Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877 › scan 105
Scan 105
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
13 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 97. See the scan on archive.org.
1gründen konnte. Diese, die seine neuen Mittel dem Kunstwerk einwirkte, war bereits durch Carl Maria von Weber ins Leben gerufen und in Franz Schubert schon zu herrlicher Blüthe gelangt. Auch diese beiden Meister des Clavierstils wandten dem Klangwesen des Pianoforte ausserordentliche Sorgfalt zu, aber nicht nur um es zum Ausdruck ihres nur erregten Innern zu machen, sondern um in ihm die Gebilde einer romantisch verklärten Innerlichkeit, die Phantasiewelt der Romantik darzustellen. Sie sind unablässig bemüht, dem Clavier neue Klänge abzugewinnen, um in ihnen immer neue Farbentöne für die recht glänzenden Darstellungen dieser neuen Welt zu gewinnen, und wie ihnen hier Mendelssohn und Schumann folgten, wie der erste den Clavierstil durch glänzendere technische, der letztere durch geistvolle und inhaltschwere Figuren bereicherte, ist hinlänglich bekannt. Namentlich Robert Schumann hat dem Flügel Klänge und Figuren abgelauscht, wie nur wenig Meister des Claviersatzes und er hat sie zugleich dem Organismus eingefügt und zum Träger der Ideen gemacht. Ihnen reiht sich dann noch Franz Liszt an, der dem Clavier alle unterschiedenen Klänge entlockt hat, die es überhaupt nur irgend birgt und wenn er sie auch in seinen eigenen Schöpfungen nicht so zum einheitlichen Kunstwerk zu verarbeiten wusste, wie die erwähnten Meister, so hat er sie doch dem fremden Kunstwerk dienstbar zu machen verstanden, wie kein anderer, sowohl in seinen Transcriptions und Bearbeitungen wie bei der unübertrefflichen Weise, in welcher er, als ausübender Künstler, diese Werke ausführte. Er umfasst die ganze Literatur von Scarlatti bis auf Chopin und Schumann und dass er sie alle in ihrem eigensten Geiste auszuführen vermochte, zeigt, wie er dem Instrument sein gesammtes Ausdrucksvermögen abgelauscht hatte und macht ihn zum ersten und grössten Virtuosen, nicht nur des Claviers, sondern der Instrumente überhaupt. Durch seine gigantischen Bestrebungen hat der Clavierstil fast orchestrale Bedeutung gewonnen und die Leistungsfähigkeit des Instruments ist in ganz aussergewöhnlicher Weise gesteigert worden. Damit ist aber dieser Stil der herrschende geworden und beginnt nicht nur den Orchester-, sondern auch den Vocalstil zu beherrschen. Das Verlockende, Reizvolle des Clavierklangs, wie die praktische Brauchbarkeit haben diesem Instrument gegenwärtig ein Uebergewicht über alle anderen Instrumente gegeben, dass es die gesammte Musikentwicklung einseitig beherrscht. Weil unsere ganze Musikerziehung von ihm seinen Ausgang nimmt, so wird die Phantasie früh mit den Klängen desselben gesättigt, so dass die andere sich nur schwer dort erzeugen und die Claviertechnik ist so allmälig auf die vocale und orchestrale Technik übertragen worden, nicht zum Vorteil dieser. Die Vocaltechnik ist ebenso eine andere wie die orchestrale und die Claviertechnik und nur der Meister, welcher diese Unterschiede berücksichtigt, wird dauernde Kunstwerke auf jedem dieser verschiedenen Gebiete hervor zu bringen im Stande sein.
3Piano-forte, abgekürzt pf, fordert, dass bei einer so bezeichneten Stelle die erste Note schwach, die folgende wieder stark gespielt werden soll.
5Pianoforte-Gitarre, s. Guitarre.
6Pianozug, die Verschiebung, s. Pedal.
8Piantanida, Giovanni, geschickter Violinist, geboren in Florenz 1705. Er machte viele Reisen, lebte eine Zeit lang in Petersburg und in Hamburg. Nach Italien zurückgekehrt, liess er sich in Bologna nieder, wo ihn 1770 Burney hörte, der ihn für den besten Violinspieler Italiens erklärte. Es sind von ihm zu Amsterdam gestochen: Sechs Concerte für die Violine mit Orchester (Breitkopf) und sechs Trios für zwei Violinen und Violoncelle.
10Piantanida, Isidor, geboren in Mailand um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Hat viel Kirchenmusik geschrieben, gedruckt ist nur: »Salve Regina für zwei Soprane, Contr’alto und Bass mit Begleitung von Contrabass und Violoncello« (Mailand, Ricordi).
12Piantanide, Gaetano, Componist und Clavierspieler, geb. in Bologna 1768.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.