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Scan 410
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
10 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 402. See the scan on archive.org.
1lebendig, fast dramatisch lebhaft heraustreten zu lassen, ist Hauptsache und die begleitende Musik gewinnt dadurch ganz andere Bedeutung, wie bei der Romanze. Die Musik zur Ballade muss die Handlung und die einzelnen Charaktere unterscheiden und herausbilden helfen, aber ohne den Charakter des Episch-lyrischen zu verlieren, sie muss ihn nur zum Balladenton umwandeln. Demnach steht die Romanze mitten inne zwischen dem Liede und der Ballade. Ganz so eng geschlossen in der Form wie jenes, gewinnt sie doch mehr den ruhigern, gewichtigern und meist düstern Ton der Ballade, wie ihn eben die Erzählung fordert, ohne dass er bis zu jener dramatischen Gewalt der Ballade gesteigert wird. — Wie das Lied, so wurde dann auch die Romanze zur selbständig instrumentalen Form herausgebildet. Beethoven’s »Romanzen für Violine und Orchester« (op. 40 und op. 50) sind Muster ihrer Gattung, und auch Robert Schumann hat in seinen »Drei Romanzen für Clavier« (op. 28), wie in den »Romanzen für Hoboe« (op. 94) den Romanzenton vortrefflich instrumental getroffen.
3Romberg, der Name zweier Künstlerfamilien, deren Stammväter die Brüder Anton und Heinrich 1792 noch beide in Bonn lebten und sich schon durch die wunderbare Eintracht ihrer Familienglieder dort auszeichneten. Sie bewohnten daselbst mit ihren Kindern nicht nur dasselbe Haus, sondern trugen sich auch ganz gleich in der Kleidung.
5Romberg, Anton, geboren 1745, war Virtuose auf dem Fagott. Er lebte in Dinklage, später in Bonn und zuletzt in Münster, wo er 1812 starb. Im Frühjahr 1799 befand er sich in Hamburg, wo er Concerte gab, in welchem jedes seiner Kinder auftrat; er selbst spielte mit seinem jüngsten Sohne ein Doppelconcert für zwei Fagotte. Sein jüngster Sohn
7Romberg, Anton, geboren 1777, war ein geschickter Fagottist und Violinspieler, und dessen Schwester Angelica Sopransängerin und geschickte Clavierspielerin. Der älteste Bruder Bernhard ist der treffliche Cellist. (Siehe weiter unten.)
9Romberg, Andreas, Dr., Componist und ausgezeichneter Violinvirtuose, ältester Sohn von Gerhard Heinrich (s. u.), geboren am 27. April 1767 zu Vechte in der Gegend von Münster; war in einer musikalischen Familie aufgezogen und voller Begabung, schon im Alter von sieben Jahren befähigt, als Violinspieler in einem öffentlichen Concert in Gemeinschaft mit seinem Vetter Bernhard, dem Violoncellisten (s. d.), mitzuwirken. Die Freundschaft dieser beiden Knaben, welche gemeinschaftlich zum ersten Male die Oeffentlichkeit betraten, hielt sie verbunden während der ganzen Künstlerlaufbahn ihres Lebens. Die Fortschritte des A. als Violinspieler waren so bedeutend, dass er, 13 Jahre alt, mit seinem Vater und seinem Vetter eine Concertreise nach Holland und Frankreich unternehmen konnte, wobei er überall den grössten Enthusiasmus erregte. Auch versuchte er sich um diese Zeit schon als Componist. Siebzehn Jahre alt kam er zum ersten Male nach Paris und spielte in dem Salon des Baron Bagge mit so viel Beifall, dass man ihn für die Saison 1784 für die Concert spirituels engagirte. 1790 trat er mit Bernhard R. gemeinschaftlich in die Dienste des Kurfürsten von Köln, welche Stellung beide nach drei Jahren bei der Annäherung der feindlichen Franzosen verliessen, um gemeinschaftlich aufs Neue eine grösse Concertreise zu unternehmen. Sie gingen zunächst nach Italien, wo sie sich in Rom die Protection des Cardinal Rezzonico erwarben, der den Künstlern die bis dahin unbekannte Gunst, ein Concert im Kapitol geben zu dürfen, verschaffte. Dies Concert fand am 17. Febr. 1796 statt. Nun kehrten beide durch Tyrol nach Deutschland zurück. Andreas hielt sich einige Zeit in Wien auf, und erwarb sich auch hier als Virtuose und Componist Freunde, und die Anerkennung Joseph Haydn’s für sein erstes Quartett, welches er dort zu Gehör brachte. 1797 ging er nach Hamburg, wo er sich förmlich niederliess, und zum ersten Male von Bernhard trennte, welcher nun allein (1798) eine Kunstreise antrat. Aber schon 1800
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