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Scan 339
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875
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1aber gemangelt haben. — Sein Sohn und Schüler, Konrad Friedrich H., geboren 1696 zu Braunschweig, empfing seine höhere musikalische Ausbildung seit 1714 in Hamburg und zwei Jahre später in Wien. Hier fehlte es ihm nicht an tonkünstlerischer Anregung, und noch ehe er 1718 seine Kunstreise nach Italien antrat, zählte er schon zu den fertigsten Clavierspielern seiner Zeit. Während seines an Ehren reichen dreijährigen Aufenthalts jenseits der Alpen verfasste er u. A. eine Abhandlung über die Harmonie, welche er aber erst 1726 in Braunschweig vollendete. Von Italien aus besuchte er 1721 zunächst München, wo man ihn nach mehreren Concerten am Hofe vergebens zu fesseln suchte, dann das übrige Deutschland. In Folge seiner Oper »L'inno-cenza difesa« wurde er 1722 als Hofkapellmeister und Organist nach Stockholm berufen; da man ihm aber die letztere Stelle schliesslich vorenthielt, so reiste er 1725, nachdem er noch die Oper »Armenio« vollendet und aufgeführt hatte, nach Braunschweig zurück. Ein Jahr später folgte er einem Rufe nach Bai-reuth, sodann nach Dresden als Kapellmeister, gefiel sich aber in beiden Stel-lungen nicht und siedelte 1727 nach Hamburg über, wo er als Musiklehrer privatisirte und fleissig componirte, so u. A. Cantaten und Festmusiken, die Oper »Flavio Cuniberto«, zahlreiche Gesänge, aber auch viele Instrumentalsachen, namentlich für Clavier, Orgel u. s. w. Eine Stelle als Organist der dortigen St. Petrikirche, die ihm 1735 winkte, lehnte er ab, da er weder die gebräuchliche Probe spielen, noch die Wahlherren um ihre Stimme besonders ansprechen wollte. Dagegen nahm er um 1738 das Organistenamt an der reformirten Kirche in Amsterdam an. Am Leben war er dort noch 1762, aber schwer geplagt vom Chiragra, so dass er kein Amt mehr versah. Ein Choralbuch und mehrere Claviercompositionen sind die einzigen Arbeiten von ihm, welche in Holland erschienen. H. war ein zierlicher Clavier- und guter Orgelspieler, auch als Componist nicht ohne Talent und Erfindung, allein sein fahriges, dennoch mit grossem Selbstbewusstsein gepaartes Wesen hat ihn nur ausnahmsweise über eine beklagenswerth oberflächliche Behandlung hinauskommen lassen.
3Hurtado, Tomás, musikgelehrter spanischer Priester, geboren 1589 zu Toledo, verfasste als Canonicus des dortigen Minoritenordens die Abhandlung: »De chori ecclesiastici antiquitate, necessitate et fructibus«. Er starb als Präpositus seines Ordens 1659 zu Sevilla.
5Hus-Desforges, Pierre Louis, einer der ausgezeichnetsten französischen Violoncellovirtuosen und geschmackvoller Componist für sein Instrument, geboren am 14. März 1773 zu Toulon, war von mütterlicher Seite her ein Enkel des berühmten Violinisten Jarnowich. Mit acht Jahren kam er als Chorknabe an die Kathedrale von La Rochelle und erhielt einen guten musikalischen Unterricht. Im J. 1792 trat er als Trompeter in ein Jägerregiment und machte die ersten Revolutionskriege mit. Vier Jahre später nahm er eine Violoncellistenstelle im Orchester des Theaters zu Lyon an, ging aber bald darauf auf das eben gegründete Pariser Conservatorium, wo er bei Janson dem Aelteren die höheren Violoncellostudien machte und gleichzeitig im Orchester des Théâtre des troubadours wirkte. Ende 1800 reiste er als Orchesterchef einer französischen Schauspielergesellschaft mit nach St. Petersburg, wo er mehrere Jahre verblieb. Seit 1810 befand er sich auf Concertreisen in den französischen Provinzen und nahm 1817 wieder seinen bleibenden Aufenthalt in Paris, wo er als erster Violoncellist in das Orchester des Theaters der Porte St.-Martin trat. Im J. 1820 errichtete er in Metz eine Musikschule, die jedoch nicht prosperirte, weshalb er bald nach Paris zurückkehrte und dort anfänglich privatisirte. Endlich, 1828, trat er als Orchesterchef zum Theater des Gymnase dramatique, legte aber diese Stelle nothgedrungen schon 1829 wieder nieder, da man ihn als den Direktionspflichten nicht gewachsen erklärte. Er nahm hierauf die Stelle eines Musiklehrers an der Schule zu Pont-le-Voy bei Blois an und starb als solcher am 20. Jan. 1838. Seine ehemals in Frankreich sehr
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