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Scan 237
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1öffentlichten Lieder, der Mehrzahl nach von hohem Kunstwerthe, harrt noch der gebührenden Würdigung seitens des Publikums; auch ist es ihm nicht gelungen, als dramatischer Componist allgemeine Anerkennung zu erringen; eine fünfaktige Oper »Samson«, zu der er schon 1852 den Text selbst verfasst hatte, ist unveröffentlicht geblieben, und eine komische Oper »Dame Kobold«, mit welcher er im J. 1870 sich dem Theater wieder zu nähern versuchte, konnte nicht über Weimar hinausgelangen. Dagegen hat er seine Herrschaft über das Gebiet der Instrumentalmusik immer mehr erweitert und mit dem Erscheinen seiner dritten Sinfonie »Im Walde«, verbreitete sich sein Ruf auch als Orchestercomponist weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Nur selten sind einem deutschen Tonkünstler im Auslande gleiche Ehren zu Theil geworden, wie ihm bei Gelegenheit der Aufführungen dieses Werkes in Amerika, Belgien, England, Frankreich, Russland und Italien; sein Vaterland aber hat sich nicht minder dankbar bewiesen: R. ist Ritter des fürstl. Hohenzollern’schen Hausordens vom weissen Falken, des Sächsisch-Ernestinischen Hausordens, Inhaber des Nassauischen Adolph-Ordens, sowie der königl. Württembergischen grossen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaften und der grossherzogl. Sächsischen goldenen Civil-Verdienstmedaille. Trotzdem hatte er keine Veranlassung, aus seinem Wiesbadener Privatleben hinauszutreten, bis neuerdings (1877) der Ruf zur Leitung einer von der Stadt Frankfurt a. M. unter den günstigsten Verhältnissen zu errichtenden Musikschule an ihn erging, dem zu folgen er sich bereit erklärt hat.
3Die Zahl der bis jetzt im Drucke erschienenen Werke Raff’s übersteigt 200. Die Compositionen für Instrumentalmusik sind folgende: I. für Orchester: 8 Sinfonien, 2 Suiten, 5 Ouverturen, 1 Marsch, eine Sinfonie für zehn Blasinstrumente. II. Concertante Musik mit Orchester: »Die Liebesfee«, Concert in H-Moll, Suite in G-Moll für Violine mit Orchester, Concert in D-Moll für Violoncell mit Orchester, »Frühlingsode«, Concertstück, Concert in C-Moll, Suite in Es-Dur für Clavier und Orchester. III. Kammermusik für Streichinstrumente: 1 Octett, 1 Sextett, 8 Quartette. IV. Kammermusik für Clavier und Streichinstrumente: 1 Quintett für Clavier, zwei Violinen, Bratsche und Violoncell, 2 Quartette für Clavier, Violine, Bratsche und Violoncell, 4 Trios für Clavier, Violine und Violoncell, 5 Sonaten, sowie 18 diverse Kammerstücke für Clavier und Violine, 1 Sonate und 5 diverse Kammerstücke für Clavier und Violoncell. V. Claviermusik zu vier Händen: 26 Stücke. VI. Claviermusik zu zwei Clavieren: 1 Ciaconna. VII. Claviermusik zu zwei Händen: ca. 200 Stück resp. Sätze in diversen Opus. — An Vocalmusik sind erschienen: I. für gemischten Chor, Soli und Orchester: »Dame Kobold«, dreiaktige komische Oper; »De profundis« (130. Psalm); die Chöre: »Im Kahn«, »Der Tanz«, »Morgenlied«, »Einer Entschlafenen«. II. für Männerchor und Orchester: die Cantaten »Wachet auf!« und »Zur Leipziger Schlachtfeier«. III. für eine Singstimme und Orchester: 1 Ballade »Traumkönig und sein Lieb«, 2 Scenen »Die Hirtin« und »Die Jägersbraut«. IV. für drei Singstimmen mit Clavierbegleitung: 6 Stücke. V. für zwei Singstimmen mit Clavierbegleitung: 12 Stücke. VI. für eine Singstimme mit Clavierbegleitung: 77 Stücke. VII. für vier Männerstimmen ohne Begleitung: 30 Stück. — Bearbeitungen: Bach’s sechs Violinsolosonaten für Clavier gesetzt. Ausgewählte Stücke aus Bach’s Violinsolosonaten für Clavier gesetzt, 7 Hefte. Bach’s Violin-Ciaconna für Orchester gesetzt. Bach’s Orchester-Suiten für Clavier zu zwei Händen gesetzt.
5Raffanelli, Luigi, ausgezeichneter italienischer Buffosänger, ist 1752 in einem Dorfe der Provinz Lecco im Königreich Neapel geboren. Den ersten Unterricht in der Musik erhielt er in seiner Vaterstadt und betrat 22 Jahr alt zum erstenmal die Bühne. Als Bass-Buffo hat er nicht allein auf allen Bühnen Italiens, sondern auch in London und Paris, wo man ihm den Beinamen Préville italien gab, viel Beifall gefunden. Bereits sehr von seinen Fähigkeiten verlassen, trat er 1814 zuletzt in Mailand auf, wo er einige Jahre darauf starb.
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