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Scan 328
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875
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1gesetzt, erscheinen in sofern als Nebensache, und werden daher gewöhnlich mit kleinerer Schrift notirt. Allein man sieht leicht ein, dass sie im Sinne eines Tonstückes wesentlich bedeutsam sein können, — und nur deswegen dürfen die anderen Töne wesentlich genannt werden, weil sie zu der natürlichen Grundlage des Ganzen, der Harmonie, gehören; daher man jene Töne ebenfalls mit grösseren Noten aufgezeichnet findet, und besonders in den Werken neuerer Zeit, wo sie mehr mit Bedeutung, zu bestimmtem Zwecke, gesetzt werden, während sie in älteren Werken (namentlich vor C. P. E. Bach und Jos. Haydn) mehr willkürlich, als »Agrémens«, als beiläufige Ausschmückungen, erscheinen« (Marx, »Compositionslehre«, I. 299). Die H. sind, wie die Durchgänge, diatonisch oder chromatisch, je nachdem sie in der im Ohre liegenden Tonart leitereigen oder leiterfremd (s. d.) sind. Die diatonischen H. können von ihrem Haupttone eine ganze Tonstufe abstehen; die chromatischen dagegen dürfen von ihm nur um eine Halbtonstufe entfernt sein. Jeder Hülfss- oder Nebenton muss aber in seinen Hauptton fortschreiten. Solche H. kann man zu jedem Tone einer Melodie oder eines Accordes, in jeder Stimme und auch in mehreren oder allen Stimmen gleichzeitig auftreten lassen; sie können auf leichter oder (als Wechselnoten, s. d.) auf schwerer Taktzeit erscheinen und beliebig längere oder kürzere Dauer haben; sie können direkt in ihren Hauptton fortschreiten oder (bei Brechungen u. dergl.) von ihm durch eingeschobene Haupt- oder Nebentöne getrennt sein; sie können in wesentliche Töne umgewandelt werden u. dergl. mehr. Hieraus ergiebt sich, dass durch ihre Anwendung die allerverwickeltsten Zusammenklänge entstehen können (s. Beisp. II. S. 592 ff., III. S. 290 und an anderen Orten). Diese Zusammenklänge könnte man wohl Hülfssaccorde (s. d.) nennen; man zählt sie aber zu den zufälligen Dissonanzen und bezeichnet sie als durchgehende Accorde, Scheinaccorde, Mischaccorde, uneigentliche Accorde u. s. f. — Weiteres findet man noch unter Consonanz (II. S. 592), Nebentöne, Tonverwandtschaft und an anderen dort namhaft gemachten Stellen dieses Werkes.
3O. Tiersch.
5Hülfssstimmen nennt man in der Fachsprache des Orgelbaues diejenigen Manualstimmen, welche gradfüssig kleiner als 2,5 Meter, und im Pedal diejenigen Stimmen, welche gradfüssig kleiner als 5 Meter sind, weil dieselben in Verbindung mit den Quint- und Terzstimmen den Grundton verstärken, ihn mehr hervorheben.
7Hüllmandel, Nicolaus Joseph, Claviervirtuose und Componist für sein Instrument, geboren 1751 zu Strassburg, war der Neffe des berühmten Hornisten Rudolph und liess sich in Hamburg von Phil. Eman. Bach vollends musikalisch ausbilden. Im J. 1775 besuchte er Mailand und das übrige Italien, ein Jahr später Paris, wo er sich auf dem Clavier und der Harmonica hören und als Musiklehrer der feinen Welt fesseln liess. Nach einem Ausfluge nach London, 1787, verheirathete er sich mit einer reichen Französin, wurde aber 1790 durch seine Verbindungen mit dem königl. Hof und Adel verdächtig und musste seiner Sicherheit wegen nach London fliehen, während seine Güter eingezogen wurden. Die Existenzfrage trieb ihn dort wieder zur Ertheilung von Unterricht und zur Composition, und selbst als er vom ersten Consul seine Güter zurück erhielt, blieb er in London, zog sich aber ganz von der Oeffentlichkeit zurück und starb 1823. Er hat Sonaten für Clavier, für Clavier und Violine, für Clavier, Violine und Violoncello, ferner Variationen, Divertissements u. dergl. componirt und veröffentlicht.
9Hüllweck, Ferdinand, bedeutender Violin- und vortrefflicher Quartettspieler, geboren am 8. Octbr. 1824 zu Dessau, erhielt in seiner Vaterstadt eine tüchtige musikalische Ausbildung, namentlich auch, und zwar durch Friedr. Schneider, in der Harmonielehre und Composition. Schon 1844 wurde er als erster Violinist in die königl. Kapelle zu Dresden gezogen, in welcher Stellung er sich noch gegenwärtig befindet. Ausserdem wirkt er als Lehrer seines
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