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Scan 232
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1mehr als einer Seite hin aus. Er war ein guter Cellospieler, und da er als jüngerer Mann eine schöne Tenorstimme besass, erfuhr auch diese die nötighe Schulung. Den grössten Fleiss verwendete er aber auf die Ausbildung seines Compositionstalentes. Seine Lehrmeister sind vermutlich mehrere gewesen, da er von Jugend auf mit den hervorragenden Tonkünstlern Berlins Beziehungen unterhielt. Die 1802 erschienenen »Trois Romances françaises« in deutscher Uebersetzung mit Pianofortebegleitung (Leipzig, Kühnel, 1802) scheinen seine ersten veröffentlichten Compositionen zu sein. Diesen folgten Duette für zwei Singstimmen mit Pianofortebegleitung (Oranienburg, bei Werkmeister, 1804); »Compleinte de Maria Stuart« (Rom, de Florian) mit Pianoforte und Violoncell obl., 1805 in einem Concerte aufgeführt. Für die Zelter’sche Liedertafel compo- nirte er eine Anzahl mehrstimmige Lieder. Sein bedeutendstes Werk aber ist die Musik zu Goethe’s »Faust«; eine umfangreiche Schöpfung, auf welche er mehrere Jahre des Fleisses verwendet hat. Am 1. Mai 1810 wurde der Osterchor »Christ ist erstanden« von der Singakademie zum ersten Mal gesungen. Der grösste Theil des Werkes kam ebenfalls durch die Singakademie, der er es vermacht hat, erst nach seinem Tode, am 26. Octbr. 1835 zur Auf- führung. Es wird noch ab und zu zu seinem Gedächtniss von diesem Gesangs- institut wieder aufgenommen. Das Werk erschien, Partitur und Clavierauszug, bei Trautwein (jetzt Bahn’s Verlag) 1835. Sein Bildniss ist mehrmals erschienen, darunter nach dem Leben von Wilh. Hensel, gestochen von Faustina Anderloni (Berlin, G. Weiss, 1822). In der Loge der Singakademie ist seine wohlgetroffene Marmorbüste von Wichmann, Geschenk seiner Familie, aufgestellt. Der kunst- sinnige Fürst starb am 7. April 1833 zu Berlin.
3Raedt, Pierkin de, flammändischer Musiker, welcher im Anfange des 18. Jahrhunderts lebte, ist nur bekannt durch eine vierstimmige Messe: »Quam dicunt homines«, welche sich im Manuscript in der Bibliothek in Cambrai No. 124 befindet und von welcher M. de Coussemaker eine vollständige Beschreibung in seiner »Notice sur les collections musicales de la bibliothèque de Cambrai« S. 65—91 giebt. Am Ende dieses Bandes ist das Sanctus der Messe von Pierkin de Raedt in Partitur abgedruckt.
5Räthselcanon (Canon aenigmaticus) ist nicht eine eigene Form des Canons, sondern nur die besondere Art seiner Aufzeichnung, bei welcher die näheren Bezeichnungen für die Weise seiner Ausführung weggelassen sind. Bekanntlich wird in der Regel beim Canon nur die betreffende Melodie niedergeschrieben (als geschlossener Canon) und die jeweiligen Einsätze der nachfolgenden Stimmen werden dann nach dem Zeit- und Intervallenverhältniss angegeben. Fehlen diese, so dass sie dem Scharfsinn des Ausführenden zu ergänzen überlassen werden, so nennt man den so aufgezeichneten Canon einen Räthselcanon. Zur Zeit der Blüthe der Nachahmungsformen waren die Meister unerschöpflich in der Erfindung solcher Formeln für Entzifferung der Canons. Es wurde beliebt, die Melodie im Kreise aufzuzeichnen:
7Für die Entzifferung ist es zunächst nötig, diesen Kreis lang zu strecken:
9Die dann hinzutretenden Schlüssel zeigen das Intervallenverhältniss an:
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