Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 343

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874

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1Oratorium »Der Tod Jesu« die Welt entzückt und wird vielleicht sogar, ein unvergängliches Kunstwerk, auch den späteren Geschlechtern als stereotypes Charfreitags-Oratorium erhalten bleiben. Mit diesem einzigen Werke, zu dessen Aufführung auch für die Zukunft reiche Legate ausgesetzt wurden, ist der Name des Componisten im Buche der deutschen Kunstgeschichte in Ehren verzeichnet, wenn auch seine übrigen Schöpfungen fast ganz in Vergessenheit gerathen sind. Als Friedrich der Grosse, dessen künstlerische Richtung der Passionsmusik nicht sehr verwandt war, Bach gesehen und gehört hatte, soll er in eine »sonderbare« Bewegung gerathen sein. Gleichwohl ist G.'s »Jesu Tod« niemals vor ihm zur Aufführung gekommen. Die erste öffentliche fand am 26. März 1755 im Dome statt und an demselben Tage 1855 wurde eben-dasselbst die Säcularfeier durch die Singakademie mit Hülfe der königl. Sänger und der königl. Kapelle in Gegenwart des Königs Friedrich Wilhelm IV. glänzend begangen. G. selbst starb am 8. Aug. 1759 zu Berlin in seinem eigenen Hause in der Spandauerstrasse, demselben, in welchem nachmals ein anderer Meister, Meyerbeer, das Licht der Welt erblickte. G. war zweimal und glücklich verheirathet. Seine Tochter aus erster Ehe, zu einer vielverheissenden Sängerin von ihm ausgebildet, ward durch ihre Verheirathung der Kunst entzogen; von seinen vier Söhnen zweiter Ehe zeigte keiner Neigung zur Musik. Auf der königl. Bibliothek zu Berlin befinden sich ausser vielen eigenhändig von ihm geschriebenen Partituren auch neun Briefe aus den Jahren 1739 bis 1756 in Abschrift, an seinen Freund Telemann gerichtet und viel Interessantes enthaltend. Eine monumentale Verewigung hat G. auf Rauch's Denkmal Friedrich des Grossen gefunden, auf dessen Rückseite er in ganzer Figur, den Taktstock in der Hand, dargestellt ist. Trotzdem auf G.'s Opernschöpfungen in Bezug auf seine fleissige künstlerische Thätigkeit, aus der, wie schon angedeutet worden ist, eine Menge deutscher, lateinischer und italienischer, theils für das Theater, theils für die Kirche, theils für die Kammer geschriebener Compositionen hervorgegangen sind, das wenigste Gewicht zu legen ist, so besass G. selbst doch, bei einer ausgezeichneten technischen Gewandtheit und Klarheit der Form, ein nicht unbedeutendes dramatisches Talent, das sogar noch in seinen Liedern und Oden in Art eines lebhaften Ausdrucks durchschlägt. Das beweisen hauptsächlich seine Recitative. Ein guter Sänger und gefühlvoller Mensch, erfand er auch manches zum Herzen dringende Arienmotiv, verzettelte dasselbe aber in der zu seiner Zeit herrschenden, die Künste des Gesangsvirtuosen in erster Linie berücksichtigenden Schreibart. Der technischen Ausbildung im Gesange dienen auch 31 vortreffliche »Solfeggi«, welche er geschrieben hat. Auf rein instrumentalem Gebiete hat sich G. in keinerlei Art ausgezeichnet, obwohl er einige Clavierconcerte, Trios, Fughetten für die Orgel und ein Concert (»für die königl. preussische Familie«) für Violine, Flöte, Gambe und Violoncello hinterlassen hat. — Weit bedeutender als Instrumentalcomponist war sein schon erwähnter älterer Bruder, Johann Gottlieb G., königl. Concertmeister an der Grossen Oper zu Berlin. Geboren um 1698 zu Wahrenbrück, besuchte derselbe mit Karl Heinrich zusammen die Kreuzschule zu Dresden, in der auch er den Unterricht Grundig's im Gesange und Petzold's im Orgel- und Clavierspiel erhielt. Besonders aber wandte er sich unter Anleitung Pisendel's der Violine zu. Er verliess 1720 Dresden und besuchte bald darauf Italien, wo er Tartini's Bekanntschaft machte und dessen Spielart sich aneignete. Nach seiner Rückkehr wurde er 1726 von Dresden aus an den Hof von Merseburg berufen, wo er sechs Violin-Sonaten veröffentlichte, die nebst sechs Claviertrios zu den einzigen von ihm im Druck erschienenen Werken gehören. Schon 1727 trat er jedoch in die Dienste des Fürsten von Waldeck und von da in das kronprinzlich preussische Orchester zu Rheinsberg, als dessen Concertmeister er 1740 bei Umwandlung desselben in die königl. Kapelle angestellt wurde. Als solcher starb er am 27. Oktbr. 1771 zu Berlin mit dem wohlbegründeten Rufe, ein ausgezeichneter Violinspieler und Lehrer,

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