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Scan 104
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
7 lines. Read by computer on 15 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 98. See the scan on archive.org.
1durch Leiter oder Treppe zu verdeutschen haben, ist eine theilweise veraltete Benennung für eine in der poetischen Ausdrucksweise vorkommende Wortverbindung, die fast gleiche Begriffe in Vereinigung bringt und sich als Wortfigur, in der der folgende Begriff stets eine Steigerung des ersten bieten muss, ansehen lässt, z. B. »Rühmet und lobet«, »singet und jauchzet« u. s. w. In der Musik wendet man diesen Ausdruck ebenfalls für Tonfiguren an, und zwar für solche von oft scheinbar sehr verschiedener Art, wenn man die äussere Anordnung der Töne als Merkmale ansieht. Beachtet man jedoch den Eindruck der Töne auf den Hörer, so wird Jedem die Uebereinstimmung aller K. genannten Tonfiguren einleuchten, selbst wenn deren Einzelngestaltungen hier nicht näher beschrieben: eine Steigerung des Gefühls muss dieselbe erzeugen. Zwei Stimmen z. B., die, stets terzenweise sich bewegend, immer höher gehen, sowie melodische Motive, welch nacheinander immer um einen Ton höher erscheinen, also auch der mehrstimmige Kanon, dessen Einsätze in dieser Weise erfolgen, bilden die bemerkenswerthesten Arten einer K. Näheres findet man noch in J. G. Ahlen’s »Sommer-Gesprächen« p. 17 und »Joach. Thuringi Opusc. Bipart.« P. 2, c. 18, sowie in dem Artikel: Gradation.
3Klimpern bedeutet im Allgemeinen, leichte Musikstücke ohne Ausdruck oder mühsam herunterzuspielen. Man gebraucht den Ausdruck im verächtlichen Sinne gegenüber der ungeschickten Behandlung besonders der Tasten- und derjenigen Saiteninstrumente, welche mit den Fingern gerissen oder mit dem Plektrum geschlagen werden, also des Claviers, der Harfe, Guitarre, Zither u. s. w.
5Klindworth, Karl, vorzüglicher deutscher Tonkünstler, geboren am 25. Septbr. 1830 in Hannover, zeigte schon früh eine so entschiedene Neigung und Beanlagung zur Musik, insbesondere zum Violinspiel, dass seine Eltern ihn bei den besten Lehrern der Stadt ausbilden liessen, unter deren Leitung — zuletzt unter der des Concertmeisters Lübeck — er sich auf diesem Instrument eine Virtuosität erwarb, die ihm erlaubte, sich mehrfach öffentlich mit Auszeichnung in seiner Vaterstadt hören zu lassen. Schon im 17. Jahre indessen gewann der Musiker bei ihm die Oberhand: er nahm die Kapellmeisterstelle bei einer reisenden Operngesellschaft an und dirigirte während zwei Jahren alle möglichen grossen und kleinen Opern in Liegnitz, Göttingen u. s. w., zuletzt den »Propheten« auf einem Sommertheater in Hannover, bevor noch diese Oper im dortigen Hoftheater zur Aufführung gelangt war. Bei allen Vortheilen für die musikalische Praxis empfand jedoch K. auch die Hindernisse, welche ein derartig zersplitterndes Leben seiner ferneren Ausbildung entgegengesetzte, und entschloss sich in Folge dessen in Hannover zu bleiben, wo er freilich darauf angewiesen war, sich seinen Lebensunterhalt auf mühselige Weise durch Unterrichtgeben zu erwerben. Die Bekanntschaft mit Fr. Liszt, die er bei Gelegenheit einer Concertreise mit dem hannöver’schen Violoncellisten Lindner machte, und die liebevolle Theilnahme des Meisters für seine Leistungen auch als Pianist und Componist veranlassten ihn, anfangs der 1850er Jahre nach Weimar überzusiedeln und sich dort — gleichzeitig mit H. von Bülow, W. Mason und D. Pruckner — ausschliesslich dem Clavierspiel zu widmen. Im J. 1854 ging K. nach London, wo er in erfolgreicher Thätigkeit als Solist, Dirigent und Lehrer bis 1868 verweilte; insbesondere waren es die von ihm dirigirten Orchester-Concerete sowie die mit Blagrove und Daubert veranstalteten Soiréen für Kammermusik, welche ihrer interessanten Programme und ungewöhnlich gediegenen Ausführung wegen K.’s Stellung in der englischen Hauptstadt befestigten. Hier auch machte er im J. 1855 die Bekanntschaft Rich. Wagner’s, welcher zur Direktion der alten Philharmonischen Gesellschaft berufen war, und begann um dieselbe Zeit die Bearbeitung von dessen »Ring des Nibelungen«, deren Vollendung erst zwanzig Jahre später erfolgen sollte. Gegenwärtig wirkt K. in Moskau, wohin er im J. 1868 durch Anton Rubinstein als Professor des Clavierspiels am Conservatorium der Musik berufen wurde. — Unter den durch den Druck veröffentlichten Compositionen one of two readings
6Klindworth, Karl, vorzüglicher deutscher Tonkünstler, geboren am 25. Septbr. 1830 in Hannover, zeigte schon früh eine so entschiedene Neigung und Beanlagung zur Musik, insbesondere zum Violinspiel, dass seine Eltern ihn bei den besten Lehrern der Stadt ausbilden liessen, unter deren Leitung — zuletzt unter der des Concertmeisters Lübeck — er sich auf diesem Instrument eine Virtuosität erwarb, die ihm erlaubte, sich mehrfach öffentlich mit Auszeichnung in seiner Vaterstadt hören zu lassen. Schon im 17. Jahre indessen gewann der Musiker bei ihm die Oberhand: er nahm die Kapellmeisterstelle bei einer reisenden Operngesellschaft an und dirigirte während zwei Jahren alle möglichen grossen und kleinen Opern in Liegnitz, Göttingen u. s. w., zuletzt den »Propheten« auf einem Sommertheater in Hannover, bevor noch diese Oper im dortigen Hoftheater zur Aufführung gelangt war. Bei allen Vortheilen für die musikalische Praxis empfand jedoch K. auch die Hinder nisse, welche ein derartig zersplitterndes Leben seiner ferneren Ausbildung entgegengesetzte, und entschloss sich in Folge dessen in Hannover zu bleiben, wo er freilich darauf angewiesen war, sich seinen Lebensunterhalt auf müh selige Weise durch Unterrichtgeben zu erwerben. Die Bekanntschaft mit Fr. Liszt, die er bei Gelegenheit einer Concertreise mit dem hannöver’schen Violoncellisten Lindner machte, und die liebevolle Theilnahme des Meisters für seine Leistungen auch als Pianist und Componist veranlassten ihn, anfangs der 1850er Jahre nach Weimar überzusiedeln und sich dort — gleichzeitig mit H. von Bülow, W. Mason und D. Pruckner — ausschliesslich dem Clavierspiel zu widmen. Im J. 1854 ging K. nach London, wo er in erfolgreicher Thätigkeit als Solist, Dirigent und Lehrer bis 1868 verweilte; insbesondere waren es die von ihm dirigirten Orchester-Concer te sowie die mit Blagrove und Daubert veranstalteten Soiréen für Kammermusik, welche ihrer interessanten Programme und ungewöhnlich gediegenen Ausführung wegen K.’s Stellung in der englischen Hauptstadt befestigten. Hier auch machte er im J. 1855 die Bekanntschaft Rich. Wagner’s, welcher zur Direktion der alten Philharmonischen Gesellschaft berufen war, und begann um dieselbe Zeit die Bearbeitung von dessen »Ring des Nibelungen«, deren Vollendung erst zwanzig Jahre später erfolgen sollte. Gegenwärtig wirkt K. in Moskau, wohin er im J. 1868 durch Anton Rubinstein als Professor des Clavierspiels am Conservatorium der Musik berufen wurde. — Unter den durch den Druck veröffentlichten Compositionen one of two readings
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