Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 338

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876

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1Lindner, Ernst Otto, vielseitiger deutscher Gelehrter und gründlicher Musikschriftsteller, geboren 1820 in Breslau, verlor früh seinen Vater und sah damit zeitig den Ernst des Lebens an sich herantreten, der jedoch die Entwicklung seiner reichbegabten Individualität nur beschleunigte, so dass er schon als Primaner des Gymnasiums das Studium Kant’s aufnehmen konnte. Daneben trieb er eifrig Clavierspiel, sowie Musiktheorie, und schöpfte aus den Aufführungen, bei denen er häufig singend mitwirkte, die gediegensten Anregungen. Im J. 1839 bezog er die Breslauer Universität und wandte sich seit 1840 entschieden dem Studium der Philosophie zu. In dieser Facultät promovirte er 1845 und wollte den Beruf als akademischer Lehrer verfolgen, den man ihm jedoch gründlich zu erschweren und zu verleiden wusste, da er der damals allmächtigen Orthodoxie für einen religiösen und politischen Libertiner galt. L. wich den gegen ihn bereits angezettelten Machinationen und nahm ein sich darbietendes vortheilhaftes Engagement als Hauslehrer an, das ihn nach Berlin führte, wo er auch seine musikalischen Studien wieder aufnahm, indem er mit S. W. Dehn in einen engen Verkehr trat. Im J. 1848 übernahm L. eine literarische Stellung bei der Voss’schen Zeitung, trat bald ganz zur Redaction dieses angesehenen Blattes über und wurde endlich von den Lessing’schen Erben, den Eigenthümern desselben, als Chef-Redacteur angestellt. Als solcher leistete er auf den Gebieten der Politik, wie des Socialismus, besonders der Jugenderziehung, der Philosophie wie der Kunst Grosses, ja Ausgezeichnetes; mit Lust, Liebe und Interesse für alle Fragen des Lebens, der Wissenschaft und der Kunst verband er eine rastlose selbstständige Forschung und Thätigkeit in denselben. In der Philosophie war er ein begeisterter Anhänger Schopenhauer’s, jedoch ging er in vielen Punkten, besonders in Bezug auf die Tonkunst, der er nicht umsonst ein gediegenes Studium gewidmet hatte, über denselben hinaus. Den Werken Seb. Bach’s wendete er vorzugsweise einen liebevollen Forschungseifer zu, und er darf mit W. Rust als die hervorragendste Autorität auf diesem Gebiete betrachtet werden. Ein Jahr lang dirigierte er auch den von G. Vierling 1857 gegründeten Bachverein. Nächstdem war es die Oper von ihren ersten Anfängen an, die ihn anzog und beschäftigte, und auf diesem Felde war er ein glühender Verehrer Gluck’s und Mozart’s, sowie ein Bewunderer Meyerbeer’s, während ihm die neudeutsche Musikrichtung als krasse Verirrung erschien, die er bekämpfte. In zahlreichen Abhandlungen und Aufsätzen in der Voss’schen Zeitung, besonders in deren Sonntagsbeilagen, und in der Berliner Musikzeitung »Echo« seit 1855, sowie in seinen Vorträgen in zahlreichen Vereinen, u. a. im Berliner Tonkünstlerverein, hat er seine musikalischen Grundsätze frei und rückhaltlos bekannt und mit Geist und Feuer verfochten.
3Die Gediegenheit und Vielseitigkeit seiner Kenntnisse und die makellose Ehrenhaftigkeit seines Charakters in Verbindung mit seiner angesehenen Stellung in der Presse, verliehen ihm einen weitreichenden bedeutenden Einfluss, den er segensreich geltend machte. Allgemein hochverehrt starb er nach kurzem Krankenlager am 7. Aug. 1867 zu Berlin. Sein Begräbniss, an dem sich kein Geistlicher betheiligte, gestaltete sich durch die allgemeine Theilnahme und durch die ihm bei demselben gespendeten musikalischen Ehren in seltener Weise feierlich, und unter der Direktion von J. Stern und W. Rust fand am 6. Octbr. desselben Jahres im Saale der Singakademie eine glänzende Gedächtnisfeier statt. — L.’s Hauptwerke auf musikalisch-schriftstellerischem Gebiete sind: »Meyerbeer’s ’Prophet’ als Kunstwerk beurtheilt« (Berlin, 1850); »Die erste stehende deutsche Oper« (2 Bde., Berlin, 1855); »Zur Tonkunst. Abhandlungen« (Berlin, 1864) und die nachgelassene, von L. Erk herausgegebene Arbeit »Geschichte des deutschen Liedes im 18. Jahrhundert« (Leipzig, 1871). Auch praktisch hat sich L. in der Musik mit Glück versucht, wie seine Lieder mit Pianofortebegleitung und seine Chorgesänge (in verschiedenen von Pax herausgegebenen Sammlungen) beweisen. Dort treten poetische

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