Books › Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877 › scan 411
Scan 411
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
4 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 403. See the scan on archive.org.
1gab er den dringenden Bitten seines Vetters, welcher in Paris weilte, nach, und folgte ihm dahin. Mehrere seiner Compositionen führte er dort auf, konnte aber damit bei den Franzosen den gewünschten Anklang nicht finden, und nachdem auch seine, in Gemeinschaft mit Bernhard R. componirte, dort aufgeführte komische Oper »Don Mendoce ou le Tuteur portugais« keinen Beifall gefunden, verliess er die ihm unfreundliche Stadt, und kehrte nach Hamburg zurück. Hier hatte er sich mit Klopstock befreundet, von dessen Dichtungen er auch mehrere in Musik setzte. Er verheiratete sich nun und lebte fünfzehn Jahre in dieser Stadt, vielfach mit Compositionen beschäftigt und verliess sie, um einem Rufe als Hofkapellmeister nach Gotha zu folgen. Inzwischen erhielt er von der Universität Kiel das Diplom eines Doktor der freien Künste, besonders der Musik. In Gotha war er fortdauernd als Componist thätig und schrieb hier mehrere seiner grösseren Werke; wiederholte Schlaganfälle setzten jedoch seiner Thätigkeit ein Ziel. Er starb am 10. Novbr. 1821, 58 Jahre alt, allgemein betrauert. Seine Wittwe und sechs Kinder blieben mittellos zurück. Mehrere Städte Deutschlands ehrten den thätigen und rechtlichen Künstler, indem sie zum Besten seiner hinterlassenen Angehörigen Concerte veranstalteten.
3Von seinen Compositionen waren einzelne seiner Streichquartette und Quintette, und auch einige religiöse Gesänge sehr beliebt und weit verbreitet. Mit echt künstlerischer Gesinnung verbindet sich bei ihm eine leicht und geschickt gestaltende Hand und so wusste er, bei einem nicht gerade tiefen und reichen Talent, doch den Anforderungen seiner Zeit im besten Sinne des Worts zu genügen und er schuf jenes Werk, das alle seine anderen überdauern sollte und noch heute nicht aus unseren Concertsälen verdrängt ist: die Musik zu Schiller’s Glocke. Andreas Romberg wurde damit der Hauptvertreter jener sogenannten guten Musik, die für die Durchschnittskreise der allgemeinen Bildung immer Geltung behält. Von seinen Compositionen seien erwähnt: 1) Sechs Sinfonien für grosses Orchester, von denen vier op. 6, 22, 33 und 51 gedruckt sind (Leipzig, Peter’s; Paris, Janet). 2) Acht Ouverturen, gedruckt »Mendoce«, eine Ouverture in D-dur, op. 34 (ebend.). 3) Symphonie concertante für Violine und Violoncell, mit B. Romberg (Bonn, Simrock; Paris, Pleyel). 4) Vier Violinconcerte, op. 3, 8, 46, 50 (Paris, Bonn und Leipzig). 5) Rondos für die Violine und Orchester, op. 10, 29 (Leipzig und Hamburg). 6) Airs variés für Violine und Orchester, op. 17, 66 (ibid.). 7) Quintette für zwei Violinen, zwei Alto und Violoncell, op. 23, 58 (Hamburg, Böhme; Leipzig, Peters; Paris, Pleyel). 8) Quartette für zwei Violinen, Alto, Bass, op. 1, 2, 5, 7, 11, 16, 30, 58, 59, im Ganzen 25 gedruckte und 5 ungedruckte Quartette (Paris, Pleyel und Janet; Leipzig, Bonn, Wien und Offenbach). 9) Duos für zwei Violinen, op. 4, 18, 56 (ibid.). 10) Etuden und Sonaten für die Violine allein, op. 32 (Leipzig, Peters). 11) Acht Quintette für Flöte, Violine, zwei Altos, Violoncell, davon vier op. 21, 41 gedruckt (Bonn, Simrock; Leipzig, Peters). 12) Quintette für Clarinette, Violine, zwei Altos und Violoncell, op. 57 (ibid.). 13) Quartett für Clavier, Alt und Bass, op. 22 (ibid.). 14) Sonaten für Clavier und Violine, op. 9 (Bonn, Simrock). 15) Geistliche Cantate für vier Stimmen und Orchester, Partitur (Leipzig, Breitkopf & Härtel). 16) Psalm Dixit Dominus, vier Stimmen, Chor und Orchester, Partitur (Leipzig, Peters) Preiscomposition. 17) Pater noster, dreistimmig mit Orchester, Partitur (Hamburg, Böhme; Paris, Beaucé). 18) Psalmodie bestehend in fünf Psalmen, Magnificat und Alleluia 4-, 5-, 8- und 16 stimmig, a capella, nach einer Uebersetzung von Mendelssohn (Offenbach, André). 19) Te deum, vierstimmig und Orchester (Bonn, Simrock). 20) »Selmar und Selma«, Elegie von Klopstock, für zwei Stimmen, zwei Violinen, Alt und Bass (Leipzig, Peters). 21) »Die Glocke« von Schiller, vierstimmig und Ochester, op. 25 (ibid.). 22) »Die Kindesmörderin« von Schiller, Gesang mit Orchester, op. 27 (ibid.). 23) »Die Macht des Gesanges« von Schiller, Gesang mit Orchester, op. 28 (ibid.). 24)
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.