Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 230

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

11 lines. Read by computer on 15 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 222. See the scan on archive.org.

1Waldenburg in der Provinz Schlesien geboren. Sein tüchtig geschulter Vater, Cantor und Organist zu Dittmannsdorf, das musikalische Talent des Sohnes erkennend, unterrichtete ihn frühzeitig im Clavier-, Violin- und Orgelspiel und später auch im Generalbass. Der Knabe machte solche Fortschritte, dass er in Concerten der Umgegend seines Heimathsortes spielen konnte und dass dieses öffentliche Auftreten vom günstigsten Erfolge begleitet war. 1845 verliess R. das Vaterhaus, ging nach Breslau und besuchte daselbst bis 1848 das Gymnasium. Jede freie Stunde, die er seinen Arbeiten abzwingen konnte, war dem Studium der Tonkunst gewidmet. Ernst Köhler unterrichtete ihn bis zu dessen 1847 erfolgtem Tode im Clavier- und Orgelspiel, Lüstner im Violinspiel, Brosig in der Compositionslehre. Von Michaelis 1848 bis 1850 war er Schüler des Conservatoriums zu Leipzig; Moscheles und Hauptmann zählten ihn zu ihren Lieblingsschülern, bei denen er die Hochschule des Clavierspieles und der Compositionslehre genoss. Er blieb nach seinem Abgange vom Conservatorium in Leipzig, wo er allgemein beliebt, in anregender Geselligkeit lebte, als erster Geiger bei den Gewandhausconcerten angestellt war und oft als Violinist und Orgelspieler öffentlich auftrat. Im J. 1852 wurde er neben Ferdinand David zweiter Direktor der Leipziger Singakademie und am 1. Januar 1853 Chor- und Musikdirektor am Leipziger Stadttheater. Michaelis 1853 rief ihn die Vaterlandspflicht aus seiner Berufstätigkeit von Leipzig fort nach Berlin, wo er als Einjährig-Freiwilliger in das Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment eintrat. Auch in Berlin, wo er, als er nach Ablauf eines Jahres das Schwert mit der Leier wieder vertauschen konnte, zu bleiben beschloss, wusste er sich bald durch seine Hingabe an seinen Beruf eine geachtete Stellung zu erringen. Er rief Kammermusik-Abende ins Leben, trat vielfach als Clavierspieler und Componist öffentlich auf und spielte die zweite Geige in dem mehrere Jahre hindurch bestehenden Laub’schen Quartett. one of two readings
2Waldenburg in der Provinz Schlesien geboren. Sein tüchtig geschulter Vater, Cantor und Organist zu Dittmannsdorf, das musikalische Talent des Sohnes erkennend, unterrichtete ihn frühzeitig im Clavier-, Violin- und Orgelspiel und später auch im Generalbass. Der Knabe machte solche Fortschritte, dass er in Concerten der Umgegend seines Heimathsortes spielen konnte und dass dieses öffentliche Auftreten vom günstigsten Erfolge begleitet war. 1845 verliess R. das Vaterhaus, ging nach Breslau und besuchte daselbst bis 1848 das Gymnasium. Jede freie Stunde, die er seinen Arbeiten abzwingen konnte, war dem Studium der Tonkunst gewidmet. Ernst Köhler unterrichtete ihn bis zu dessen 1847 erfolgtem Tode im Clavier- und Orgelspiel, Lüstner im Violinspiel, Brosig in der Compositionslehre. Von Michaelis 1848 bis 1850 war er Schüler des Conservatoriums zu Leipzig; Moscheles und Hauptmann zählten ihn zu ihren Lieblingsschülern, bei denen er die Hochschule des Clavierspieles und der Compositionslehre genoss. Er blieb nach seinem Abgange vom Conservatorium in Leipzig, wo er allgemein beliebt, in anregender Geselligkeit lebte, als erster Geiger bei den Gewandhausconcerten angestellt war und oft als Violinist und Orgelspieler öffentlich auftrat. Im J. 1852 wurde er neben Ferdinand David zweiter Direktor der Leipziger Singakademie und am 1. Januar 1853 Chor- und Musikdirektor am Leipziger Stadttheater. Michaelis 1853 rief ihn die Vaterlandspflicht aus seiner Berufstätigkeit von Leipzig fort nach Berlin, wo er als Einjährig-Freiwilliger in das Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment eintrat. Auch in Berlin, wo er, als er nach Ablauf eines Jahres das Schwert mit der Leier wieder vertauschen konnte, zu bleiben beschloss, wusste er sich bald durch seine Hingabe an seinen Beruf eine geachtete Stellung zu erringen. Er rief Kammermusik-Abende ins Leben, trat vielfach als Clavierspieler und Componist öffentlich auf und spielte die zweite Geige in dem mehrere Jahre hindurch bestehenden Laub'schen Quartett. one of two readings
4Sein Hauptverdienst erwarb er sich dadurch, dass er, nach dem Muster der Leipziger Gewandhausconcerte, im Winter 1858/59 grosse Abonnements-concerte für Vocal- und Instrumentalmusik gründete, welche durch ihre künstlerisch-verständnissvollen Programme und deren gediegene Durchführungen bedeutende Anziehungskraft ausübten und bis zum Winter 1862/63 fortgesetzt wurden. Von dem, was sie brachten, seien hier nur die fünf Aufführungen von Beethoven’s 9. Symphonie, sowie die ersten Aufführungen von Schumann’s »Manfred«, Faustmusik, C-dur-Symphonie u. s. w. verzeichnet. — Am 1. November 1863 erfolgte die Anstellung Radecke’s als Musikdirektor an der königl. Oper zu Berlin neben Taubert und Dorn und 1871 die Ernennung zum königl. Kapellmeister auf Lebenszeit. 1877 wurde ihm der rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. one of two readings
5Sein Hauptverdienst erwarb er sich dadurch, dass er, nach dem Muster der Leipziger Gewandhausconcerte, im Winter 1858/59 grosse Abonnements-concerte für Vocal- und Instrumentalmusik gründete, welche durch ihre künstlerisch-verständnissvollen Programme und deren gediegene Durchführungen bedeutende Anziehungskraft ausübten und bis zum Winter 1862/63 fortgesetzt wurden. Von dem, was sie brachten, seien hier nur die fünf Aufführungen von Beethoven's 9. Symphonie, sowie die ersten Aufführungen von Schumann's »Manfred«, Faustmusik, C-dur-Symphonie u. s. w. verzeichnet. — Am 1. November 1863 erfolgte die Anstellung Radecke's als Musikdirektor an der königl. Oper zu Berlin neben Taubert und Dorn und 1871 die Ernennung zum königl. Kapellmeister auf Lebenszeit. 1877 wurde ihm der rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. one of two readings
7Als Componist erfreut sich R., besonders durch seine Lieder, eines guten Rufes. Bis jetzt sind von ihm gegen 100 Lieder erschienen, ausserdem verschiedene Hefte Duette, Chorterzette und Quartette u. s. w.; von Instrumentalwerken: zwei Ouvertüren für Orchester: »König Johann« und »Am Strande«, die in verschiedenen Städten mit grossem Beifall zur Aufführung gelangt sind. Das von ihm componirte Liederspiel mit Tanz in 1 Akt von Gustav Gurski: »Die Mönkguter« errang auf der königl. Oper zu Berlin, sowie an einigen Privattheatern guten Erfolg. — Die Compositionen Radecke’s zeichnen sich durch Sinnigkeit, warme Empfindung, gewandte und gediegene Factur aus. Er vermeidet die Ausschreitungen der neudeutschen Schule und ist ein Epigone Schumann’s zu nennen. Als Dirigent ist er der Besten Einer, und hat sich als solcher einen weitgeachteten Namen erworben. Als Clavierspieler zählt er zu den bedeutendsten Interpreten Beethoven’s und Schumann’s, als Orgelspieler zu den ersten der Gegenwart. one of two readings
8Als Componist erfreut sich R., besonders durch seine Lieder, eines guten Rufes. Bis jetzt sind von ihm gegen 100 Lieder erschienen, ausserdem verschiedene Hefte Duette, Chorterzette und Quartette u. s. w.; von Instrumentalwerken: zwei Ouvertüren für Orchester: »König Johann« und »Am Strande«, die in verschiedenen Städten mit grossem Beifall zur Aufführung gelangt sind. Das von ihm componirte Liederspiel mit Tanz in 1 Akt von Gustav Gurski: »Die Mönkguter« errang auf der königl. Oper zu Berlin, sowie an einigen Privattheatern guten Erfolg. — Die Compositionen Radecke's zeichnen sich durch Sinnigkeit, warme Empfindung, gewandte und gediegene Factur aus. Er vermeidet die Ausschreitungen der neudeutschen Schule und ist ein Epigone Schumann's zu nennen. Als Dirigent ist er der Besten Einer, und hat sich als solcher einen weitgeachteten Namen erworben. Als Clavierspieler zählt er zu den bedeutendsten Interpreten Beethoven's und Schumann's, als Orgelspieler zu den ersten der Gegenwart. one of two readings
10Radecke, Rudolf, der Bruder des vorerwähnten, geboren am 6. Septbr. 1829 zu Dittmannsdorf bei Waldenburg in Schlesien, besuchte 1850 bis 1851 das akademische Institut für Kirchenmusik zu Breslau unter Mosewius und Baum-

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