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Scan 38
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
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1später wieder nach München gezogen zu sein, da er daselbst am 29. Juni 1690 gestorben ist und die Inschrift seines marmornen Grabsteins in der dortigen Augustinerkirche ihn als kurfürstl. Hofkapellmeister bezeichnet. — Alle bekannt gebliebenen Compositionen K.'s zeichnen sich durch hervorragend würdevolle Arbeit aus und lassen die gediegene italienische Schule deutlich gewahren. Im Manuscript besitzt von denselben die Hofbibliothek zu Wien ein fünfstimmiges Requiem aus dem J. 1653, und ausserdem ist ein eben solches aus dem J. 1668 als von Fétis nicht angeführt zu erwähnen. Endlich schreibt man K. auch die Autorschaft eines nicht im Druck erschienenen Lehrbuchs, betitelt: »Compendiose relazione sopra il contrappunto«, zu.
3Kerle, Jacob von, bedeutender niederländischer Tonsetzer, geboren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu Ypern in Flandern, war zuletzt Chordirektor und Canonicus am Dom zu Cambrai. Er scheint zehn Jahre seiner Jünglingszeit in Italien verlebt zu haben, da seine frühesten Werke von 1562 bis 1571 in Venedig herausgekommen sind. Proske dagegen behauptet auf Grund des Titels der von K. in Musik gesetzten Gebete für den Erfolg des Concils zu Trient: »Preces speciales pro salubri generalis concilii successu etc.«, dass dieser Meister beim Cardinal-Fürstbischof von Augsburg, Otto von Trugsess, bedienstet gewesen und während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Rom ebendaselbst geblieben sei. Spätestens müsste er dann 1562 in des Cardinals Dienste getreten sein, da eben erwähnte »Preces« in diesem Jahre in erster Auflage erschienen; er muss auch ziemlich lange in diesem Verhältnisse geblieben sein, indem die Widmungen späterer Werke, so solcher von 1575, noch von Augsburg aus datirt sind. Weiterhin wurde K. Kapellmeister des römisch-deutschen Kaisers Rudolph II. Seine sogenannte Scala-Messe (Messe über die Tonleiter ut, re, mi, fa, sol, la), auf der er in dieser Eigenschaft genannt ist, widmete er ebenso wie noch einige andere einem Papste Gregor, wahrscheinlich dem XIII. dieses Namens. Sonstige Lebensschicksale und sein Todesjahr sind nicht mehr zu ermitteln gewesen. Viele seiner Werke, bestehend in Messen, Madrigalen, kirchlichen und weltlichen Gesängen, sind von den vorzüglichsten Druckereien Italiens, Deutschlands und Belgiens herausgegeben worden, und man zählte sie den besten compositorischen Leistungen des 16. Jahrhunderts zu. Messen von ihm im Manuscript besitzt das Archiv der päpstlichen Kapelle in Rom.
5Kerle, Vitus, deutscher Tonkünstler, um 1750 Chordirektor zu Reisbach in Baiern, setzte ein Drama, betitelt »Der gute Ismael«, in Musik.
7Kerlino, Johann, einer der ältesten Geigeninstrumentenmacher, den die Kunstgeschichte noch nennt, lebte und arbeitete um 1450 in Brescia und ist der Vorläufer der classischen Meister des Violinbaues, die erst lange nach ihm in Bologna, Mantua, Verona, Venedig und endlich in Cremona blühten. Die Inschrift Joan. Kerlino 1449, welche eines seiner erhalten gebliebenen Instrumente, angeblich eine zur Geige verkleinerte Viola, trägt, lässt mit grösster Wahrscheinlichkeit auf die deutsche Abkunft des Meisters schliessen, und Edmund Schebeck benutzt diesen Umstand in einer historischen Skizze »Der Geigenbau in Italien u. s. w.« (Prag, 1874) mit zum Beweis, dass dieser Kunstgewerbezweig, auf der apenninischen Halbinsel wenigstens, der er zum hohen Ruhme gereichte, überhaupt deutschen Ursprungs sei.
9Kerlon, Anne Gabriel de, s. Meusnier.
11Kermâni, Abd-el-Alâisi, ein berühmter arabischer Musikschriftsteller, der im 10. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung, dem vierten nach der Hedgira, gelebt hat und dessen Werke noch theilweise in Abschriften erhalten sein sollen.
13Kern ist der Name einiger deutschen Tonkünstler, von denen zu nennen sind: 1) August K., Musiklehrer in Hamburg, der 1843 nach Hannover übersiedelte, hat viele zu seiner Zeit beliebte Lieder und Tänze veröffentlicht. 2) Gregor K., war von 1520 bis 1530 Kapellmeister des Landgrafen Philipp
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