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Scan 114
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1Schilcha, Anton, Organist zu Brzezno in Böhmen, vorher in Jungbunzlau in Schlesien, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, starb in Brzezno 1795. Man findet in den Archiven der Kirche zu Raudnitz Messen, Offertorien und Litanien im Manuscript.
3Schild, Melchior, Organist und Componist an der Kirche St. Georg und St. Jakob zu Hannover, hatte seine Studien in Amsterdam bei dem berühmten Schweling gemacht und erreichte eine ausserordentliche Fertigkeit im Orgelspiel, durch welches er auch die Gunst des Herzogs Christian Ludwig ganz besonders erwarb, der ihn oft in seinem Wagen zu sich holen liess und reich beschenkte. Als er 1668 zu Hannover starb, hinterliess er seiner Tochter und seinem Sohne ein Vermögen von 12,000 Thlr., ausserdem noch eine Stiftung zu einem jährlichen Stipendium von 80 Thlr., obwohl sein Gehalt nie mehr als 100 Thlr. jährlich betragen.
5Schilling, Gustav, Dr. und Hofrath zu Stuttgart, wurde am 3. Nov. 1805 in Schwiegershausen im Königreich Hannover geboren. Sein Vater, von dem er in der Musik unterrichtet wurde, war Pastor und stammte aus einer Organistenfamilie. Sch. bezog 1823 die Universität Göttingen, um Theologie zu studiren, und besuchte auch die Universität Halle. 1830 liess er sich in Stuttgart nieder, und übernahm daselbst die Direktion der Stöpelschen Musikschule. Nebenher sendete er eine Anzahl von Büchern verschiedenen Werthes in die Welt, die demselben gerechtfertigte Anfechtungen zuzogen. Zu diesen gehören hauptsächlich die aesthetisirenden »Versuch einer Philosophie des Schönen in der Musik u. s. w.«; ferner 1839 veröffentlicht: »Polyphonomos oder die Kunst zur Erwerbung einer vollständigen Kenntniss der Harmonie in 36 Stunden«. Sein umfangreichstes Werk ist: »Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexikon der Tonkunst« (Stuttgart, bei Köhler, 1835—1840, 7 Bände, in 8°). Ausserdem gab er heraus: »Musikalisches Handwörterbuch nebst einigen vorangeschickten allgemeinen philosophisch-historischen Bemerkungen über die Tonkunst. Insbesondere für Clavierspieler bearbeitet« (Stuttgart, Paul Neff, 1830, in 12°). »Beleuchtung des Hoftheaters in Stuttgart« (Stuttgart, Neff, 1832, in 8°). »Allgemeine Generalbasslehre u. s. w.« (Darmstadt, L. Pabst, 1836, ein Band gross 8°). »Musikalischer Autodidakt u. s. w.« »Geschichte der heutigen modernen Musik u. s. w.« (Karlsruhe, 1841). »Das musikalische Europa oder Sammlung von authentischen Lebensnachrichten über jetzt in Europa lebende Tonkünstler u. s. w.« (Stuttgart, 1840). 1857 verliess Sch. Stuttgart und ging nach New-York, musste aber auch hier wegen Criminalverfolgung flüchten und lebt seitdem in Montreal in Canada.
7Schimf, Christoph, Prediger und Kapellmeister der Hauptkirche zu Eichstätt in Baiern um die Mitte des 17. Jahrhunderts, von dem eine Composition bekannt ist: »Augustissimae Virginis Mariae Antiphonae e Litaniae 2, 3, 4 et 5 vocibus, 2 violinis et organ. decantandae« (Oeniponti, typis Mich. Wagneri, 1658, in 8°).
9Schimon, Adolf, ist am 29. Febr. 1820 in Wien geboren. Sein Vater, Maler und Opernsänger, ist namentlich durch seine nach der Natur gemalten Portraits von Beethoven, Weber und Spohr bekannt geworden. 1822 siedelte die Familie nach München über, Adolf erhielt hier früh auch Unterricht in der Musik und trat bereits mit neun Jahren als Clavierspieler öffentlich auf. 1836 ging er nach Paris, wo er unter Berton und Halévy seine Studien fortsetzte und dann nach Italien. Hier wurde seine Oper »Stradella« aufgeführt. 1850—1853 war er Direktor des Sologesanges am italienischen Theater in London und lebte dann in einer ähnlichen Stellung bis 1858 in Paris. In diesem Jahre wurde seine Oper »List um List« in Dresden und Schwerin aufgeführt. 1867 ging er wieder nach Italien. 1874 wurde er dann Professor des Gesanges am Conservatorium in Leipzig, verliess aber 1877 diese Stelle wieder und siedelte nach München über. Seine Frau, geb. Regan, ist die bekannte vortreffliche Liedersängerin.
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