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Scan 55
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1London, vorzüglich als Concertsängerin, hochgeschätzt, erwarb ihren Ruf besonders durch die treffliche Ausführung der ihrer Stimme entsprechenden Partthien in Händel'schen Oratorien, die sie unter des Meisters eigener Direktion sang.
3Frassini, Nathalie, eine treffliche und gewandte Coloratursängerin, geboren 1829 zu Mannheim als die Tochter des dortigen Concertmeisters Karl Joseph Eschborn (s. d.), der sie auch musikalisch ausbildete. Ihre höheren Gesangstudien machte sie in Florenz und Paris, woselbst ihr u. A. Rossini praktische Rathschläge ertheilte. Als sie 1850 ein Engagement am San Carlo-Theater in Neapel erhielt, italienisirte sie ihren Namen Eschborn in Frassini und trat unter letzterem Namen in Stuttgart, Hamburg, Berlin (im Mai 1858) und vielen anderen Operntheatern Deutschlands mit grossem Erfolge, zuletzt in Gotha auf, wo sie zur herzogl. Kammersängerin ernannt wurde. Hier verheirathete sie sich mit dem Herzog Ernst von Württemberg und nahm, von dem öffentlichen Leben zurückgezogen, ihren fernerer Aufenthalt in Wiesbaden. Hiernach ist auch die unter Eschborn gegebene irthümliche Notiz zu verbessern. Sie war im Besitz einer weichen, biegsamen, umfangreichen und wohlklingenden Sopranstimme von grossem Ausdrucksvermögen, und eine Bravour-sängerin von Rang. Auch ihr Vortrag und Spiel waren gewandt und lebendig. Die technische Behandlung und die Art der dramatischen Charakteristik erschienen von den Einflüssen der modernen italienischen Schule bestimmt, was ihr mehrfach zum Vorwurf gemacht wurde. Ihre Hauptparthien waren die Lucia, Amina (Nachtwandlerin), Isabella (Robert der Teufel), Constanze (Belmonte und Constanze) u. s. w.
5Frauenchor, ein mehrstimmiger, nur mit Frauen- oder, diesen entsprechend, mit Knaben-Stimmen besetzter Chor (s. d.). In der Regel ist er drei- oder vierstimmig, in jenem Falle gewöhnlich für zwei Soprane und einen Alt, in diesem für zwei Soprane und zwei Alte, und zwar tritt er entweder ganz selbstständig für sich auf oder in gemischten Chören als mit anderen Stimmencombinationen abwechselnde Gruppierung. In selbstständiger Verwendung dient er meist nur für kürzere Sätze, Chorlieder u. dergl., kann aber auch in den grösseren musikalisch-dramatischen Werken, durch die Situation bedingt, wirksam sein; im Uebrigen ist sein Kreis beschränkt, grosse Aufgaben darf man ihm nicht stellen. Denn sein Gesammtumfang ist nur klein, die gedrängte Lage und Klangähnlichkeit der Stimmen lassen eine kunstvolle und dabei klare Durchführung kaum zu, der Gesammtklang ist auf die Dauer monoton und dabei marklos, weil die sonore Gravität der männlichen Stimmen fehlt.
7Frauenlob, oder altdeutsch Vrouwenlop, Heinrich, der richtige und wirkliche Name, nicht der Beiname des sonst Heinrich von Meissen genannten alten deutschen Meistersingers. Um das Jahr 1260 zu Meissen geboren, übte er seine Dicht- und Singkunst lange an den nord- und süddeutschen Fürstenhöfen aus und liess sich etwa 1311 oder 1312 in Mainz nieder, wo er sich wahrscheinlich auch verheirathete. Dort soll er, wie die Meistersingerzunft geflissentlich durch Tradition forterben liess, als der heiligen Schrift Doctor die erste Meistersingerschule gegründet haben. Es haben gewiss schon früher Vereinigungen von Dichtern und Sängern stattgefunden, aber dieselben waren doch mehr zufällig, vorübergehend und ohne bestimmte Formen; dagegen mag F. allerdings einen Verein gegründet haben, dem er festere Formen gab, wenn auch nicht in der Weise, wie sie bei den späteren Meistersingern gefunden werden, und es mag also jene Sage dahin gedeutet werden, dass sich aus dem von F. gestifteten Vereine im Laufe der Zeiten, und zwar schon ziemlich bald, die eigentlichen Schulen der Meistersinger entwickelten. Diese zählen ihn übrigens überall zu den zwölf ersten Meistern, denen sie die Gründung ihrer Genossenschaft verdankten. Er war einer der fruchtbarsten Dichter in der Zeit von 1150 bis 1350. Obgleich ein grosser Theil seiner Gesänge verloren gegangen oder wenigstens noch nicht wieder aufzufinden gewesen ist, besitzt
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