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Scan 255
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1Gleichzeitig wurden seine Compositionen sehr beliebt. Im J. 1779 folgte er einem Ruf nach Berlin und gehörte dort der Kapelle des Kronprinzen bis 1783 an, in welchem Jahre er seine von grossartigen Erfolgen gekrönten Concertreisen, zunächst nach St. Petersburg, Warschau, Wien (1786) und anderen Hauptstädten antrat. In London war er 1792 und bis zur Ankunft Viotti's der Alleinherrscher im Reiche des Violinspiels, und er würde sich auch neben diesem Rivalen noch behauptet haben, wenn nicht sein ungeregeltes Leben, sein arrogantes, streitsüchtiges Auftreten, welches ihn schon in Paris und Berlin unmöglich gemacht hatte, auch hier ihm den dauernden Aufenthalt verdorben hätte. Ein Ehrenhandel mit J. B. Cramer, der mit einer von G. nicht angenommenen Herausforderung endigte, gab seiner Popularität den Rest, und er begab sich 1796 nach Hamburg, wo er als Concert- und — Billardspieler Lorbeeren und Gold gewann. Von dort aus besuchte er 1797 und 1802 noch einmal Berlin und fand unverminderten enthusiastischen Beifall. Ende des letzteren Jahres reiste er nach St. Petersburg und war bis zu Rode's Ankunft der Löwe des Tages. Vom Schlage getroffen, starb er aber dort plötzlich bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Billardspiele, am 21. Novbr. 1804. Von seinem Spiele sagt Dittersdorff, der ihn 1786 hörte und über Fränzl, Scheller und Lolli setzt: »Er (G.) entlockt seinem Instrumente einen schönen Ton, hat reine Intonation, überwindet Schwierigkeiten spielend, singt vortrefflich im Adagio, hat hie und da gewisse pikante Eigenthümlichkeiten, spielt degagirt, ohne zu grimmassiren, mit einem Wort: er spielt für Kunst und Herz«. — G.'s zu ihrer Zeit sehr beliebte Compositionen bestehen in 16 Violinconcerten, 7 Sinfonien, sechs Streichquartetten, 16 Violinduetten, Violin-Sonaten mit Bassbegleitung und Variationen.
3Giovannelli, Rugiero, berühmter Componist der römischen Schule, geboren um 1560 zu Velletri, weshalb er auch oft G. da Velletri genannt wurde. Nanini soll sein Lehrer gewesen sein; jedenfalls stand er noch ziemlich jung auf einer solchen Stufe der Meisterschaft, dass er 1587 zum Kapellmeister an der Kirche San Luigi de' Francesi, dann an der des Collegium germanicum in Rom ernannt und nach dem Tode Palästrina's würdig befunden wurde, 1594 dessen Nachfolger zu Sanct Peter im Vatican zu werden; fünf Jahre später wurde er auch in das Sängercollegium der päpstlichen Kapelle aufgenommen. Sein Todesjahr (jedenfalls erst nach 1615) ist nirgends verzeichnet. — G. muss zu den ersten Spitzen der von Palästrina und Nanini begründeten römischen Schule gerechnet werden. Seine Werke, sagt Proske, zeichnen sich durch Anmuth, Reinheit des Styls und harmonischen Wohlklang in einem Grade aus, dass nur die edelsten Tonbildner sich mit ihm vergleichen lassen. Der geläuterte Geschmack jener Zeit befreundete sich auch alsbald mit G.'s Compositionen, wie die zahlreichen Originalausgaben und Anthologien bei italienischen, deutschen und niederländischen Verlegern zur Genüge beweisen. Dem ungeachtet ist noch immer ein grosser Theil derselben ungedruckt geblieben. Von den Arbeiten G.'s überhaupt theilt Baini in seinem Werke über Palästrina ausführliche Notizen mit; dieselben bestehen hauptsächlich in mehreren Büchern fünfstimmiger Madrigale, fünf- bis achtstimmiger Motetten, dreistimmiger Canzonetten, Vilanellen u. s. w., die in der Zeit von 1586 bis 1594 zu Venedig und Rom gedruckt worden sind. Mehrere Motetten und Psalme von ihm sind in den von Fabio Costantini 1615 bis 1617 herausgegebenen Sammlungen enthalten, ebenso Madrigale in vielen anderen aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammenden Sammlungen. Unter den in verschiedenen Musikarchiven Roms befindlichen Kunstschätzen aus der Feder G.'s, wovon besonders die päpstliche Kapelle einen reichen Vorrath von handschriftlichen Messen, Motetten und Psalmen aufweist, hebt Baini zwei- und mehrchörige Compositionen, ferner ein vierstimmiges Miserere mit achtstimmigem Schlussversett, das sehr lange in der päpstlichen Kapelle gesungen wurde, sowie eine achtstimmige Messe über Palästrina's Madrigal »Vestiva i colli« mit besonderer Auszeichnung her-
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