Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 495

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

6 lines. Read by computer on 15 September 2026. Printed page 487. See the scan on archive.org.

1such des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preussen in Dessau. Zur Feier seiner Anwesenheit entstand ein von Behrisch gedichteter, von R. componirter Nymphen-Gesang, welcher auf dem Sielitzer Berge bei Dessau von Frauenstimmen mit Begleitung von zwei Clarinetten, zwei Waldhörnern und Basson am 4. Octbr. 1787 gesungen wurde. Die nächste grössere Kirchenmusik »Gross ist der Herr« fällt auf den zweiten Sonntag nach Trinitatis am 3. Juli 1791. An diesem Tage feierte der Superintendent de Marées seine 50jährige Amtsführung. Hier begegnen wir zum ersten Male zwei Doppelchören zu sechs und acht Stimmen. Ihr folgte eine nicht minder bedeutende Cantate »Gott ist die Liebe«, aufgeführt »nach freudenvollem Einzuge des neuvermählten Fürstenpaares Friedrichs von Anhalt-Dessau und Amalia von Hessen-Homburg, den 1. Juli 1792«. In ihr finden sich wieder vier Hörner in verschiedener Simmung zugleich. Die beiden Sopran-Arien gehören in ihrer Art zu dem Trefflichsten, was die Haydn-Mozart'schen Periode aufzuweisen hat. Die letzte Kirchenmusik, die zu verzeichnen vorliegt, fällt Ende 1794, und beginnt mit den Worten: »Gott, unser Vater«. Zwei Arien und ein Chor, die sich im Autograph erhalten haben, sind ebenfalls von Bedeutung und zeigen zugleich, was das Orchester zu Dessau unter R.'s Leitung seit 1769 geworden war. Damals konnte er neben den Streich-Instrumenten nur 2 Flöten und 2 Hörner in Anwendung bringen; jetzt, 1794: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, 3 Posaunen und Orgel. Wo solche Zahlen reden, bedarf es keiner Worte weiter, solche Verdienste zu würdigen. Auch fehlte es R. bei seinen Lebzeiten nicht an Gönnern und Freunden unter Fürsten, Künstlern und Gelehrten, die solch herrliche Resultate freudig anerkannten. Doch hohe Kunst und vielseitige Wissenschaft verbanden sich bei ihm nicht allein mit grosser Liebenswürdigkeit, sondern auch mit einer vielleicht allzugrossen Bescheidenheit. Männer wie Naumann, Reichardt, Benda, J. A. P. Schulz u. A. wünschten ihm oft einen seinen Leistungen angemesseneren grösseren Wirkungskreis;*) aber es blieb beim Wünschen und R. erlag allzufrüh der auf seinen Schultern ruhenden Arbeitslast.
3Seine Berufspflichten waren enorm, das Gehalt dafür gering, und so seufzt er in einem Briefe vom 7. Febr. 1787 an seinen alten Freund Weimar, Musikdirektor in Erfurt: »Meine Lage ist noch immer so, dass ich mich mit der leidigen Information abgeben muss. Wer nur eine Weile an diesen Karren gezogen, der kennt die Last desselben. Und ach! der mir so theuren verschwendeten Zeit! Welchen edleren Gebrauch hätte ich davon machen können!« Oefters unternahm er bald hier, bald dorthin Kunstreisen. Der Reise nach Potsdam 1775 ist bereits gedacht worden. Ihr folgten 1779 eine Reise durch die grösseren Städte der jetzigen Provinz Sachsen; 1787 nach Dresden, und zwischen 1780—1790 wiederholte Besuche an den Hof zu Ballenstädt, wo er als hochgeschätzter, gern gesehener Gast des Fürsten, in dem an herrlichen Aussichten reichen Schlosse einige Wochen des Sommers zu wohnen pflegte. Alle diese Reisen brachten ihm indess zwar viel Ruhm und Ehre ein, niemals aber eine Aenderung und Verbesserung in seinem Berufe. Dazu schlug ihm das Schicksal eine schwere Wunde, als im März 1794 sein ältester, hoffnungsvoller Sohn als Student in der Saale bei Halle ertrank. Das Alles vereinigte sich, sein Leben zu verkürzen, das Mühe und Arbeit war bis zu Ende. Noch auf seinem Sterbebette componirte er eine Violin-Sonate, in welcher Paganini mit seinem Solo auf der G-Saite nicht allein anticipirt, sondern sogar übertriffen wird, indem R. vom Spieler verlangt: seine für die E-Saite geschriebene Sonate »auch auf den übrigen Saiten, mit Transposition der Tonart zu üben«. Mit der eigenhändigen Aufschrift: »geschrieben in meiner letzten Krankheit im Februar 1796« schied er am 28. desselben Monats aus diesem Leben. Er hinterliess sein treues Weib, die ihm auch als durchgebildete Sängerin die wesentlichsten Dienste geleistet, mit drei Töchtern und zwei unerwachsenen
5*) Siehe „Berlinische Musikalische Zeitung“ vom 28. Decbr. 1793, S. 198, Anmerkung.

The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.