Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877 › scan 207
Scan 207
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
14 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 199. See the scan on archive.org.
1zulässt, nicht gestattet. Hieraus erklärt sich auch, dass bedeutende und besonders inhaltsvolle Themen für das Streichquartett weniger nötig sind, als für das Clavier. Dies, als alleiniger Träger künstlerischer Kundgebung, verlangt Themen, welche den Gesammtinhalt prägnant, aber auch möglichst überzeugend aussprechen, damit er dann nur noch näher erläutert zu werden braucht. Beim Streichquartett betheiligen sich an dieser Darstellung vier wesentlich verschiedene Individualitäten, durch deren Gesammtthätigkeit erst ein bedeutamer Inhalt äussere Darstellung gewinnt. Deshalb sind auch, mit Ausnahme des Adagio, die meisten Quartette unserer Meister vorwiegend aus unscheinbaren Themen gewoben, und nur als Ganzes gefasst gewinnen die einzelnen Sätze erst Bedeutung. Der allgemeinere Inhalt erlangt durch die weitere Darstellung eine solche Vertiefung, wie bei keiner anderen derartigen Vereinigung von Instrumenten. Technik und Klangcharakter der verschiedenen, zum Quartett vereinigten Streichinstrumente lassen eine so mannichfache Darstellung der gewählten Thematik zu, dass der durch diese nur angedeutete geistige Gehalt vollständig erschöpfend zur Erscheinung kommen kann. Joseph Haydn war der Erste, welcher dem Quartettspiel die künstlerische Basis gab, auf welcher er dann von Mozart und Beethoven, von Franz Schubert, Mendelssohn und Schumann und bis auf die Gegenwart weiter gebildet wurde. Der eigentliche sogenannte Sonatensatz (s. d.), auch Allegrosatz genannt, wurde allmälig, wie bei der Sonate, zum ersten Satz der neuen Quartettform erhoben. Als sein Gegensatz wird ein, zum Hymnus erweiterter Liedsatz, im Adagio oder Andante eingeführt und als Schlusssatz das Rondo, das allmälig zum Finale erweitert wurde. Dazwischen trat dann jener Satz, der die ganze mehr ideale Form dem gewöhnlichen Leben näher bringt, — die Menuett — die dann später wieder von Beethoven zum Scherzo veredelt wurde. In dieser Form haben unsere Meister der Instrumentalmusik ihre grössten und bedeutendsten Kunstwerke geschaffen. Die Streichinstrumente bieten nicht die Farbenfülle des Orchesters, aber deshalb veranlassen sie auch nicht zu jenen nur klanglichen und sinnlich reizvollen Experimenten, zu denen das Orchester leicht verleitet. Wie mannichfach auch die Klänge sind, welche die Streichinstrumente bieten, so wird doch dadurch niemals der Mangel an gedanklichem Inhalt und an formeller Festigung ersetzt, wie theilweise doch beim Orchester. Daher kommen in dieser Form alle Künste des Contrapunkts und der Nachahmung zur Anwendung, um die Fülle von Empfindungen des menschlichen Herzens und die mannichfachen Bilder der Phantasie zum Ausdruck und zur Erscheinung zu bringen (s. Sonate). Beim Clavierquartett ist das Pianoforte mit drei anderen Instrumenten: Violine, Bratsche und Cello; Violine, Horn und Fagott; Clarinette, Horn und Fagott u. s. w. verbunden. Die Form ist die des Streichquartetts; auch das Clavierquartett besteht in der Regel aus vier Sätzen: Allegro, Adagio (Andante), Scherzo (Menuett) und Finale (Rondo).
3Quartettino ist ein weniger umfangreiches, leichtes Quartett.
5Quartettprobe heisst die Probe, in welcher nur die Streichinstrumente eines grösseren Orchesterwerks, oder einer Oper, eines Oratoriums u. s. w. geübt werden, damit die betreffenden Geiger wie auch der Dirigent selber mit dem betreffenden Werk vertrauter werden (s. Proben).
7Quartfagott, eine, um eine Quart tiefer als das gewöhnliche Fagott stehende Art Fagott. Sie wird vorwiegend bei der Harmoniemusik angewendet und vertritt hier die Stelle des Contrabasses im Orchester.
9Quartettflöte, s. Flöte.
10Quartgeige, s. Violino piccolo.
11Quartposaune, s. Posaune.
13Quartquint-Accord ist kein selbständiger Accord, er entsteht dadurch, dass der Terz die Quint vorgehalten wird. Seine weitere Berücksichtigung erfolgt deshalb unter Vorhalt (s. d.). Der
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.