Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 221

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875

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1alt, nahm ihn Spohr in Kassel in seine besondere Obhut und ertheilte ihm unentgeltlichen Unterricht, wofür H. des Meisters jüngster Tochter Clavierlektionen gab. Auch der Unterweisung Hauptmann's in der Composition hatte er sich zu erfreuen. Den besonderen Empfehlungen Spohr's verdankte er die Stelle als erster Violinist in der königl. Kapelle zu Hannover und als Musiklehrer der sämmtlichen Kinder des Grafen von Platen-Hallermund. Er schloss sich ausserdem eng dem dortigen Hoforganisten und ausgezeichneten Pianisten Aloys Schmitt an und erreichte auch auf dem Pianoforte eine Vollkommenheit, die ihn beinahe dies Instrument zu erwählen bestimmt hätte. Bald nach Schmitt kam auch H. nach Frankfurt a. M. und zwar in das vom Kapellmeister Guhr trefflich geführte Theater- und Concertorchester. Der Umgang daselbst mit Ferd. Ries, Schnyder von Wartensee, Schelble u. s. w. kam H. aufs Beste zu statten und regte ihn u. A. zur Bildung eines Quartettvereins an, der erfolg-belohnte öffentliche Concerte gab und sich auch auf Kunstreisen mit grossem Beifall hören liess. Die unruhigen politischen Zeiten lösten 1831 endlich diesen Verein, dem auch H.'s Bruder Karl als Violoncellist angehörte, wieder auf und führten den einen Quartettgenossen hier-, den anderen dorthin, H. jedoch als städtischen Musikdirektor und Organisten der St. Marienkirche nach Lübeck. Dort wirkte er musikalisch aufs Wohlthätigste auf die Musikverhältnisse ein und begründete u. A. 1839 die grossen norddeutschen Musikfeste, welche abwechselnd in Lübeck, Schwerin, Rostock, Hamburg u. s. w. abgehalten wurden. Im J. 1844 erhielt H. den Ruf als fürstl. Hofkapellmeister nach Sondershausen, dem er folgte; ein hoher Aufschwung dieses Instituts datirt von der achtjährigen Tätigkeit H.'s auf diesem Posten her. Wiederholte ehrenvolle Anträge aber und die seinetwegen verbesserte Stellung zogen ihn 1852 wieder nach Lübeck zurück. Dort betheiligte er sich um 1856 auch als Mitdirektor und Dirigent am Stadttheater und führte daselbst mit grossem Beifall seine Opern »Toussaint de l'Ouverture« und »Barbarossa« auf. Von anderen seiner Opern erschien daselbst in jüngster Zeit noch »Das Johannisfeuer«, während »Die Walpurgisnacht« zur Aufführung vorbereitet wird. Auch sonst ist H. als Componist nach allen Seiten hin sehr productiv gewesen; er schrieb Sinfonien, Ouvertüren, Concerte, Octette, Quartette, Trios, grössere und kleinere Gesangssachen, von denen vieles durch den Druck und durch auswärtige Aufführungen weithin verbreitet wurde. Als ausgezeichneter Dirigent und Leiter von grossen Gesangvereinen bekannt und bewährt, nahm H. 1869 auch die Berufung als Direktor des Bachvereins in Hamburg an, die er jedoch der mit dem wöchentlichen Hin- und Herreisen verbundenen Strapazen wegen schon 1870 wieder aufgeben musste. Ueberhaupt hat sich H. als Lehrer, besonders auch des Gesanges, vielseitig mit Glück bewährt, und beschäftigt ihn gegenwärtig ausser seinen Töchtern, von welchen die Jüngste gleichzeitig ein hervorragendes Harfentalent besitzt, die weitere Fortbildung seiner hochbegabten Nichte Clara H. aus Sondershausen, welche 1874 das Conservatorium in Leipzig sehr ehrenvoll absolviert hat. Von H.'s regem Eifer und seltener Rührigkeit dürfte, trotz seines vorgerückten Alters, noch manche schöne That in der Kunst zu erwarten stehen.
3Herrmann, Karl Friedrich, gründlicher deutscher Tonkünstler, geboren 1786, und 1848 als Cantor in Greiz noch in Thätigkeit, gab bis 1845 mehrere theoretisch-musikalische Werke heraus und ebenso das Hiller'sche Choralbuch, welches er mit Zwischenspielen versehen hatte.
5Herschel, Friedrich Wilhelm, der grosse und berühmte Astronom, war zugleich ein guter Musiker, der sich durch die Kunst erst seinen Weg zum Firmamente bahnen musste. Geboren am 15. Novbr. 1738 zu Hannover als der Sohn eines Musikers, wurde er vom Vater zu gleicher Beschäftigung an-gehalten, was H. jedoch nicht hinderte, nebenbei noch Mathematik und Sprachen zu treiben. Im 14. Jahre trat er bei einem Regiment als Hautboist ein und ging 1757, um sich in der Musik besser ausbilden zu können, nach London.

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