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Scan 70
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1auszuführen sind. Da der gastfreie Haushalt des Fürsten unausgesetzt die ausgezeichneten Tonkünstler nach der kleinen schlesischen Stadt zog, und da der Besuch der Aufführungen der Kapelle Jedermann unentgeltlich frei stand, so ist nicht zu leugnen, dass von dort aus auch ein vortheilhafter Einfluss auf das Musikleben der ganzen Provinz vermittelte wurde. F.'s Munificenz überhaupt in allen künstlerischen Dingen war unbegrenzt und wurde von den Anhängern der von ihm begünstigten neuen Musikrichtung vielfach stark in Anspruch genommen. Aber alle diese Herrlichkeit endete wie mit einem Schlag und wurde bald beinahe zum Märchen, als der Fürst am 3. Septbr. 1869 kinderlos auf seinem Gute Polnisch-Nettkow in Schlesien starb und die Mitglieder der berühmten Kapelle nach allen Richtungen hin zerstoben. — F. selbst besass übrigens eine tiefere musikalische Bildung, die weit über das Maass gewöhnlicher Kunstkennerschaft hinausging. In seinen früheren Jahren ist er zudem ein vortrefflicher Sänger und ebenso Componist melodiöser und ausdrucksvoller Lieder gewesen, die zum Theil im Druck erschienen sind.
3Friedrich, der letzte Markgraf zu Brandenburg-Culmbach, gestorben 1771, war Virtuose und Componist auf der Flöte und als solcher ein Schüler des berühmten Döbbert. Kaum war er zur Selbstständigkeit gelangt, als er eine Kapelle von auserlesenen Sängern und Virtuosen gründete und bis zu seinem Tode unterhielt. Ausser einem grossartigen Opernhause errichtete er in Bayreuth eine Akademie der Musik, an welcher er selbst als Mitglied unter Döbbert's Direktorium Theil nahm. Von seinen Compositionen ist ein Lauten-concert mit Quartettbegleitung erhalten geblieben.
5Friedrich von Hausen, deutscher Minnesinger aus der letzten Hälfte des 12. Jahrhunderts, war vom Rheine gebürtig, begleitete den Kaiser Friedrich I., mit dem er in vertrauteren Verhältnissen gestanden zu haben scheint, nach Italien und auf dessen Kreuzzug nach Palästina, fand aber schon in dem Treffen bei Philomelium in Kleinasien 1190 seinen Tod. Viele seiner, die Minne und die Kreuzfahrt besingenden Lieder sind erhalten geblieben und zeigen bei ansprechenden Gedanken die Kunstform der höfischen Dichter in einem, noch hoffnungsvollen Entwickelungszustande.
7Friedrich von Sonnenburg oder Suonenburg, ein deutscher fahrender Sänger aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, in alten Liederhandschriften »Meister« genannt und daher wohl, trotz seines Namens, weder adelig, noch den eigentlichen Minnesingern zuzuzählen. Die Zahl seiner erhalten gebliebenen Gesänge ist ziemlich beträchtlich; sie beziehen sich theils auf die Fürsten und Höfe, die er auf seinen vielen Wanderungen besuchte und deren Kargheit gegen die Sänger und die Kunst er heftig tadelte, theils sind sie religiösen und beschaulichen Inhalts.
9Friedrich, E. Ferdinand, hervorragender deutscher Clavierspieler und fleissiger Saloncomponist, geboren 1816 zu Wiedrau bei Leipzig, erhielt in letzterer Stadt seine erste musikalische Ausbildung und kam dann zu einem mehrjährigen Aufenthalte nach Paris, wo er einigen Unterricht von Chopin erhielt. In den Jahren 1844 bis 1846 machte er einige Kunstreisen, ohne indessen grösseres Aufsehen zu erregen und liess sich 1847 in Hamburg nieder, wo er auf Bestellungen der Verleger hin eine grosse Reihe von modernen Clavierstücken besserer Art nach und nach schuf.
11Friedrich, Ignatz, Benedictinermönch und Violin- und Violoncellovirtuose, geboren 1719 zu Prag, entstammte der dortigen altadeligen Familie von Friedeburg und erhielt eine sorgfältige Erziehung, sowie den Musikunterricht des berühmten Johann Stamitz. Nach Vollendung seiner theologischen Studien wurde er Senior des Convents zu Wahlstadt in Schlesien und Chordirektor daselbst. Seine Virtuosität wurde auch von Friedrich dem Grossen in schmeichelhafter Art anerkannt. Als Componist italienisirte F. seinen deutschen Stammnamen in Pacemonti und soll zahlreiche Concerte und Parthien für seine Instrumente geschrieben haben, die aber verloren gegangen zu sein scheinen,
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