Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 388

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878

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1lassen, weil ich erfuhr, dass ich ohne einen neuen Process nicht die Auszahlung des vollen Gehaltes würde erwirken können und weil es meinem Gefühle widerstrebte, ohne alle Geschäfte von meiner Seite den vollen Gehalt annehmen zu sollen, da ich auch mit Dreiviertel, mit Hülfe meines Ersparnen, sehr gut auskommen kann.«
3Kaum waren die Feierlichkeiten vorüber, die sich an die Vorstellung der »Jessonda« schlossen, mit welcher der Meister vom Publikum Abschied nahm, als schon ein neues Missgeschick ihn ereilte: bei einem seiner täglichen Gänge zum Lesemuseum hatte er das Unglück, durch einen Fall auf der steinernen Eingangstreppe den linken Arm zu brechen. Die Heilung ging zwar über alles Verhoffen glücklich von Statten, und als er nach mehrmonatlicher Unterbrechung die Geige wieder zur Hand nahm, schien der Versuch befriedigend auszufallen; doch musste er bald die Ueberzeugung gewinnen, dass der Arm die erforderliche Kraft und Elasticität nicht wieder erlangen werde, worauf er dann trauernd die geliebte Geige zur Ruhe legte. Eine Entschädigung für diesen Verlust gewährte ihm das Componiren, welchem er mit Regelmässigkeit, halb gewohnheitsmässig obzuliegen fortfuhr, wenn auch seine Erfindungskraft in den letzten Lebensjahren derart erlahmt war, dass seine Thätigkeit mehr eine reproducirende als eine schöpferische genannt werden muss. In dem Maasse aber, wie er sich über seine zunehmende Schwäche auch auf diesem Gebiete klar wurde, verlor das Leben für ihn seinen Reiz und mit inniger Freudigkeit harrte er des Augenblickes, welcher seinem irdischen Streben ein Ziel setzen sollte. Noch am 16. October des Jahres 1859 hatte er sich seinen gewohnten Beschäftigungen hingegeben und schon am 22. war er im Kreise seiner Familie sanft entschlafen. Die Theilnahme der gesammten Bevölkerung bei seinem Begräbniss liess keinen Zweifel, wie tief Spohr’s Verlust als Künstler wie als Mensch in der Stadt seiner langjährigen Wirksamkeit empfunden wurde. Von den äusserlichen Ehren, die ihm bei Lebzeiten erwiesen waren, seien hier nur einige erwähnt: in Cassel wurde er 1847 bei Gelegenheit seines 25jährigen Kapellmeister-Jubiläums zum General-Musikdirektor ernannt unter Verleihung der Hoffähigkeit; der König von Preussen hatte ihm den Orden »pour le mérite« verliehen; den Akademien der schönen Künste von Brüssel und von Wien sowie den Gesellschaften »Cäcilia« in Rom und »Euterpe« in Leipzig u. a. gehörte er als correspondirendes Mitglied an.
5Die Componistenthätigkeit Spohr’s erstreckte sich auf sämmtliche Gattungen der Vocal- und Instrumentalmusik. An Opern schrieb er ausser den drei schon genannten »Alruna« (1808), seine erste Oper, von der indessen nur die Ouverture zur öffentlichen Aufführung gelangte; »Der Zweikampf mit der Geliebten«, zum ersten Mal aufgeführt in Hamburg (1811); »Der Berggeist« (componirt und in Cassel aufgeführt 1825); »Pietro von Albano« (ebenda 1827); »Der Alchymist« (ebenda 1832); »Die Kreuzfahrer« (ebenda componirt 1838, aber erst 1845 zur Aufführung gelangt). An Oratorien: »Die letzten Dinge« (für Wien componirt und dort 1826 aufgeführt); »Des Heilands letzte Stunden« (Cassel, 1835); »Der Fall Babylons« (ebenda 1840); »Das letzte Gericht« und ein scenisches Oratorium »Das befreite Deutschland«; ausserdem an geistlicher Musik eine Anzahl von Messen, Hymnen, Psalmen und Cantaten. Noch beträchtlicher ist die Zahl seiner Orchester- und Kammermusikwerke; unter den zehn Symphonien ragen hervor: No. 4 »Die Weihe der Töne«; No. 6 »Historische Symphonie«; No. 7 »Irdisches und Göttliches im Menschenleben« für zwei Orchester; No. 8 »Die vier Jahreszeiten«. An Ouverturen hat er ausser den zu obengenannten Opern gehörigen vier geschrieben, drei Concertouverture und eine zum Drama »Macbeth«. Ferner dreunddreissig Streichquartette, vier Doppelquartette, ein Streichsextett, sieben Streichquintette; ein Nonett für Geige, Bratsche, Violoncell, Flöte, Oboe, Clarinette, Horn, Fagott und Contrabass; ein Octett für Geige, zwei Bratschen, Violoncell, Clarinette, zwei Hörner und Contrabass; fünfzehn Violinconcerte und zwei Clarinettenconcerte mit Or-

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