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Scan 165
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
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1auch nicht immer eigenthümlich, redete deren Inhalt keine durchaus gewählte Sprache, so erschienen sie doch annehmbar und dadurch, dass sie die von der Theorie aufgestellten Gesetze respectirten, schätzenswerth. In den Empfindungen ungezwungener Heiterkeit, gemüthvoller Innigkeit und einer Weichheit, die von falscher Sentimentalität fern genug war, um nicht unangenehm aufdringlich zu werden, ist K. von jeher heimisch gewesen; seine Feder erlahmte jedoch, wenn es erschütternden Ernst und grosse Leidenschaften galt. In dieser Weise begabt, musste ihm vorzugsweise das lyrische Gebiet der Tonkunst, die Liedform zusagen, und da er hier in Melodien und Harmonien sich erging, welche das Volk leicht auffasste und wohl verstand, da dieselben seinem Denken und Fühlen trefflich entsprachen, so ist es erklärlich, dass er, noch dazu in der Periode des aufblühenden Männergesangvereinswesens, der gefeierte Liebling der deutschen Nation wurde und in zahlreichen Chorgesängen unvergessen geblieben ist. Dagegen sind seine einstimmigen Lieder trotz ihrer lieblichen Einfalt und Innigkeit wieder zurückgetreten, da sie durch die Produkte anderer Meister überflügelt worden sind. Von seinen zahlreichen theatralischen Arbeiten hat sich nur die Oper »Das Nachtlager in Granada« und die Musik zu Raimund’s sinnigem Volksmärchen »Der Verschwender« lebendig erhalten, und in diesen Werken hält auch seine lyrische Begabung ungekünstelt und durchweg erfreulich vor und wirkt in einschmeichelnder Frische. Seine Kirchen-, Kammermusik- und Claviercompositionen dagegen haben ihre Zeit nicht überdauert, da sie, obwohl glatt und geschickt gearbeitet, der Vertiefung und Originalität entbehren.
3Kreutzer, Rudolph, ausgezeichneter Componist und einer der tonan-gebenden Meister des Violinspiels, wurde am 16. Novbr. 1766 zu Versailles von deutschen Eltern geboren. Sein Vater, Mitglied der königl. französischen Kapelle, begann schon früh, ihn musikalisch zu unterrichten, und als K., fünf Jahre alt, die Unterweisungen von Anton Stamitz im Violinspiel erhielt, machte er erstaunliche Fortschritte. Zwölf Jahre alt, trat er unter Beifall öffentlich auf und spielte kaum ein Jahr später im Concert spirituel zu Paris ein Violin-concert seiner eigenen Composition, das, wie nicht minder der jugendliche Virtuose selbst, die Kenner wie das Publikum in Bewunderung versetzte. Und dennoch war er und blieb noch lange in der Tonsetzkunst nur Autodidakt. Als solcher gab er 1784 sechs Duos für Violine und Violoncello von seiner Composition heraus. Immer mehr fortschreitend in seiner virtuosischen Ausbildung, deren Hauptförderer direkt oder indirekt Viotti war, und fleissig componirend, erreichte K. sein 24. Lebensjahr und wurde nun im Orchester des Théâtre italien (der nachmaligen Opéra comique) angestellt. Hier fand er Gelegenheit, seinen glühenden Wunsch, sich auch der Operncomposition widmen zu dürfen, erfüllt zu sehen, und da seine Erstlingsoper »Jeanne d’Arc« (1791) gefiel, so versahen ihn die damals renommirten dramatischen Textdichter fleissig mit Büchern, von denen »Paul et Virginie« (1792), »Lodoisca«, »Charlotte et Werther«, »Le franc Breton«, »Le déserteur de la montagne de Hamm«, »Le siège de Lille« mit K.’s Musik einen zum Theil nicht unerheblichen Erfolg hatten. Seit 1796 pausirte er mit der Operncomposition und reiste nach bei Campo Formio abgeschlossenem Frieden nach Italien und von dort nach Deutschland und den Niederlanden, wo er sich allenthalben in seltener Art gefeiert sah. Sofort nach seiner Rückkehr erhielt er Anstellung am Pariser Conservatorium und bewährte sich auch als vorzüglicher Lehrer. Im J. 1801 wurde er zum Solo-Violinisten an der Grossen Oper ernannt und blieb in dieser Stellung, bis er 1816 zum zweiten Orchesterchef an demselben Theater aufstieg. Ein Jahr später bereits wurde er zum ersten Kapellmeister erhoben, bis er 1824 die Aufsicht über die gesammte musikalische Verwaltung der Grossen Oper erhielt und 1826 pensionirt wurde. Ausserdem ist er auch erster und Solo-Violinist in der Privatkapelle des Consuls, sodann des Kaisers Napoleon von 1802 an und in derjenigen Ludwig’s XVIII. Direktor als Nachfolger
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