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Scan 342
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1schritt er dann rüstig neben jenen Männern einher, in denen der deutsche Geist der Musik so mächtig seine Schwingen regte. Auf Verwendung einflussreicher Gönner, besonders des Hofpoeten Johann Ulrich König, ward G. als Opern-Tenor nach Braunschweig berufen, woselbst er zu Anfang 1725 in dem Schürmann'schen Singstück »Henricus auceps« (Heinrich der Finkler) zum ersten Mal auftrat. Da aber die Arien der ihm zugetheilten Rolle seinem Geschmack nicht entsprachen, setzte er dieselben um und erwarb sich dadurch den Beifall des herzoglichen Hofes in dem Maasse, dass ihm die Composition der Oper für die nächste Saison übertragen wurde. Dieser Oper, »Pollidoro« (1726), welcher er, neben seiner Stellung als Tenorist, die Ernennung zum Vice-Kapellmeister verdankte, reihten sich in schneller Aufeinanderfolge fünf andere an (»Sancio e Sinilda« (1727), »Ifigenia in Aulide«, »Scipio Africanus« u. s. w.), die den Ruf des Componisten durch ganz Deutschland verbreiteten. Nebenbei begnadet mit der reichsten Fülle kirchlichen Gesanges, componirte G. eine grössere Anzahl von Kirchenstücken, italienische Cantaten, zwei Passionen und die Trauermusik beim Leichenbegängnisse des Herzogs August Wilhelm (1731). Während eines Besuches des Kronprinzen von Preussen (nachmaligen Königs Friedrich II.) am Hofe des Herzogs Ferdinand Albert hörte ihn jener und erbat sich ihn vom Herzoge als Sänger bei seiner Kapelle zu Rheinsberg, wohin G. nach ungern ertheilter Entlassung 1735 sich begab. Hier, wo ein sonnig-heiterer Frühlingstag am Horizonte der Kunst aufgezogen, componirte er namentlich Cantaten für die Concerte des Kronprinzen, um sie dann selbst »äusserst gemüthvoll und schön« zu singen, wodurch ihm die Liebe seines Fürsten in immer höherem Grade zu Theil wurde. Dieser verfasste die Verse zu den Cantaten in französischer Sprache und liess sie dann durch den Dichter Boltarelli ins Italienische übersetzen. Man schätzt die Anzahl dieser Cantaten mit Orchesterbegleitung, deren meiste aus zwei Recitativen und Arien bestanden, auf fünfzig. Der Kapellmeister J. A. P. Schulz setzte sie im Ausdrucke über alles Andere, was G. geschrieben. Nach dem Hinscheiden König Friedrich Wilhelms I. im J. 1740 wurde G. beauftragt, die Trauermusik bei der Begräbnissfeierlichkeit zu componiren, deren Partitur in Kupfer gestochen wurde und als eine der besten Arbeiten des Meisters gilt. Zur Aufführung dieser Musik wurden Opernsänger aus Dresden requirirt. — Zur Verwirklichung einer Lieblings-Idee, der Herstellung einer italienischen Oper in Berlin, entsandte König Friedrich II. noch im ersten Jahre seiner Regierung G. nach Italien, um ein Sängerpersonal zu engagiren. Dieser entledigte sich, nachdem er fast ein ganzes Jahr auf der Reise zugebracht und in den Hauptstädten Italiens als Sänger den ausserordentlichsten Beifall geerntet hatte, seines Auftrages zur völligen Zufriedenheit seines Monarchen, welcher ihn mit einem Jahresgehalt von zweitausend Thalern zum Kapellmeister ernannte. Als solcher musste er denn bei seinen Opern gewöhnlich dem Geschmacke des Königs Rechnung tragen, ohne indessen die Dictatur des Genius zu verleugnen, wenn sein Gebieter mit einer vorgefassten Meinung durchdringen wollte. Die Zahl der von G. in Berlin componirten Opern beläuft sich auf 28. Die erste der selben war »Rodelinda, regina de' Longobardi«, zuerst am 12. Decbr. 1741 im königl. Schlosstheater zu Berlin aufgeführt, die letzte »Merope«, am 27. März 1756 im Opernhause ebendaselbst gegeben. G. und Hasse überhaupt lieferten fast allein die Opern, welche damals in Berlin zur Aufführung kamen. Nach Composition der »Merope« wandte G. sich wieder der Kirchenmusik und der Cantate zu. Zu jener Zeit entstand auch sein »Te deum«, zu Ehren des Sieges bei Prag 1756, welches grosses Aufsehen machte und bedeutender als alle seine Opern ist, in der nur die sanft rührenden Parthien einigen Werth beanspruchen. Friedrich der Grosse liess jenes Tedeum nach Beendigung des siebenjährigen Krieges in der Schlosskapelle zu Charlottenburg am 15. Juli 1763 aufführen. Vor allen Compositionen G.'s aber hat sein in der gläubigen Mystik eines kindlichen Gemüths mit einer Fülle trefflicher Formbildungen entstandenes
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