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Scan 514
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875
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1gesänge, sowie Lieder für eine Singstimme mit Pianoforte componirt. — 4) Louis Antoine J., der bemerkenswertheste dieses Namens, s. den folgenden Artikel. — 5) Nicolas J., um 1780 als Violoncellist im Orchester der Italienischen Oper zu Paris angestellt, gab daselbst von seiner Composition Arietten für zwei Violoncelli heraus. — 6) Paul J., ein ausgezeichneter, zu den höchsten Hoffnungen berechtigender Violinvirtuose, geboren am 12. Febr. 1841 zu Brest, erhielt seine höhere musikalische Ausbildung auf dem Conservatorium zu Paris und erregte als jugendlicher Concertspieler grosses Aufsehen. In den Jahren 1853 bis 1857 bereiste er überaus erfolgreich Amerika, worauf er sich mit bereits angegriffener Gesundheit wieder in Frankreich hören liess. Leider starb er schon am 7. März 1860 zu Paris. — 7) Pierre J., der älteste dieses Namens, geboren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu Carpentras, ist der Verfasser einer Singschule, welche unter dem Titel »Le vrai chemin pour apprendre à chanter toute sorte de musique« (1570) erschienen ist.
3Julien, Louis Antoine, häufiger, aber unrichtig Jullien geschrieben, ein rastlos industrieller, jedoch sehr begabter und kenntnissreicher französischer Componist, Dirigent und musikalischer Unternehmer, wurde am 23. April 1812 zu Sisteron im Departement der Nieder-Alpen geboren. Sein Vater, ein Regimentsmusiker, unterrichtete ihn auf der Flöte und auf anderen Blasinstrumenten. Wie ein Kind des Regiments in der Kaserne erzogen, begann J. seine Musikerlaufbahn als Piccolflötenbläser im Musikcorps, dem sein Vater angehörte. Ein und zwanzig Jahre war er alt, als er im Octbr. 1833 im Pariser Conservatorium Aufnahme fand, wo er bei Lecarpentier Clavierspiel, bei Halévy Composition studirte und bei Cherubini mit dem Contrapunkt begann. Statt der ihm aufgegebenen Arbeiten im strengen Satz, gefiel es ihm, dem letzteren allerhand Walzer, Galoppaden und Contretänze vorzulegen, wodurch er den gestrengen Direktor so erregte, dass derselbe endlich 1836 J.'s Ausschluss aus der Anstalt beantragte und durchsetzte. J. verständigte sich nun mit dem Besitzer des Jardin turc, der ihn als Dirigent von sogenannten Ball-Concerten anstellte, die ihrer marktschreierischen aber originellen Programme wegen ungeheures Aufsehen machten und allabendlich ein zahlreiches Publikum anlockten. J. entwickelte damals, und in immer gesteigerter Weise im Verlaufe seiner weiteren Dirigenten- und Componistenthätigkeit, einen Reichthum an genialen, extravaganten und auf das grosse Publikum berechneten Einfällen, der bewundernswerth genannt werden muss; im Grunde aber war er hinreichend Künstler, um das Schöne, das er oft genug den Massen gegenüber verläugnen musste, zu schätzen und hoch zu halten.
5Seinen reichen Einnahmen gegenüber kannte aber auch seine Verschwendung keine Grenzen, und schon 1838 sah er sich auf dem Punkte, wegen seiner ungeheuren Schulden eingekerkert zu werden. Diesem Ungemach entzog er sich durch seine Flucht nach London, wo er seine Concertunternehmungen sofort wieder aufnahm und in wahrhaft tollkühner Art mit wechselndem Glück betrieb. Jedenfalls hat er eine Popularität ohne Gleichen in England erlangt, die sich auf seine Hunderte von Potpourris, Quadrillen, Walzer, Polkas, Märchen übertrug, welche in ihrer Gestalt, ihrem Titel oder dem beigegebenen Programm immer etwas Absonderliches zur Schau trugen. Er schuf die sogenannten »Promenadenconcerte«, deren Eintrittspreis nur einen Schilling betrug, wofür ein nummerreiches Programm abgespielt und jedem Besucher erläuternde und belehrende Schriften zugegeben wurden. Ebenso hielt er ein sehr starkes, brillant bezahltes und sorgfältig eingeübtes Orchester, dessen Zusammenspiel den höchsten Genuss bot, und wusste die berühmtesten Virtuosen wie Sivori, Vieuxtemps, Sainton, Camilla Pleyel u. s. w. zur Mitwirkung in seinen Concerten heranzuziehen. In der Direktion, in der Entwicklung instrumentaler Feinheiten und in der Zusammenhaltung der grössten Massen zeigte J. ein aussergewöhnliches Geschick und wusste durch sein Organisationstalent die Engländer jahrelang und auf einer überseeischen Kunstreise 1853 bis 1854 auch
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