Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875 › scan 359
Scan 359
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875
6 lines. Read by computer on 17 September 2026. Printed page 353. See the scan on archive.org.
1kennung fanden; seine Bethätigung als Sänger und Pianist öffnete ihm zugleich einflussreiche Kreise, und endlich errang er mit seinem ersten gestochenen Gesangwerke einen entschiedenen Erfolg. Dies Ereigniss brachte in J. den schon längst emporgewachsenen Entschluss, die theatricalischen Bestrebungen aufzugeben und die musikalische Laufbahn zu betreten, zur vollen Reife. Als Concertsänger mit Beifall aufgenommen, zählte J. bald zu den gesuchten, und in nicht langer Zeit zu den ersten Gesanglehrern Berlins. Als solcher bis jetzt noch rüstig wirkend, hat er über 900 Schüler und Schülerinnen privatim unterrichtet; auch Prinzessin Louise von Preussen, die Tochter des Prinzen Karl, zählte dazu von 1849 bis 1852; zugleich war er am Hofe dieses Prinzen bis 1856 als leitender Musiker und Sänger bei Festlichkeiten thätig.
3Im Novbr. 1845 begründete J. einen Gesangverein, welchem er 25 Jahre hindurch bis Decbr. 1870 als Director vorstand. Der »Jähns'sche Gesangverein« widmete sich in seinem fein geschulten gemischten Chore den Werken der besten Meister geistlicher und weltlicher Musik. Im Hause des verewigten Schinkel ins Leben getreten, hatte derselbe das Glück, seine Versammlungen und Uebungen fast ausschliesslich im Laufe seines Bestehens nach und nach in den schönen Sälen vier verschiedener königl. Ministerien halten zu dürfen. — Neben den Erfolgen seiner Lehrer- und Dirigententhätigkeit hat J. deren nicht minder als Componist aufzuweisen. Im Stich erschienen von ihm von 1829 bis jetzt über 130 ein- und mehrstimmige Gesänge (darunter mehrere Kirchensachen), ferner 1834 ein grosses Trio für Piano, Violine und Cello, ein melodisch und harmonisch frisches und glänzendes Werk, op. 10 (Berlin, Schlesinger), an welchem sich 1835 einer der seltenen literarischen einfachen Diebstähle vollzog, insofern dasselbe in Paris, gänzlich unverändert in Partitur und Stimmen, unter folgendem Titel herauskam: »1er Trio concertant pour Piano, Violon et Violoncello dédié à son ami Mr. Henri de Limay par Charles Merz«, op. 34. Ferner erschienen von J.: »Grosse Sonate« für Pianoforte und Violine, op. 32 (Meyerbeer dedicirt; Wien, Haslinger); »Grosses Duo« für Pianoforte und Cello, op. 33 (ebendas.); »4 Pièces caractéristiques« für Pianoforte, op. 29 (ebendas.); »Heeres-Auszug und Heimkehr«, zwei deutsche Festmärsche für Pianoforte zu vier Händen auf das Jahr 1871, op. 49 und 50 (Berlin, Schlesinger) und andere Pianofortewerke kleineren Umfangs. — Ungedruckt blieben bis jetzt eine namhafte Anzahl von Gesängen und Pianoforte-Compositionen, unter denen die zu vier Händen von hervorragendem Werthe — alles Arbeiten hauptsächlich aus den späteren Jahren bis zur Gegenwart und Belege einer immer frischen Arbeitskraft und nie erlöschen der Freude am Schaffen.
5Eine ausgezeichnete Stelle nimmt J. als Arrangeur ein; er bearbeitete als solcher u. A. Spontini's »Borussia« und »Festmarsch« für Pianoforte zu vier Händen; das Bedeutendste aber in dieser Richtung leistete er in den vierhändigen Pianoforte-Arrangements Weber'scher Werke, welche in ihm ihren verständnissvollsten Interpreten gefunden haben. Dahin gehören die derartigen Bearbeitungen der vier grossen Pianoforte-Sonaten op. 24, 39, 49 und 70; des grossen Trios op. 63, des zweiten grossen Clavier-Concerts in Es, der grossen Messe No. I in Es, wie der Ouvertüren zu »Freischütz« und »Preciosa«. Auch ist hier seiner kritischen Neu-Ausgaben, der von 100 Weber'schen Liedern und der neuen vollständigen Clavierrauszüge von »Oberon« und »Preciosa« (sämtlich Berlin, Schlesinger) zu gedenken. — Dem Meister Weber ist denn auch ganz vorzugsweise J.'s schriftstellerische Thätigkeit gewidmet, deren Hauptwerk von der Kritik des In- und Auslandes als eine musterhafte Arbeit von grossem und dauerndem Werthe einstimmig anerkannt wurde. Es ist dies der gegen 500 Seiten starke Band, betitelt: »C. M. von Weber in seinen Werken. Chronologisch-thematisches Verzeichniss seiner sämtlichen Compositionen nebst Angabe der unvollständigen, verloren gegangenen, zweifelhaften und untergeschobenen, mit Beschreibung der Autographen, Angabe der Aus-
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.