Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 303

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

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1akademische Laufbahn aufzugeben und sich ganz der Musik zu widmen. Er machte nun einen vollständigen Cursus in der Harmonielehre und dem doppelten Contrapunkt bei Prof. Dehn durch und fing zu gleicher Zeit an, mehrere Compositionen herauszugeben, als: Gesänge für eine Stimme mit Begleitung des Pianoforte, mehrere Hefte Duetten, Märsche, Tänze und mehrere Clavierstücke. Gegen 50 Werke.
3Im J. 1840 folgte R. einem Rufe nach Norwegens Hauptstadt Christiania als Musikdirektor am dortigen Theater. Hier wirkte er rastlos in 10 Jahren, componirte mehrere Concert-Ouvertüren, mehrere Messen für die katholische Kirche, ein Requiem bei Gelegenheit der Beisetzung des Königs Carl Johan, wofür er eine werthvolle Busennadel in Brillanten erhielt, mehrere Cantaten, lieferte ausserdem Musik zu »Tie Saters« und »Ogtemandens Repräsentant«, und erwies sich auch als fleissiger Sammler norwegischer Melodien, welche er mit vielem Geschick bearbeitet hat. Nach 10jährigem Aufenthalt in Christiania zog sich R. zurück von dem bewegten Theaterleben und ging nach Frederikshald als Organist und Kapellmeister der ersten akershusischen Brigade. Hier hat er sein musikalisches Talent fast ausschliesslich nur der Militärmusik zugewendet und eine grosse Anzahl von Fantasien über norwegische, schwedische und dänische Volksmelodien, mehrere Märsche, Polonaisen, Walzer u. a. componirt, welche sich ungetheilten Beifall erworben haben. Ein Streich-Quintett über norwegische Melodien in vier Sätzen hat ebenfalls vielen Anklang gefunden. Ausserdem hat R. hier als Instrukteur eines Männergesangvereins über 50 grössere und kleinere Gesänge für Männerchor componirt und herausgegeben, zur Freude aller derer, welche Quartett-Gesang lieben. Als Orchesteranführer der musikalischen Gesellschaft in Frederikshald hat er oft Gelegenheit gehabt, sein Compositionstalent zur Geltung zu bringen. R., seit 1841 verheiratet mit Frl. Bertha Löwe, einer Berlinerin, feierte 1866 seine silberne Hochzeit, nachdem er bereits 1865 sein 25jähriges Dienst-Jubiläum gefeiert hatte. Reissiger's Werth als Componist und Mensch wird in einer norwegischen Zeitung von 1858 folgendermaassen geschildert: »Zwischen Frederikshald's Bürgern hat dieser unser musikalischer Mitbürger nun gelebt und gewirkt seit 1850 in so vielseitigen öffentlichen und kommunal-musikalischen Richtungen, dass Norwegens Söhne sich freuen müssen, dass er, nachdem er seine Stellung in Christiania aufgegeben hatte, sich nicht überreden liess, nach seinem Vaterlande zurückzukehren; denn hier hat er verdienstvoll gewirkt nicht blos für die nationale Musik, welche in ihm einen fleissigen und tüchtigen Arbeiter gefunden hat, nicht blos für die Gesangsmusik des Landes, welche ihm manchen werthvollen Beitrag verdankt, nicht blos für das Erwachen und die höhere Auffassung der Kirchenmusik, nicht blos für jeden Landsmann, welcher seiner Unterstützung, seines Rathes und seiner Mitwirkung bedurfte, sondern auch als Lehrer, Instrukteur für unseren Gesangverein, Orchesteranführer, Organist und Executeur. Wo so viel Gutes und Verdienstliches gerühmt werden kann, da fehlt es auch nicht an vielen und aufrichtigen Freunden, und Frederikshald, wo R. nun lebt und wirkt, fühlt sich stolz, einen so verdienstvollen und geachteten Mann in seiner Mitte zu haben.
5Reissmann, August, Dr. phil., ist 1825 am 14. Novbr. zu Frankenstein in Schlesien geboren und erhielt auch hier die erste gründliche Unterweisung in der Musik durch den Stadtcantor Heinrich Jung, der eine Reihe der trefflichsten Cantoren und Organisten Schlesiens erzogen hat. In Breslau, wohin er 1843 ging, genoss er dann den Unterricht der Universitäts-Musikdirektoren Mosewius und Dr. Baumgart und des königl. Musikdirektors Ernst Richter in Theorie und Composition, Clavier- und Orgelspiel; bei Peter Lüstner nahm er Unterricht im Violin-, bei Cantor Kahl im Cellospiel. Mehrere Compositionen, welche in jener Zeit entstanden, fanden die freundlichste Aufnahme und reiften in ihm den Plan, die Componisten-Laufbahn zu verfolgen. Ein längerer Aufenthalt in Weimar (1850—1852) brachte insofern eine Aenderung

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