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Scan 298
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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1Mann noch die Vorbereitung einer neuen Auflage der »Graduale« und »Vesperal« übernommen, schickte er sich zur Herausgabe einer Zeitschrift: »Revue de musique ancienne et moderne« an; die erste Nummer erschien am 1. Jan. 1856 und die letzte zum Schluss desselben Jahres als Nummer 12. Eine der besten historisch kritischen Sachen, die er darin mittheilt, ist: »Francon de Cologne, son siècle, ses travaux et son influence sur la musique mesurée du moyen âge«. Von seinen Werken sind ferner noch anzuführen: »Méthode de plain-chant à l'usage des écoles primaires« (Rennes, Vatar, 1855, in 12° 72 p.) und »Méthode populaire de plain-chant romain et petit traité de psalmodie approuvés par l'autorité ecclesiastique et publiés par E. Repos« (Paris, E. Repos, 1857, in 16° 54 p.), bei welchem Nisard wieder anonym erschien, und noch zwei Werke 1) »L'Accompagnement du plain-chant sur l'orgue etc.« (Theodore Nisard, Paris, 1860); 2) »Les vrais principes de l'accompagnement du plain-chant sur l'orgue d'après le maitres des 15 et 16 siècles etc.« (Paris, Repos, 1860). N. hat sich durch seine Werke in die Reihen der ersten Musikschriftsteller gestellt. Namentlich ist das erwähnte Dictionnaire mit Fleiss und grosser Sachkenntniss ausgeführt. Nicht minder werthvoll sind seine Arbeiten über den Chorgesang (plain-chant).
3Normann, L., geboren am 28. August 1831 in Stockholm, wurde hier der Schüler des trefflichen Liedercomponisten Lindblad und besuchte dann Anfang der fünfziger Jahre das Conservatorium in Leipzig. Er ging darauf wieder nach seiner Vaterstadt zurück, wurde 1857 Lehrer der Composition an der königl. Musik-Akademie in Stockholm und 1861 königl. Kapellmeister. Seit 1864 ist er mit Wilhelmine Neruda, der vortrefflichen Violin-Virtuosin, verheiratet. Seine Compositionen, Clavierstücke, wie Werke für Kammermusik, gehören mit zu den vortrefflichsten Erzeugnissen der Neuzeit.
5Norris, Charles, Musiklehrer und Tenorsänger, ist in Salisbury 1740 geboren. Er war Chorknabe an der Kathedrale seiner Vaterstadt und lebte später in Oxford als Gesanglehrer und Organist. Als trefflicher Oratoriensänger wurde er oft nach London berufen, um dort in den Oratorien die Tenorsoli zu übernehmen. 1789, bei einer Gedächtnissfeier Händel's, als seine Stimme durch Krankheit schon abgenommen hatte, sang er zum letzten Mal. Er starb den 5. Septbr. 1790. N. spielte mehrere Instrumente und hat bei Rolfe in London acht Canzonetten mit Pianobegleitung veröffentlicht.
7North, Franz, Ritter und Grosssiegelbewahrer von Grossbritannien, wurde zu Rongham in der Grafschaft Norfolk gegen 1640 geboren. Nachdem er die Universität Cambridge absolviert hatte, wurde er Advokat, erlangte aber nach und nach die höchsten Staatsämter. Er war leidenschaftlicher Musikliebhaber, spielte gut Lyraviol und Bassviol, besondere Arten der Viola da Gamba, und sang mit Leichtigkeit vom Blatt. Er schrieb eigenhändig eine grosse Anzahl italienischer Gesänge und Duette ab, um sie mit seinem Bruder (s. unten) durchzusingen. Auch in der Composition versuchte er sich; er schrieb mehrere zwei- und dreistimmige Sonaten, die aber Manuscript blieben. Ohne Nennung seines Namens erschien von ihm im Druck »A Philosophical Essay on Music« (1677, in 4° 35 S.). Er starb auf seinem Schlosse Wroxton bei Branbury am 7. Septbr. 1685.
9North, Roger, Bruder des Vorigen, wurde 1644 ebenfalls in Rongham geboren, war General-Procurator des Königs, und gleich seinem Bruder ein Verehrer der Tonkunst. Er sang, wie schon angeführt, spielte aber auch gut Orgel, und liess sich in seinem Hause in Norfolk eine von Schmidt gebaute Orgel aufstellen, die von seltener Schönheit gewesen sein soll. Dieser Musikfreund hat auch ein Manuscript verfasst, welches Daten über alle berühmten englischen Musiker von 1650 bis 1680 enthält. Es vererbte sich von Kind auf Kindeskind und gelangte zuletzt in die Hände des Organisten Thowshend Smith, welcher es der musikalisch antiquarischen Gesellschaft zur Verfügung stellte; der eine Theil des Manuscripts, diese historischen Notizen enthaltend,
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