreichstem Ausdrucke in durchaus charakteristischen Tonbildern und Stimmungen treten dem Hörer in anregend poetischer Weise daraus entgegen. Beweis dafür sind seine Clavierconcerte, von denen das in C-moll, von G. selbst 1870 in einem der Conservatoriumsconcerte in Paris vorgetragen, auch im Auslande bewundernde Anerkennung fand, ferner seine Clavier- und Streichquartette und Violin- und Violoncello-Sonaten und von chorischen Werken sein »Salve regina« für Sopran, Frauenchor und Orchester, sowie die schwungvollen Männerchöre »Salamis«, »Wächterlied« und »Römische Leichenfeier«, sämmtlich mit Orchester. Den ersten Rang nehmen auch seine poesievollen Tonstücke für Clavier allein, bestehend in Sonaten, Suiten, Präludien, Variationen u. s. w. ein. Zurücktretend sind einige Liederhefte und eine Ouvertüre zu »Waldmeisters Brautfahrt« zu bezeichnen, welche letztere offenbar den Stempel der Gelegenheitscomposition trägt. — Durch die Plastik und Klarheit seiner Tonschöpfungen und die ihnen inne wohnende Poesie und Frische erscheint G. unter den Componisten der Gegenwart besonders befähigt, bei weiterer künstlerischer Entwicklung berufen zu sein, im edelsten Sinne des Wortes zu voller Popularität und Anerkennung seiner Werke zu gelangen.
3Gero, Giovanni de, einer der bemerkenswertheren italienischen Componisten in der Zeit unmittelbar vor Palestrina, ist zu Ausgange des 15. Jahrhunderts geboren. Als Tonsetzer kennt man ihn seit 1519, da sich in einem
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