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Scan 154
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
8 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 148. See the scan on archive.org.
1»Vereins zur Beförderung der Tonkunst in Böhmen« ernannt. Mit gleichem Glücke spielte Mary K. zwei Monate darauf in Baden-Baden. Ein Virtuosen-concert, am 31. Jan. 1870 von Bilse in Berlin veranstaltet, war das erste Reiseziel jenes Jahres, bei welcher Gelegenheit der Künstlerin die Einladung wurde, zur Feier des Geburtstages der Prinzessin Karl im königl. Familienkreise sich hören zu lassen. Von da aus reiste sie zu Concerten nach Frankfurt a. M., Kassel, Breslau u. s. w., spielte dann mit seltenem, sogar durch Serenade mit Fackelzug ausgezeichnetem Erfolg in sieben verschiedenen Städten Hollands, und am 13. März zum ersten Mal in Brüssel. Im Octbr. 1870 reiste sie in Begleitung ihrer Mutter nach den Vereinigten Staaten, um dort hauptsächlich in den Concerten von Thomas zu spielen. Erst Ende Juni 1872 kehrte sie nach Deutschland zurück. Den Sommer meist im elterlichen Kreise verlebend, benutzt sie seit der Zeit den Winter zu Kunstausflügen; während der Saison weilt sie in London, immer neue Lorbeeren erntend. Mary K. ist unbestritten eine der ersten jetzt lebenden Pianistinnen. Vollständige Beherrschung der Technik und des geistig-musikalischen Inhaltes der gesammten Clavierliteratur zeichnen sie aus. Ihre Kraft und Ausdauer ist ebenso gross, wie der Schmelz und Duft ihres dennoch mit durchsichtigster Klarheit hingehauchten Pianissimos. Dabei wird die Künstlerin von einem wunderbaren Gedächtniss unterstützt, welches sie befähigt, alle ihre Vorträge auswendig zu spielen.
3Krebskanon, s. Kanon. — Krebsgängig oder cancrinisch (vom latein. cancer, d. i. Krebs), Alles, was rückwärts gelesen, gespielt oder gesungen werden muss oder werden kann. — Krebsmenuett (ital.: Minuetto al rovescio) heisst ein Menuett, das unbeschadet einer geordneten Melodie und Harmonie vor- und rückwärts gespielt werden kann. Die Vorschrift »riverso« am Schlusse des Stücks zeigt gewöhnlich an, dass von der bezeichneten Stelle wieder zurückgespielt werden soll.
5Kreib, Johann Konrad, deutscher Componist und Dirigent, geboren am 15. Aug. 1722 zu Gotha, war daselbst ein Musikschüler Georg Benda’s und bildete sich in Berlin und Dresden noch weiter aus. Von letzterer Stadt aus erhielt er 1765 einen Ruf als Kapellmeister des Fürsten Friedrich Albrecht von Bernburg und gründete als solcher die Hofkapelle in Ballenstädt, für welche er Kirchenstücke, Sinfonien, Clavier- und Violinconcerte, Quintette, Quartette, Trios für verschiedene Instrumente u. s. w. schrieb. In diesem Amte starb er am 25. Octbr. 1780. — Sein Sohn, Benjamin Felix Friedrich K., geboren am 3. April 1772 zu Ballenstädt, erhielt, früh verwaist, eine gute Gymnasialbildung in Bernburg, um sich zum Studium der Rechte vorzubereiten; sein musikalisches Talent bewog aber den kunstsinnigen Fürsten Friedrich Albrecht, ihn schon 1787 als Violinisten in der Hofkapelle anstellen und ihn auf der Violine und in der Composition von Rust und Agthe gründlich weiterbilden zu lassen. Nach dem Abgange Wessely’s wurde er dessen Nachfolger als Concertmeister und bei dem Regierungsantritte des Herzogs Alexander Karl 1834 zum Hofkapellmeister ernannt, in welcher Stellung er noch eine Reihe von Jahren wirkte. Von seinen Compositionen sind Violinsachen und mehrere Concerte für verschiedene Instrumente im Druck erschienen.
7Kreibich, Franz, auch Kreibig geschrieben, ausgezeichneter Violinvirtuose und Dirigent, geboren 1728 zu Zwickau bei Kamnitz in Böhmen, erregte um 1750 als Violinist in Wien das grösste Aufsehen, sodass fremde Meister eigens dahin kamen, um ihn zu hören. Auch als Vorspieler im Orchester war er unvergleichlich und erhielt wegen dieses Vorzugs 1770 den Titel eines kaiserl. Kammermusikdirektors. Kaiser Joseph schätzte ihn so sehr, dass er ihn täglich vor sich in seinem Cabinette spielen liess. Was K.’s Direktionskunst betrifft, so heisst es im »Jahrbuche der Tonkunst« von 1796: »Wenn er sein Orchester dirigirt, dann sind alle Bögen nur ein Bogen, alle Töne nur ein Ton, und alles scheint von gleichem Feuer belebt zu sein. Da geht nicht die kleinste Nuance verloren, das unmerklichste Piano schwebt in der genauesten
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