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Scan 364
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1Erziehers in einem adligen Hause zu Warschau. Die Bekanntschaft, die er dort mit einigen Schülern Chopin's machte, regte ihn zu erneuten Studien und Compositionsversuchen mächtig an, und er begab sich endlich auf längere Zeit nach Weimar, wo er in Fr. Liszt einen wohlwollenden Gönner und Berather fand. Im J. 1858 kam er als Musiklehrer nach Schitomir in Südrussland, von wo aus er als Professor des Clavierspiels an das Katharinen-Institut nach Moskau berufen wurde, in welcher Stellung er 1868 starb. Seine Compositionen sollen von grosser Befähigung Zeugniss ablegen.
3Greulich, Karl Wilhelm, vortrefflicher deutscher Pianist und Musiklehrer, geboren am 13. Febr. 1796 zu Kuntzendorf unterm Walde bei Löwenberg in Schlesien, wo sein Vater Cantor und Organist war und den Sohn seit dessen fünftem Jahre im Clavier-, später auch im Orgelspiel unterrichtete. Im J. 1808 kam G., von seinem Vater zum Theologen bestimmt, auf das Gymnasium zu Hirschberg, wo er vom Organisten Kahl mit ausserordentlichen Erfolge weiter in der Musik unterrichtet wurde und nun diese zum Lebensberufe wählte. Zu diesem Zwecke ging er 1812 behufs höherer Ausbildung nach Liegnitz, und, da er dort sich nicht befriedigt fand, 1816 nach Berlin, wo ihn B. Romberg, B. A. Weber und L. Berger, die sein Talent und seinen Feuereifer zu schätzen wussten, mit Rath und That unterstützten, Letzterer sogar ihm uneigennützig Unterricht im Clavierspiel und in der Composition ertheilte, so dass er bald zu den fertigsten Claviervirtuosen Berlins zählte. Rastlos bildete er sich an Meistern des Pianofortespiels, welche Berlin besuchten und deren persönliche Bekanntschaft er zu machen sich angelegen sein liess, weiter und ertheilte selbst einen von weit und breit her in Anspruch genommenen Musikunterricht, ebenso wie seine Compositionen die beifälligste Aufnahme fanden. Aufgemuntert durch die glänzende Anerkennung seiner Leistungen vollendete er 1828 eine grosse Pianoforteschule in vier Abtheilungen (Berlin, 1828), die von Gleichmann in der »Cäcilia« Bd. 14 p. 265 u. ff. eine eingehende und überwiegend günstige Besprechung erfuhr. Unter seinen zahlreichen Schülern sind zu nennen: der Prinz Georg von Cumberland (der nachmalige König Georg V. von Hannover), von dem er den Titel eines Kapellmeisters erhielt, ferner der spätere Kapellmeister Karl Eckert (bis 1826) und die berühmte Henriette Sontag vor ihrer Abreise von Berlin nach Paris. G. starb zu Berlin im J. 1837. Von seinen Compositionen sind etwa 40 Werke gedruckt, bestehend in Sonaten für Clavier mit und ohne Begleitung, in Rondos, Variationen, Divertissements, Uebungsstücken, Polonäsen, Märschen und Tänzen für Pianoforte, sowie in einer Anzahl von Liedern, Alles in seiner Zeit sehr beliebt und gesucht, nach seinem Tode aber der Vergessenheit anheimgefallen.
5Greytter, Matthias, s. Greiter.
7Griebel, eine deutsche Musikerfamilie, deren Glieder bis in die neueste Zeit hinein der königl. Kapelle in Berlin als Kammermusiker angehörten. Der Vater derselben ist Johann Heinrich G., geboren 1769 zu Berlin, ein Schüler des berühmten Fagottisten Ritter. Nachdem er sich in Concerten als fertiger Bläser ausgezeichnet hatte, trat er 1793 in das Orchester des königl. Nationaltheaters seiner Geburtsstadt, dem er bis 1832 angehörte. In letzterem Jahre pensionirt, starb er am 1. Novbr. 1852 zu Berlin. — Sein ältester Sohn, Heinrich G., geboren 1796 zu Berlin, wurde im Oboeblasen vom Kammermusiker F. Westenholz unterrichtet und zu einem anerkannten Virtuosen dieses Instrumentes herangebildet. Schon 1815 gehörte er der königl. Kapelle an und ertheilte nebenbei auch einen guten Clavierunterricht. Einige unwesentliche Compositionen für Pianoforte und für Oboe von ihm sind auch im Druck erschienen. Er starb am 1. Aug. 1841 zu Berlin. — Der andere Sohn Johann Heinrich's, Julius G., geboren am 25. Octbr. 1809, lernte frühzeitig bei seinem Vater Violoncello und beim Kammermusiker Lehmann Horn, wählte auch das letztere, auf dem er sich 1823 mit Beifall öffentlich hören liess, zu seinem Hauptinstrumente, gab es jedoch später aus Gesundheitsrücksichten wieder auf
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