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Scan 464
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1und des am 17. Octbr. 1862 eröffneten Conservatoriums und widmete beiden Instituten eine umfassende Thätigkeit während längerer Zeit. Gegen Ende des Jahres 1867 gab er indess diese Wirksamkeit ganz auf und unternahm abermals eine grössere Concertreise, auf welcher die Triumphe, die er als ausführender Künstler errang, gegen die früherer Jahre womöglich noch gesteigert waren. In Wien, Paris, London und Berlin wurde er wahrhaft glanzvoll aufgenommen; zugleich führte er überall diese oder jene seiner neuen Compositionen auf, die in wahrhaft überraschend kurzen Zwischenräumen aufeinander folgten. Im Winter 1872—73 concertirte er in Amerika, wo seine Compositionen bereits einen grossen Kreis von Verehrern gefunden hatten und auch hier errang er durch sein geniales Spiel, wie durch die ungewöhnliche Ausdauer, die er dabei entwickelte, enthusiastische Anerkennung. Die ganz gleichen Erfolge erreichte er in England, wo er während der Saison 1877 concertirte. Von hohen Auszeichnungen, die ihm zu Theil wurden, ist besonders zu erwähnen, dass ihn der Kaiser von Russland 1869 mit dem Wladimir-Orden schmückte, der ihn zugleich in den Adelstand erhebt, und der Präsident der französischen Republik, Mac Mahon, 1877 ihm eigenhändig den Orden der Ehrenlegion überreichte.
3Auch sein Compositionstalent trieb früh schon Blüthen und Früchte. Noch während seiner Kinderjahre wurden zehn Compositionen von ihm gedruckt, und zwar für Piano: op. 1: »Ondine«, Etude; op. 7: »Hommage à Jenny Lind« (beide bei Schlesinger in Berlin); op. 8: »Voix intérieures« (Wien, bei Wessely); op. 9: »Trois Melodies caracteristiques p. Piano à 4 mains« und op. 10: »Deux Nocturnes p. Piano« (beide bei Haslinger in Wien); und für Gesang: op. 2: »Zuruf aus der Ferne« (Cöln, bei Schloss); op. 3: Romance: »Comment disait-il de Victor Hugo p. Chant avec Piano«; op. 4: »Gebet«; op. 5: »Die Nachtigall«; op. 6: »Die Lerche« (sämtlich bei Gresser in Moskau). Seitdem aber hat der ausserordentliche Künstler eine grosse Zahl von Werken aller Art geschaffen, die ebenso seine reiche Begabung, wie seine Herrschaft über das gesammte Tonmaterial bezeugen. Von seinen Liedern (op. 1, 8, 27, 32, 33, 34, 36, 57, 72, 76, 78 und 83), und den zweistimmigen (op. 48 und 67) sind einzelne zu erklärten Lieblingen in Haus und Concertsaal geworden, wie: »Gönnt mir goldne Tageshelle«, »Liebes goldnes Ringelein«, »Schlag die Tschadra zurück«, »Gelb rollt mir zu Füssen«, »Es schwebte ein Engel den Himmel entlang«, »Glücklich lebt vor Noth geborgen«, »Sonne scheint noch«, »Es blinkt der Thau«, der Asra: »Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter« u. A. Selbstverständlich erfreuen sich seine Clavierstücke, seine Etuden (op. 81), Caprices, Nocturnes, Fantasien u. s. w. als eben so wirksame wie fördernde Concertstücke der weitesten Verbreitung. Als eine dankbare Bereicherung der Literatur für Kammermusik sind namentlich seine Sonaten für Clavier und Violine (op. 13, 19, 41, 49), für Clavier und Cello (op. 18, 39), seine Trios (op. 15, 52, 85), die Quartette (op. 17, 66, 90), das Quintett (op. 55) für Clavier und Blasinstrumente und op. 59 für Streichinstrumente zu nennen. Von seinen fünf Concerten für Clavier (op. 25, 35, 45, 70 und 94) ist namentlich das in D-moll (op. 70) beliebt. Ausserdem componirte er ein Concert für Violine (op. 46) und zwei für Violoncello (op. 65 und 96). Von den Sinfonien Rubinstein's (op. 40, 42, 56, 95) haben besonders op. 42: »Occan« und die »Symphonie dramatique«, op. 95, ihren Rundgang durch die Concertsäle gemacht und mit steigendem Erfolge. Eine besonders ausgebreitete und erfolgreiche Thätigkeit entwickelte der Meister endlich auch auf dem Gebiet der dramatischen Musik und zwar sowol auf dem des Oratoriums, wie auf dem der Oper, und gerade hier dürfen wir gewiss noch Grosses und Bedeutendes von dem, in der Vollkraft seines Lebens stehenden Meister erwarten. Wenn auch die Opern: »Die Kinder der Haide«, Oper in vier Akten, »Feramors, (Lalla Rookh«), lyrische Oper in drei Aufzügen und »Der Dämon«, phantastische Oper in drei Akten (zum ersten Mal aufgeführt auf dem St. Marientheater zu St. Petersburg am 25. Jan. 1875), sich nicht auf der Bühne zu halten ver-
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