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Scan 260
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1führte wurden. Er erhielt seinen Abschied, wie man sagt, weil eine Dame von höchstem Range, die er bezaubert hatte, sich seinethalben compromittirt habe. Nun ging er nach England und trat im November 1774 in »Alessandro nell’Indie« von Corri als Tenor zum ersten Mal auf. Seine Stimme, seine Art des Gesanges, wie seine musikalische Durchbildung werden als vorzüglich bezeichnet, ebenso sein Darstellungstalent gerühmt. Nachdem er drei Jahre an der italienischen Oper in London gewirkt hatte, trat er von der Bühne zurück und widmete sich der Ausbildung von Gesangschülern. Jedoch nach dem Fall seiner Oper »La Vestale« verliess er London und liess sich in Bath nieder, wo er 1810 in dieser hübschen Stadt friedlich sein Leben beschloss. Die bekannten Opern Rauzzini’s sind: 1) »Piramo e Tisbe« (München, 1769), in welcher R. die Hauptpartie sang; 2) »L’Ali d’Amore« (ibid. 1770); 3) »L’Eroe cinese« (ibid.); 4) »Astarto« (ibid. 1772); 5) »La Regina di Golconda« (London, 1775); 6) »Armida« (idem 1778); 7) »Creusa in Delfo« (ibid. 1782); 8) »La Vestale« (ibid. 1787). Instrumentalwerke: 1) »Quartett für zwei Violinen, Alto, Bass, op. 2, 5, 7 (London); 2) »Quatuors für Piano, Violine, Alto und Violoncell«, op. 1 (Offenbach, André); 3) »Sonaten für Piano und Violine«, op. 3, 6, 9 (London, Pearsall); 4) »Sonaten für Piano zu vier Händen«, op. 4 und 12 (ibid.); »Italienische Arien und Duos« (London, Clementi); 6) »Englische Gesänge« (ibid.).
3Rauzzini, Matteo, Bruder des Vorigen, geboren zu Rom 1754. Im Alter von 16 Jahren folgte er seinem Bruder nach München und 1772 debütierte er als Sänger in der von ihm componirten Operette »Le Finte Gemelli«. 1774 folgte er seinem Bruder nach England und liess sich in Dublin nieder, wo er Professor des Gesanges wurde. 1784 ging noch eine zweite Oper von ihm »Il Re pastore« dort in Scene. Er starb noch jung 1791.
5Raval, Sebastiano, spanischer Contrapunktist, welcher Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts lebte. Nachdem er mehrere ähnliche Stellungen bekleidet hatte, wurde er Kapellmeister des Vicekönigs von Sicilien an der Kathedrale zu Palermo. Er war als ein guter Contrapunktist bekannt, und als er Rom passirte, verleitete ihn die Eitelkeit, Nanini und Soriani zu einem Wettstreit in der Composition herauszufordern, in welchem er sich jedoch durch die beiden bedeutenden Gegner für besiegelt erklären musste. In demselben Jahre 1593 veröffentlichte er: »Il primo libro di canzonette a quattro voci, com poste per il signor Sebastiano Raval, gentil’huomo dell’ordine di ubidicentia di San Gio-Battista Gierosolimitano« (in Venetia, appresso Giacomo Vincenti, 1595, in 4°). Noch kennt man von Raval eine Motettensammlung, betitelt: »Libro de Motetti a 3, 4, 5, 6, 8 voci di Sebastiano Raval, maestro della regia cappella di Palermo, Palermo Franseschi, 1601 et Madrigali a 5 voci, libro primo« (in Venetia appresso Giac. Vincenti, 1585, in 4°).
7Ravanastron, ein Streichinstrument der Indier, welches von den Pandarons, einer Art wandernder Einsiedler, gespielt wird. Ueber einen halben, ausgehöhlten Kürbis sind zwei Saiten gezogen, die vermittelst der Wirbel gestimmt und mit einem Bogen gestrichen werden.
9Ravanni, Gaétan, ausgezeichneter Sänger, geboren am 7. August 1744 in Brescia. Er war ein Schüler seines Landsmanns Pinetti und trat zum ersten Mal, 15 Jahre alt, in einer Frauenrolle in seiner Vaterstadt auf. Nachdem er später in Parma, Venedig, Verona und Bologna gesungen hatte, erhielt er in München ein vortheilhaftes Engagement. Burney, der ihn daselbst 1772 mit Guadagni und Banzzini ein Terzett singen hörte, hielt dies für das vollkommenste, was er in der Art gehört. Er wurde nach 40jähriger Thätigkeit vom König Maximilian Joseph von Bayern mit seinem vollen Gehalt pensionirt und starb in München in hohem Alter.
11Ravenscroft, Thomas, Professor der Musik an der Universität Oxford, erhielt seine Ausbildung in der Musik durch Eduard Pearce um 1590. Er errichtete später auch eine Musikalienhandlung und veröffentlichte: 1) Eine Collektion von vier- und fünfstimmigen Gesängen, unter denen: »Melismata,
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