Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 357

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

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1berg und kurze Zeit auch Moritz Ganz. Gezwungen durch den frühzeitigen Tod des Vaters (1828), musste sich R. schon im zarten Jünglingsalter nach Erwerb umsehen, und so finden wir ihn denn bereits im 16. Lebensjahre als Violoncellist im Orchester des Königstädtter Theaters angestellt. Bald darauf versuchte er sich zuerst als Componist; seine Musik zu Holtei’s »Lorbeerbaum und Bettelstab« ward beifällig aufgenommen. Im J. 1834 berief ihn Mendelssohn, der damals als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf lebte, gleichfalls dorthin, um ihn als Musikdirektor bei dem, von Immermann gegründeten Theater zu unterstützen. Bekanntlich trennte sich Mendelssohn bald von Letzterem und R. übernahm nun die alleinige Leitung der Opern. Nach Mendelssohn’s gänzlichem Weggange von Düsseldorf, welcher im nächsten Jahre, kurz vor Auflösung des Theaters erfolgte, legte auch R. seine Stelle nieder (1836) und übernahm in dem jugendlichen Alter von 25 Jahren den Posten als städtischer Musikdirektor daselbst. Von da an stieg die Lebenswaage des jungen Mannes. Das frische, geistig belebte Künstlerleben in Düsseldorf, die liebenswürdige Leichtlebigkeit des Rheinländers, die sagen- und poesievolle Färbung des herrlichen deutschen Stromgebietes, regte seine Produktionskraft ungemein an. In Düsseldorf entstanden die »Concertouvertüre«, die Ouverture zu »Hero und Leander«, der Schlachtgesang, die Lustspiel-Ouverture und viele andere seiner besten Compositionen. In Düsseldorf auch bildete sich in der Leitung der städtischen Concerte und einiger niederrheinischer Musikfeste sein eminentes Direktionstalent aus. Daneben trat er auch noch als Violoncellvirtuos auf; man rühmte seinen »vollen, kräftigen und klassischen Ton, sein geist- und gemüthvolles, echt künstlerisches Spiel«.
3Ungern sah man am Rhein den geistvollen und kunstgebildeten Musiker nach Leipzig ziehen. R. war dorthin im J. 1847 an Stegmayer’s Stelle als Kapellmeister ans Stadttheater berufen worden und hatte zur selben Zeit auch die Leitung der dasigen Singakademie übernommen. Vom 1. Octbr. 1848 an erhielt er auch die Direktion der Gewandhaus-Concerte. R. wusste in Leipzig bald feste Position in den musikalischen Kreisen zu fassen, nach Mendelssohn’s Vorgange keine gar zu leichte Aufgabe. In den Jahren 1852 und 1853 führte er das Kapellmeisteramt am Theater allein fort; das Jahr darauf gab er das- selbe ganz auf und widmete seine Tätigkeit dem Gewandhause und der Sing- akademie, zugleich als Lehrer der Composition im Conservatorium für Musik wirkend. Auch als solcher erlebte er Freude und Erfolg. Unter seinen Schülern sind zu nennen: Normann, Kapellmeister in Stockholm; Levy, Kapellmeister in München; Radecke, Kapellmeister in Berlin; Desoff, Kapellmeister in Karlsruhe; Nicolai, Direktor des Conservatoriums im Haag; Bargiel, Professor an der Hochschule für Musik in Berlin; von Sahr, jetzt in München lebend; Eichberg, Direktor des Conservatoriums in Boston; Erdmannsdörfer, Kapellmeister in Sondershausen; Franz von Holstein und viele Andere. Rietz fand, wie am Rhein, so auch in Leipzig viel Anregung. Frohe Tage verlebte er im Kreise hochgebildeter Kunstgenossen und Freunde. Hauptmann, David, Moscheles, Schleinitz, Petschke, Raimund und Hermann Härtel bildeten einen Kreis, der ihn zu reicher Tätigkeit und frischem Schaffen anfeuerte. 1850 brachte R. in Leipzig seine Oper »Der Corsar« zur Aufführung; 1859 folgte in Weimar die einaktige Oper »Georg Neumark und die Gambe« von Pasqué. Ausserdem schrieb er mehrere Ouverturen und Sinfonien, Concertstücke für Violine, Violoncell, Oboe und Clarinette, viele Lieder, Männergesänge u. s. w. Auch seine segensreiche kritische Tätigkeit begann R. in Leipzig als Mitglied der Bach- und Händelgesellschaften, sowie als Herausgeber von zwölf Sinfonien von Haydn und zwölf Concertarien von Mozart.
5Im Februar des Jahres 1860 ward R. an Reissiger’s Stelle († 1859) als Hofkapellmeister nach Dresden berufen. Im J. 1876 feierte er sein 40jähriges Dirigenten-Jubiläum und wurde bei dieser Gelegenheit von fern und nah vielfach ausgezeichnet. König Albert von Sachsen ernannte ihn zum Generalmusik-

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