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Scan 356
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1Grosse Sonate, op. 3 (Schlesinger), Grosse Sonaten, op. 4 und 5 (Wien), Sonate für Clavier und Violine, op. 9 (Schlesinger), zwei grosse Trios: Piano, Violine und Violoncell, op. 11 und 12. Ferner: Quartett für Clavier, Violine, Violoncell und Bass, op. 13, und Sonate für Clavier und Violine, op. 14, Sonate für Clavier, op. 15, Phantasie für Clavier, op. 16. Die meisten dieser Sachen verrathen grosses Talent, der Aufenthalt oder das Todesjahr der begabten Frau ist gänzlich unbekannt. Die letzten Compositionen erschienen 1819.
3Riesenbass, ein, in Wien erfundenes grosses Streichinstrument, das sich zum Contrabass, wie dieser zum Violoncell verhält. Es hat indess keine weitere Verbreitung gefunden.
5Riesenharfe, s. Meteorologische Harmonika.
7Rietz, Joh. Friedr., königl. Kammermusikus und Bratschist der königl. Kapelle in Berlin, wirkte bereits 1786 bei der Aufführung des »Messias« in Berlin als prinzl. Kammermusikus mit und kam dann in das Orchester des königl. National-Theaters. Er wurde 1826 pensionirt und starb am 25. März 1828 zu Berlin im 60. Lebensjahre. Seine beiden Söhne, Eduard und Julius, brachten den Namen zu Ruf und Ansehen. Der ältere
9Rietz, Eduard, ist 1801 in Berlin geboren und bildete sich unter der Leitung seines Vaters, später unter der von Rode zu einem vortrefflichen Violinspieler aus, so dass er bereits im jugendlichen Alter als ausgezeichneter Concertspieler Ruf erlangte und in die königl. Kapelle kam. Zugleich war er guter Tenorsänger und wirkte als solcher in der Sing-Akademie fleissig mit, der er bereits seit 1821 angehörte. 1824 gab er seine Stellung in der Kapelle auf, gründete im November 1826 die philharmonische Gesellschaft, zu deren musikalischen Dirigenten er gewählt wurde und er brachte es bald so weit, dass der junge Verein Sinfonien und Ouverturen ausführen und die Instrumentalbegleitung bei den Aufführungen der Sing-Akademie übernehmen konnte. Leider hemmte ein früher Tod zu bald die segensreiche Wirksamkeit des ausgezeichneten Künstlers: er starb am 23. Jan. 1832, betrauert von allen, die ihn kannten, namentlich auch von dem jungen Felix Mendelssohn-Bartholdy, der seinem tiefen Schmerz über diesen Verlust in dem Briefe vom 4. Febr. 1832 aus Paris rührenden Ausdruck giebt: »Ich weiss«, schreibt er, »seit gestern erst meinen unvergesslichen Verlust. Es ist eine schöne, liebe Zeit meines Lebens und viel Hoffnungen damit vorbei, und macht mich für immer unglücklich. Nun muss ich sehn, mir neue Pläne und Luftschlösser zu bauen, die vorigen sind verloren, denn er war immer mit hinein verflochten, und wie ich mir meine ganze Knabenzeit und die darauf folgende, nie werde ohne ihn denken können, so dachte ich mir bis jetzt auch die Zukunft nicht anders. Daran muss ich mich nun gewöhnen, aber eben dass ich an nichts denken kann, ohne eine Erinnerung an ihn, dass ich nie Musik hören konnte, ohne das, und nichts schreiben, ohne an ihn dabei zu denken, das macht mir den Lebensabschnitt doppelt fühlbar. Denn jetzt ist die vorige Zeit wirklich vergangen. Aber das verliere ich nicht allein, sondern einen Menschen, den ich liebte; hätte ich auch gar keinen Grund gehabt, oder alte Gründe verloren, so hätte ich ihn doch geliebt ohne Grund, und er hatte mich auch lieb, und das Bewusstsein, dass solch ein Mensch in der Welt sei, bei dem man ausruhen konnte und der Einem zu Liebe lebte, und der nichts wollte, als eben blos dasselbe, das ist nun vorbei. Es ist der härteste Verlust, der mich bis jetzt hat treffen sollen, und ich werde ihn niemals vergessen.« Der jüngere Bruder:
11Rietz, Julius, ist gleichfalls zu Berlin am 28. Decbr. 1812 geboren. Auch er zeigte frühzeitig bedeutende musikalische Anlagen, welche zuerst durch den Vater und den älteren Bruder Eduard gefördert wurden. Nach dem Tode desselben übertrug Mendelssohn seine Liebe auf Julius und blieb ihm bis an sein Ende ein treuer Freund und Beschützer. Unter den Musikern Berlins nahm sich Zelter des jungen Künstlers an und unterwies ihn in der Theorie; im Violoncellspiel unterrichteten ihn Kammermusikus Schmidt, Bernhard Rom-
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